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einblick

“Bald wird der belohnt, der variabel Energie konsumieren kann”

Dominic Hereth, der Leiter des Energie & Klima-Teams der Triodos Bank, erklärt, wie sich sein Team neu aufgestellt hat, was von der neuen Regierung in Sachen Energiepolitik zu erwarten ist und wohin sich der Energiesektor in seinen Augen entwickeln wird.

Die Finanzierungen im Bereich Energie und Klima gehören zu den essenziellen Leistungen der Triodos Bank. Schon als wir vor gut 30 Jahren in den Niederlanden starteten, waren wir Pioniere auf diesem Gebiet. Die Energiewende ist eines unserer zentralen Themen – lange bevor sie ihren heutigen Namen bekam. Und auch heute stehen Energie und Klima noch im Fokus, in der Finanzierung von Erneuerbaren Energien, großen Speicherlösungen, lokalen Netzen und weiteren Energieeffizienz-Projekten. Wir haben mit Dominic Hereth, dem Leiter des Energie & Klima-Teams, über spannende Entwicklungen im Energiesektor gesprochen.

Dominic, die Energiewende zu finanzieren bedeutet viel mehr als Windkrafträder aufzustellen. Die Triodos Bank in Deutschland hat sich in diesem Bereich neu aufgestellt. Kannst du kurz umreißen wie?

Wir haben uns grundsätzlich überlegt, in welche Richtung wollen wir uns als früheres Erneuerbare-Energien-Team in der Triodos Bank entwickeln. Die Erneuerbaren Energien sind nach wie vor ein wesentliches Element in der Energiewende aber zur nachhaltigen Umgestaltung des Energiesektors gehört noch viel mehr. Wir schauen uns deshalb die komplette Wertschöpfungskette der Energiewende an – von der Produktion der Energie bis zu ihrer Nutzung, inklusive der Vermeidung von Energienutzung (Energieeffizienz).

Kannst du Beispiele dafür geben?

Dominic Hereth

Dominic Hereth, der Leiter des Energie & Klima-Teams der Triodos Bank.

Für ein Gelingen der Energiewende gehören zum Beispiel der Transport von Strom und die Gewährleistung der Netzstabilität. Im vergangenen Jahr haben wir ein Speicherprojekt finanziert, das dafür sorgt, dass die Netzfrequenz aufrechterhalten wird und das Netz nicht zusammenbricht.

Was die Nutzung der Energie anbetrifft, müssen Verbraucher und Unternehmen sich künftig anpassen. Bereits heute wird belohnt, wer Energie nicht verbraucht. Bald wird zudem derjenige belohnt werden, der variabel Energie konsumieren kann. Industrieunternehmen zum Beispiel bekommen jetzt schon Energie billiger, wenn sie ihre Produktion je nach Stromkapazität im Netz hoch- und runterfahren können. Nachts wird in Deutschland wie überall deutlich weniger Energie verbraucht als tagsüber. Die Kraftwerke, auch die Windräder, laufen aber weiter. Was macht man dann mit der überflüssigen Energie? Hier sind intelligente Lösungen gefragt. Beispielsweise könnten Verbraucher künftig die Energie nachts nutzen, um das Elektroauto zu laden oder vielleicht erleben die in vergessenen Nachtspeicheröfen auch wieder eine Renaissance?

“Die ganzen Blechlawinen an Autos, die derzeit in unseren Städten stehen, sind teuer und ineffizient.”

Dominic Hereth

Windkraft- oder Solaranlagen erzeugen Strom, der abtransportiert werden muss. Teilweise stehen in Ost- und Norddeutschland einfach nicht genug Kapazitäten zur Verfügung, um diesen Strom weiterzuleiten. Deshalb ist es für die Energiewende sehr wichtig, die Netze zu verstärken und dass man Netzkapazitäten intelligenter nutzt. Dazu gehört auch eine stärkere Kopplung mit unseren europäischen Nachbarnetzen.

In aller Munde ist auch die dezentrale Energieversorgung, die sich bei privaten Hausbesitzern mit einer Kombination aus Photovoltaik und Speichern schon fast zum Standard entwickelt. Zudem könnten Mietermodelle und dezentrale Lösungen im gewerblichen Bereich wichtiger werden. Neben Photovoltaikanlagen, deren Preise konkurrenzlos günstig sind, werden bei uns momentan auch Spezialfinanzierungen für Blockheizkraftwerke angefragt, die sowohl Strom- als auch Wärme produzieren können und damit den Wärmebedarf von Unternehmen oder ganzen Wohnblöcken decken können. Energieeffizenz ist darüber hinaus ein weiterer ganz wichtiger Punkt mit Blick auf die Energiewende, für den wir gerade Lösungen erarbeiten.  All diese Aspekte schauen wir uns im Team an und es ist bestimmt nicht das Ende.

Du bist ein enger Beobachter des Energiesektors. Was ist deine Einschätzung, wohin entwickelt sich die Branche?

