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Interview

Auf Nachhaltigkeitsmission

Interview mit Eric Holterhues, Leiter der Triodos SRI-Fonds und für Investments in Kunst und Kultur

Interview mit Eric Holterhues, Leiter der Triodos SRI-Fonds und für Investments in Kunst und Kultur

Immer mehr Menschen interessieren sich für nachhaltige Investments. Wegen der steigenden Nachfrage bieten auch immer mehr konventionelle Banken Nachhaltigkeitsfonds an. Wir haben Eric Holterhues, den Leiter der Nachhaltigkeitsfonds der Triodos Bank gefragt, was den Erfolg der Triodos SRI-Fonds ausmacht und wieso er ein Fan vom Papst ist.

Eric Holterhues, Leiter der Triodos SRI-Fonds und Kunst und Kultur

Eric Holterhues, Leiter der Triodos SRI-Fonds und Kunst und Kultur

Herr Holterhues, als Sie vor zwei Jahren die Leitung der SRI-Fonds übernommen haben, betrug das Fondsvolumen 500 Mio. Euro. Heute sind es mehr als 1,2 Mrd. Euro, die Sie verwalten. Wie erklären Sie sich dieses starke Wachstum in dieser kurzen Zeit?

Was wir in den vergangenen Jahren beobachtet haben, ist, dass sich grundsätzlich immer mehr Menschen für nachhaltige Investmentmöglichkeiten interessieren. Ein aktueller Bericht des European Sustainable and Responsible Investment Forums (Eurosif) bestätigt diesen Trend.

Wir erstellen zudem einen jährlichen internen Vergleich unserer Fonds mit denen der Wettbewerber. Darin vergleichen wir die Fonds hinsichtlich ihrer finanziellen Ergebnisse, aber auch der Auswahlkriterien. Dabei stellen wir immer wieder fest: Unsere Auswahlkriterien sind mitunter die strengsten. Das wissen die Menschen auf der Suche nach einer nachhaltigen Geldanlage zu schätzen.

Ist das der Grund für Ihren Erfolg?

Der Unterschied zwischen der Triodos Bank und anderen Banken, die u.a. nachhaltige Fonds anbieten, ist, dass es bei uns dafür eine intrinsische Motivation gibt. Bei uns gehört Nachhaltigkeit zur Unternehmensmission.

Spätestens seit der Finanzkrise hat sich allgemein ein erhöhtes Bewusstsein für nachhaltige Investments entwickelt. Immer mehr Menschen fragen sich: Was passiert mit meinem Geld? Die Finanzkrise war so etwas wie ein Katalysator für dieses Bewusstsein.

Der Grund für unseren Erfolg ist die gute Reputation, die wir mittlerweile genießen. Sowohl Kunden als auch andere Banken, die unsere Triodos Investmentfonds vertreiben, sagen: „Wenn man in wirklich nachhaltige Fonds investieren möchte, dann sollte man die Triodos SRI-Fonds wählen.“ Das ehrt uns natürlich sehr. Darüber hinaus weisen unsere Nachhaltigkeitsfonds auch ökonomisch eine sehr positive Entwicklung auf – einige von ihnen schlagen sogar den konventionellen Vergleichsindex (Benchmark).

Immer mehr Banken springen nun auf den „grünen Trend“ auf. Vor kurzem haben Sie die Entscheidung getroffen, Investitionen in Öl und Gas grundsätzlich auszuschließen. War das nicht längst überfällig?

Vor zehn Jahren haben wir Öl und Gas in unsere SRI-Fonds aufgenommen. Damals haben wir diese Entscheidung getroffen, um auch in diesen Bereichen mehr Einfluss zu gewinnen, Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen.

Nachhaltige Investments sind Teil unserer DNS.

