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neuigkeit

Für und Wider Bargeld

Bar oder bargeldlos zahlen?

Bar oder bargeldlos zahlen?

Verschwindet das Bargeld? In Deutschland sieht es nicht danach aus – auch wenn immer mehr Menschen bargeldlos bezahlen. Für beide Zahlarten – bargeldlos und bar – gibt es gute Gründe.

Bargeld verschwindet aus der Welt; der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sagte dem „Spiegel“: „Bei den heutigen technischen Möglichkeiten sind Münzen und Geldscheine tatsächlich ein Anachronismus.“* – „Bargeld lacht“, sagt der Volksmund – und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gibt zu bedenken: „Bargeld ist in Deutschland nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel. Rund drei Viertel aller Einkäufe im Laden werden bar bezahlt.“ Der Anteil des Bargeldes nehme nur langsam ab: „Bargeld hat eben auch Vorteile, man gibt keine Daten preis und ist unabhängiger von Technik.“ Zwei Experten – zwei Erzählungen …

Welche der Geschichten steht für die Zukunft? Ein erster Ausflug führt nach Schweden: Dort erfolgen ca. 80 Prozent der Zahlungen bargeldlos. Ein enormer Aufschwung eines „Cash-Free-Systems“, das mit Geldkarten arbeitet. 2010 wickelten die Schweden erst 60 Prozent aller monetärer Transaktionen ohne Bargeld ab. Doch das System ist inzwischen tief in die Gesellschaft eingesickert, selbst Straßenhändler sollen Lesegeräte bereithalten, um Geld zu „verbuchen“. Öffentliche Toiletten? Oft nur zugänglich mit einer Geldkarte, sobald ein kleiner Obolus entrichtet wird. Nur eine Minderheit unter den Restaurants und kleinen Geschäften nimmt noch gerne Bargeld an – ein Signal an Touristen, sich auch mit einer Geldkarte auszustatten.


Bargeldlos oder bar bezahlen – beides nachhaltig möglich mit dem Girokonto der Triodos Bank


Die nächste Stufe wurde in Schweden bereits gezündet: eine App zu Zahlungszwecken. Name: „Swish“. Dazu die Macher der App: „Ihr Bankkonto wird mit Ihrer Handynummer verknüpft und Sie können problemlos Geld mit Ihrem Handy senden und empfangen.“ Das sei besonders „perfekt“, „um zum Beispiel die Rechnung zu teilen, das Flohmarkt-Schnäppchen zu bezahlen oder eine Spende zu machen.“

Bargeldlos bezahlen – die Zukunft? Das findet auch Bofinger: Bargeld mache den Zahlungsverkehr umständlich, etwa „wenn Leute vor Ihnen an der Ladenkasse nach Kleingeld suchen und die Kassiererin nach Wechselgeld“. Da gehe nur Zeit verloren. Wer das Bargeld abschafft, würde auch „die Märkte für Schwarzarbeit und Drogen“ trockenlegen. Das sei ein viel schwerer wiegendes Argument. 500 Euro-Scheine machten ca. ein Drittel des Bargelds aus – „Fürs Einkaufen braucht die niemand, damit wickeln lichtscheue Gestalten ihre Geschäfte ab“. Soweit der Wirtschafsweise mit seinem Statement im „Spiegel“. 2018 hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Ausgabe von 500 Euro-Scheinen gestoppt. Alle Scheine, die sich im Umlauf befinden, behalten aber ihre Gültigkeit.