Ich denke, dass die Zukunft drei Entwicklungen mit sich bringt: Zum einen werden sich die Energieversorger neu ausrichten. Das ist zum Teil bereits passiert, wie wir es bei Eon und RWE gesehen haben. Die Großen werden auch künftig eine gewisse Rolle spielen, weil es Projekte, wie etwa Offshore-Windparks gibt, die nicht von den kleinen Projektentwicklern gestemmt werden können. Um sie umzusetzen braucht es sehr viel Planungserfahrung und viel Kapital, das u.a. auch die hohen Risiken abfedern kann. Dafür sind große Player sehr gut geeignet. Auf der anderen Seite werden, auch wenn gerade ein Konsolidierungsprozess stattfindet, weiterhin mittelständische Projektentwickler EE-Projekte entwickeln – hauptsächlich Wind- und Solarparks.

Ein weiterer wichtiger Player der Zukunft, den viele noch nicht bewusst auf dem Schirm haben, sind aus meiner Sicht die Stadtwerke. Stadtwerke sind regional ausgerichtet und können vor Ort erkennen, wo Schwierigkeiten und wo Lösungsansätze liegen. Sie haben darüber hinaus den Zugang zum Endverbraucher – nicht nur was die Stromverteilung angeht, sondern auch was die Wärmenutzung betrifft. Ich gehe davon aus, dass Stadtwerke mit Blick auf die Energiewende sehr viel bewirken können. Hier kommen auch neue Technologien ins Spiel, Smart Meter beispielsweise. Über die intelligenten Stromzähler kann Energie künftig effizienter genutzt werden.

Was braucht es deiner Meinung nach, um den Energiesektor ökologisch nachhaltig zu gestalten?

Wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir den Klimaschutz noch managen können, ohne gleichzeitig viel Komfort aufgeben zu müssen: Niemand will auf sein Auto verzichten, außer es gibt eine gute Alternative, wie beispielsweise Carsharing-Flotten, die wirklich immer und überall zum Einsteigen bereitstehen. Noch ist das nicht der Fall, aber die Digitalisierung bringt riesiges Potential für intelligente Konzepte mit sich. Die ganzen Blechlawinen an Autos, die derzeit in unseren Städten stehen, sind teuer und ineffizient. Die Automobilindustrie produziert ein Übermaß an Fahrzeugen, das wir eigentlich gar nicht brauchen. Würden Autos effizient genutzt, kämen wir mit einer viel kleineren Anzahl zurecht.

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Es ist unabdingbar, dass wir in Deutschland hier frühzeitig investieren – da ist die Bundesregierung gefragt. Es braucht Anschubfinanzierungen, Innovationen müssen ermöglicht werden, ähnlich wie es vor einigen Jahren bei den Erneuerbaren Energien der Fall war. Hier geht es nicht nur um Ladesäulen, sondern auch um die Sektorenkopplung von Strom und Wärme oder Batteriespeichernutzung. Ich persönlich glaube auch an die  Produktion von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien, da die Nutzung von Batterien gewissen Einschränkungen unterliegen. Überall fehlen jedoch im Moment Regularien und Anschübe. Wenn wir diese Chancen nutzen würden, könnten wir mit Sicherheit einen großen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten und damit zur Vermeidung des Klimawandels. Dies wäre möglich, ohne viel Komfort einbüßen zu müssen.

Die Grenzen unserer Handlungsmöglichkeiten gibt unser Planet vor. Die Zeit rennt jedoch und mit jeder Verzögerung wird es schwieriger mit unserem CO² Kontingent der Pariser Klimaziele ohne massive Einschnitte klar zu kommen. Vielen Menschen ist dies bereits bewusst und sie haben ihr Handeln angepasst. Da dies jedoch nicht ausreicht, benötigen wir einen Masterplan der Regierung, der den Menschen erklärt, warum es so nicht weitergeht und was dies für jeden einzelnen in den nächsten 10-20 Jahren bedeutet, so dass sich jeder Mensch darauf vorbereiten kann und auch die Infrastruktur, insbesondere der Schienenverkehr, rechtzeitig angepasst werden kann.

Interview: Michael Rebmann

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Ralf Breuer vor 3 Jahren

Ein erheblicher Teil der Blechlawinen ist auch der Dienstwagenregelung zu verdanken. 1. Da stellt ein grosses Unternehmen seinen gewerblichen Fuhrpark auf Elektromobilität um und versorgt aber gleichzeitig seine Mitarbeiter großzügig mit Mittelklasseffahrzeugen 2. Bei einigen Modellen liegt der Anteil der Flottenfahrzeuge im deutschen Absatz zwischen 60 und 80% 3. Die Regelung ist dann besonders vorteilhaft, wenn der Weg zur Arbeit kurz und die Privatfahrten besonders häufig und lang sind

Bjarn vor 3 Jahren

Ich habe ein stark ausgeprägtes Bewusstsein für meine Privatsphäre, die ist nämlich ein Grund- und Menschenrecht, und habe meinem Vermieter deshalb schon gesagt, dass ich solche datensaugenden “Smart Meter” nicht akzeptieren werde.