Grundsätzlich wollen wir möglichst wenige Branchen von vornherein ausschließen – außer von ihnen geht eine potentielle große oder unberechenbare Gefahr aus, wie in der Kernenergie oder im Waffenhandel. Deswegen ist unser Ansatz ein positiver. Über unser Engagement möchten wir möglichst viel erreichen und unseren Einfluss möglichst breit streuen.

Heute, also zehn Jahre später, haben wir festgestellt, dass es viele Branchen gibt, in denen sich einiges getan hat, wie beispielsweise in der Automobilindustrie mit der Entwicklung von Elektroautos. Bei den fossilen Energien gab es jedoch kaum eine Veränderung in Richtung Nachhaltigkeit. Unsere Entscheidung ist daher gegen Öl und Gas und für Erneuerbare Energien, wie Wind und Solar, gefallen.

Wie haben sich die SRI-Fonds und Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren entwickelt?

In der Branche hat sich einiges getan. Wir mussten mehr Regulatorien annehmen, viel Aufklärungsarbeit leisten, wie unsere Fonds funktionieren, inwiefern sie sich von anderen unterscheiden, und wie wir mit Unternehmen interagieren.

Aber nachhaltige Investments sind Teil unserer DNS. Die Triodos Bank wurde gegründet mit dem Ziel, etwas Nachhaltiges zu schaffen. Dieses Ziel erreicht man über drei Wege, wovon der Name Triodos (griechisch: tri hodos – drei Wege)* abgeleitet ist: Umwelt, Soziales und Kultur. Unsere Mission ist es, einen Mehrwert für Mensch und Gesellschaft zu schaffen und diese Werte auch gegenüber Unternehmen zu vertreten, beispielsweise über die SRI-Fonds. Dieser holistische Ansatz ist sowohl die Mission der Bank als auch meine eigene Überzeugung. Das Schöne daran ist: Diese Überzeugung teilen heutzutage immer mehr Menschen.

Wenn man nur ein guter Banker ist, aber nicht an die Mission glaubt, unterscheidet man sich nicht von den anderen Banken und verliert seine Glaubwürdigkeit.

Sie sind laut Ihrer Berufsbezeichnung “Head of SRI and Head of Arts and Culture”, also Leiter der SRI-Fonds und Leiter für Kunst und Kultur – wo besteht darin die Verbindung?

Das sind zwar auf den ersten Blick unterschiedliche Bereiche, aber sie sind doch beide Teil der holistischen Vision von der Triodos Bank. Kunst und Kultur sind ein essentieller Bestandteil unserer Gesellschaft und von großer Bedeutung für die positive Entwicklung des Individuums.

investments-gkWas ist die Herausforderung Ihrer Position, was motiviert Sie für die Triodos Bank zu arbeiten?

Die Kombination von Mission und Bank: Wenn man nur an die Mission glaubt, aber kein guter Banker ist, ist man zum Scheitern verurteilt. Wenn man nur ein guter Banker ist, aber nicht an die Mission glaubt, unterscheidet man sich nicht von den anderen Banken und verliert seine Glaubwürdigkeit. Es ist also beides: Triodos und Bank, die für den Erfolg wichtig sind und die Arbeit für die Triodos Bank prägen.

Auf Twitter schreiben Sie neben Branchenthemen häufig über den Papst. Wie kommt es zu dieser ungewöhnlichen Konstellation?

Der Papst hat vor kurzem eine Enzyklika veröffentlicht, die mich sehr fasziniert hat. Zunächst scheint es, als habe sie die Umwelt als Thema. In Wahrheit geht es aber auch um Lebensqualität. Er spricht zwar viel von der Umwelt, aber auch von der Verantwortung gegenüber den Armen und auch viel über Kunst und Kultur. Diesen ganzheitlichen Gedanken teile ich mit ihm.

 

 

Das Interview führte Karina Elmer. Sie ist Teil des raabengrün Teams und hat sich nach dem Gespräch zum ersten Mal seit Jahren wieder mit dem Papst befasst.

 

*Anm. der Redaktion

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