Bofingers Sichtweise findet sicher Resonanz, zumal noch eine Reihe weiterer Argumente für einen bargeldlosen Zahlungsverkehr sprechen:

  • Bargeld kann verloren gehen – oder es wird gestohlen. Fragen der Sicherheit standen schon immer im Vordergrund, beim eigenen Geldbeutel oder speziell gesicherten Geldtransportern. Ebenfalls besteht das Risiko von Fälschungen.
  • Aus Sicht der Geschäfte hat Bargeld einen großen Nachteil: Es muss am Abend gezählt und sicher zur Bank gebracht werden.
  • Manchmal gibt es einen Engpass im eigenen Geldbeutel, Münzen und Scheine reichen nicht aus, um zu bezahlen. Da ist eine Geldkarte praktischer.
  • Der Weg zum Bargeld führt immer über einen Bankschalter, Geldautomat oder heutzutage auch Supermarkt. Das ist ein zusätzlicher Aufwand.

Überzeugt? Geht am bargeldlosen Zahlungsverkehr nichts mehr vorbei? Mitnichten … Um das zu verstehen, ist ein Perspektiv-Wechsel nötig – und ein Blick in die Wissenschaft. Denn spannend ist die Psychologie des Geldausgebens! Da geht es nicht um Bequemlichkeit, sondern um die Frage, ob Konsumenten souverän mit ihren Ausgaben umgehen. Und wie sie zu Käufen verleitet werden, die sie gar nicht im Kopf hatten. Das Stichwort aus der Wissenschaft lautet: „The Pain of Paying“ (Der Schmerz beim Bezahlen).

“Kreditkarten anästhesieren wirksam den Schmerz beim Bezahlen.”

George Loewenstein

Wissenschaftler der „Carnegie Mellon University” (Pittsburgh, USA) sind diesem besonderen Schmerz auf die Spur gekommen. An ihren Versuchen waren 26 Erwachsene beteiligt. Jeder bekam 20 Dollar als Papiergeld zum Einkauf von Produkten, die ihnen gezeigt wurden. Sie hatten aber auch die Alternative, nichts zu kaufen. Dann konnten Sie das Geld behalten. Der Witz bei der Untersuchung: Die Probanden lagen alle in einem funktionellen Magnetresonanztomographen (fMRT) – und die Wissenschaftler konnten ins Gehirn schauen, als die Erwachsenen ihre Konsumentscheidung trafen. Die Forschungsfrage lautete: Welche Gehirnregion wird dabei angesprochen? Es war die „Insula“, ein Teil des Gehirns, das mit der Verarbeitung von Schmerzen verbunden ist. „Er wurde aktiviert, als den Probanden zu hohe Preise gezeigt wurden“, berichtet George Loewenstein, Professor für „Social and Decision Sciences“ (SDS) an der „Carnegie Mellon University”.

Außerdem stellten die Wissenschaftler fest: Wurde die Region zur Schmerzverarbeitung aktiviert, senkte das die Kauflaune der Probanden. Die Forscher glauben so eine Erklärung gefunden zu haben, warum Menschen mit Kreditkarte mehr kaufen als mit Bargeld. „Wer seine Karte einfach durchs Lesegerät zieht“, so Loewenstein, „hat nicht das Gefühl, wirklich etwas aufzugeben, wenn er seinen Kauf tätig.“ Ganz anders sieht es aus, wenn bar mit Münzen oder Scheinen bezahlt wird: Das haptische Erlebnis, eigenes Geld hergeben zu müssen, löst einen seelischen Schmerz aus. Aber: „Kreditkarten anästhesieren wirksam den Schmerz beim Bezahlen”, so Loewenstein.

Der „Pain of Paying“ hat eine sinnvolle Funktion: Er kann das Kaufverhalten regulieren und in rationalere Bahnen lenken. Ob das im Sinne einer auf Wachstum fixierten Ökonomie ist? Wohl kaum, denn Milliarden werden in die Werbung gesteckt, um das Kaufverhalten zu stimulieren. Da kommt der digitale Trend zum bargeldlosen Zahlen gerade richtig, weil er weniger „Schmerzen“ verursacht.

Das meiste Plastikgeld wird in Deutschland als „Charge-Karte“ bezeichnet: Sie gewährt eigentlich kein Darlehen, sondern dient als Zahlungsmittel wie EC-Karten. Die Ausgaben sammeln sich über einen Zeitraum – und werden am Ende automatisch per Lastschrift vom Girokonto abgebucht. Ohne Zinsen! Das gilt auch für „Debit-Karten“, bei der alle Beträge sofort vom Konto eingezogen werden.

