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neuigkeit

Das Gefühl, dass sich etwas zum nachhaltig Besseren ändert

Gedanken zur Post-Corona-Zeit

Gedanken zur Post-Corona-Zeit

Ändert sich jetzt wirklich was zum Guten? Die Chance besteht durch die Corona-Krise meint unser Autor und zeigt, wo er positive Entwicklungen und Veränderungen sieht.

Seit Ausbruch der Corona-Krise hat sich die Perspektive, mit der wir auf das Leben schauen, geändert. Viele von uns haben sich aufs Wesentliche besonnen. Wir haben eine nie dagewesene Sensibilität für Werte entwickelt und diese ganz neu schätzen gelernt. Und ich habe das Gefühl, dass sich dieses Mal tatsächlich etwas ändern könnte. In der Krise liegt die große Chance, die Art wie wir leben und wirtschaften neu zu denken. Warum? Es ist so ein Gefühl – und mehr als ein Gefühl, das ich im Folgenden versuche etwas zu präzisieren:

Der Auslöser für diesen Beitrag war ein Austausch, den ich kürzlich mit einem alten Studienfreund hatte. Ich habe ganz sporadisch Kontakt mit ihm. Normalerweise gratulieren wir uns gegenseitig zum Geburtstag und fragen kurz, wie es dem anderen so geht. Dieses Mal war alles ganz anders. Er schrieb mir, dass er seit zwei Monaten eine Ausbildung zum Landwirt macht und mit seiner Frau und seinem Sohn aufs Land in Polen gezogen ist, um dort ganz neu zu starten. „Endlich habe ich das Gefühl etwas Nützliches zu lernen“, schrieb er mir.

Eine andere Entwicklung, die mich aufhorchen lässt, sind die Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen, insbesondere der bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Menschen und Familien in der Umgebung sind aufgebracht, ja außer sich, wie Nachrichtenbeiträge es gezeigt haben. Denn sie müssen nun die Konsequenzen für das Fehlverhalten des Schlachtbetriebs tragen, weil Schulen, Kindergärten und Kitas geschlossen werden müssen. Die Corona-Ausbrüche haben mit einer Deutlichkeit wie nie zuvor den Blick auf die skandalösen Arbeits- und Produktionsbedingungen gelegt, die in Deutschlands größtem Schlachthof und anderswo vorherrschen. Vielleicht gerät hier etwas in Bewegung. Ich hoffe, dass wir Menschen nicht mehr bereit sind Fleisch, das unter diesen Bedingungen auf Kosten der Menschen, die dort arbeiten, produziert wurde, zu essen. Die zusätzlichen Kosten, die die Fleischindustrie für die Umwelt produziert, sowie das Tierleid, das damit verbunden ist, will ich an dieser Stelle nur erwähnen.

“Der Trend zum Single-Leben und zu immer kleineren Wohnungen hat die Stadtbevölkerung unselbstständig gemacht. Wer kann, zieht raus aufs Land und versorgt sich selbst.”

Matthias Horx

Matthias Horx, der bekannte Zukunftsforscher, ist seinem Gespür für den Wandel der Welt gefolgt und schrieb in einer viel beachteten Re-Gnose, also einem Blick aus einer imaginären Zukunft auf die Zeit nach Corona: „Auf nationaler Ebene führt die De-Globalisierung zu einer De-Urbanisierung und zu einer neuen Stadtflucht. Die Städte werden zu den nervösesten Plätzen der Welt. Der Trend zum Single-Leben und zu immer kleineren Wohnungen hat die Stadtbevölkerung unselbstständig gemacht. Wer kann, zieht raus aufs Land und versorgt sich selbst.”

Wunsch nach Unabhängigkeit von Märkten

Sich in gewissem Maße selbst versorgen zu können, ist etwas, das ich in meinem Umfeld verstärkt wahrnehme. Viele Freunde und Bekannte haben einen Schrebergarten oder pflanzen in einem Gemeinschaftsgarten Lebensmittel an. Auch die Entwicklung hin zu regionaleren, kleineren Wirtschaftskreisläufen in der Lebensmittelversorgung ist meinem Gefühl nach im Aufschwung. Zumindest in meiner Filterblase nehme ich ein steigendes Interesse an der solidarischen Landwirtschaft oder landwirtschaftlich-nachhaltigen Kooperativen wahr. Es ist der Wunsch da, die Abhängigkeit von Märkten und Wertschöpfungsketten bei gleichzeitiger Intensivierung kooperativer Systeme zu verringern.

Ein tolles Beispiel für den Versuch unabhängig und konsequent nachhaltig zu leben, ist die Startnext-Kampagne von Freja und Lenny. Sie suchen irgendwo in Europa ein Fleckchen Erde, das sie beackern können, um dort auf lange Sicht ein Beispiel für ein nachhaltiges Leben zu setzen. Sie wollen Lebensmittel nach der inspirierenden Idee der Permakultur anbauen und einen Ort des anderen Zusammenlebens und Arbeitens schaffen. Über 10.000 Euro sind für ihren Traum einer autarken Community schon zusammengekommen.

Ich habe – bei aller Skepsis – das Gefühl, dass sich jetzt etwas zum nachhaltig Guten ändert und mit unserer Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung beginnt. Teilen Sie meine Einschätzung? Wie sieht es in Ihrer Filterblase aus? Ich freue mich das zu hören.

Text: Michael Rebmann

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Susanne Filippin vor 3 Monaten

Hallo lieber Herr Rebmann, ein toller Bericht, der ausspricht was weltweit gedacht, gefühlt und vielfach umgesetzt wird.

Wir sind immer noch in Sri Lanka und das Erste was wir gemacht haben ist eine kleine Farm anzulegen.

Der Wunsch nach Unabhängigkeit, den Multinationalen nicht mehr ausgeliefert sein ist groß, auch hier.

Preise für Fleisch sollten so hoch sein, dass es ein Luxus wird totes Tier zu essen. Wie Sie in einem früheren Newsletter geschrieben haben, die Welt retten fängt beim Frühstück an!
Ich hoffe so sehr, dass uns diese Krise wirklich von alten Gewohnheiten abbringt, zu einem Besseren. Das sind wir all den Tausenden die gelitten haben und einsam gestorben sind schuldig.

Herzliche Grüße,
Susanne
Aman.vas