Problematisch sind die „echten“ Kreditkarten, die auch „Revolving-Karte“ heißen und in Deutschland ein Zehntel des Plastikgelds ausmachen: Der Anbieter stellt dem Nutzer einen bestimmten Kreditrahmen zur Verfügung, der die Ausgaben pro Monat limitiert. Es gibt zwar eine monatliche Abrechnung, aber der Kunde entscheidet selbst, ob er den „Kredit“ zurückzahlt.

Macht er das, werden keine Zinsen fällig. Lässt er aber den Betrag stehen, um ihn in Raten abzuzahlen, verlangt der Anbieter bis zu 20 Prozent Zinsen! Eine Schuldenspirale droht: Der Kunde kann weiter seinen Kreditrahmen ausschöpfen, die offenen Beträge bleiben einfach stehen, die teuren Schulden kumulieren sich. Die Versuchung ist groß, mehr Geld auszugeben, als ökonomisch geboten ist. Der „Pain of Paying“ ist betäubt – und die Kreditkarte wird zur Schuldenfalle.

Datenschutz und Unabhängigkeit sind starke Argumente für Bargeld

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann nannte zwei weitere Aspekte, die fürs Bargeld sprechen: Datenschutz und Unabhängigkeit von Technik.

Zum Datenschutz hat sich auch der Bankenverband gegenüber der FAZ geäußert. Er sieht massive Probleme, weil ohne Barzahlungen jede Transaktion der Bürger erfasst würde – vom Schnaps in der Kneipe bis zur Miete eines Maserati. Völlige Transparenz wäre die Konsequenz. Gut, um Kriminelle zu verfolgen … aber auch denkbar zur vollständigen Überwachung des Zahlungsverkehrs, den unbescholtene Bürger abwickeln.

Und wie steht es um die Abhängigkeit von Technik? Sie wäre zu 100 Prozent gegeben, wenn die Menschen nur bargeldlos bezahlen. Hacker könnten das System angreifen, technische Pannen den Zahlungsverkehr lahmlegen. Zudem begeben sich die Bürger in die Hand privatwirtschaftlicher Unternehmen – wie Apple, Google oder auch „Swish“ in Schweden, das wohl ebenfalls gewinnorientiert arbeitet. Dadurch würden weitere Teile des Geldsystems dem Ziel unterworfen, maximale Renditen zu erwirtschaften, obwohl sie zur kritischen Infrastruktur der globalen Ökonomie gehören. Und: Gerät einer dieser Player ins Wanken, lässt sich kein Bargeld mehr abheben, dieses klassische Sicherheitsnetz ginge verloren. Bleibt nur die Übertragung der Guthaben auf einen anderen Anbieter. Diese systemische Abhängigkeit ist der Preis, der fürs bequeme Bezahlen ohne Bargeld zu zahlen ist.

Und aus Entenhausen sind auch Warnungen zu hören: Dagobert Duck, heißt es, fürchte um sein tägliches Bad im Geldtresor!

 

Text: Ingo Leipner

Bild: unsplash

*Die Zahlen beziehen sich auf Vor-Corona-Zeiten.

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Thomas Klees vor 5 Monaten

Ich möchte nicht auf Bargeld verzichten, soviel Freiheit und Unabhängigkeit muss bleiben. Außerdem habe ich beobachtet, dass viele Menschen beim Kartenzahlen länger brauchen. Oft funktioniert es auch gar nicht. Gerade ältere Menschen, die angeblich zu lange ihr Bargeld suchen und abzählen, sind mit der Kartenzahlung oft überfordert. Nur Bares ist Wahres !

Katie vor 5 Monaten

bloß nicht abschaffen! Wir möchten unser Bargeld behalten!