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Einblick

Der Wind dreht sich

Wir haben uns mal richtig durchpusten lassen – in den Windparks unseres Kunden Realkapital Asset Manager KGAL, die von der Triodos Bank finanziert wurden. Unser Eindruck: Der Wind dreht sich – in Richtung Erneuerbare Energien.

Gleichmäßig im Takt. Und fast geräuschlos. Wie der Schnitt einer Sense. So durchschneiden die Rotorblätter die Luft. Sensenschnitt für Sensenschnitt – als würde ein Bauer von Hand Gras mähen. Und bei jeder Rotorbewegung entsteht Strom.
100 Meter hoch ragen die Windräder in den Himmel. Sie gehören zur Windfarm Eschweiler in der Eifel, 18 Kilometer südwestlich von Aachen. Bergbau und Industrie prägen hier das Bild: die riesigen Kühltürme des Braunkohlekraftwerks Weisweiler sind schon von weitem zu sehen. Doch in unmittelbarer Nachbarschaft des Kraftwerkes hat eine andere Zukunft begonnen. Wie zum Trotz stehen die beiden Windräder der Eschweiler Windfarm vor dem großen Braunkohlekraftwerk, so als wollten sie mit jeder Rotorbewegung zeigen, dass wir Energie auch anders gewinnen können.

Eine Region im Wandel

Mehr als ein Drittel aller deutschen Treibhausgas-Emissionen entsteht in Nordrhein-Westfalen (NRW). Kein Wunder: In keinem anderen Bundesland gibt es so viel Schwerindustrie. Noch heute hält sich hartnäckig das Ruhrgebiet-Klischee von den sich ewig drehenden Schwungrädern in den Fördertürmen der Steinkohle-Zechen sowie den qualmenden Schornsteinen der Kokereien und der Eisen- und Stahlhütten. Doch das Bild stimmt nicht mehr ganz. Neben die traditionelle Schwerindustrie sind neue Bereiche getreten: die Nahrungsmittel- und Getränkebranche, die chemische Industrie, Telekommunikation – und eben die Windenergie.
Bereits heute sitzen laut EnergieAgentur.NRW 400 Zulieferbetriebe für die Windbranche aus aller Welt in Nordrhein-Westfalen. Manch einer davon gehört im Bereich Windkraft zu den Weltmarktführern.

„Wir haben in Nordrhein-Westfalen die weltweit höchste Standortdichte von Getriebeherstellern für Windenergieanlagen. Fünf der weltweit führenden Getriebehersteller haben ihren Sitz bei uns. Jedes zweite weltweit in Windenergieanlagen eingesetzte Getriebe stammt bereits aus Nordrhein-Westfalen.“

Johannes Remmel, nordrhein-westfälischer Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz

Auch die Triodos Bank engagiert sich hier über Finanzierungen im Bereich Windenergie: indem sie Kredite an den Realkapital Asset Manager KGAL für den Kauf von drei Windparks in Nordrhein-Westfalen vergeben hat, unter anderem die Windfarm Eschweiler. „Nordrhein-Westfalen ist gerade aufgrund seiner Industriedichte ein interessanter Standort, denn hier gibt es viele Abnehmer, die regional mit Strom versorgt werden können“, so Georg Obert vom Bereich Infrastructure der KGAL. Außerdem sei die Infrastruktur für Erneuerbare Energien hervorragend. Viele Servicetechniker stünden in der Region zur Verfügung, hätten kurze Anfahrtswege und schnelle Reaktionszeiten – das bedeute auch sehr wenige Ausfallzeiten.

Energiewende kommunal

Zum KGAL-Windpark Niederrhein, der ebenfalls von der Triodos Bank finanziert wurde, gehören 13 Windkraftanlagen, verteilt auf die beiden Standorte Wachtendonk und Bocholt. Gemeinsam können sie mit einer Nennleistung von rund 19 Megawatt umgerechnet circa 9.000 Haushalte mit Strom versorgen. Gerade der idyllisch gelegene Ort Wachtendonk, rund 20 Kilometer nordwestlich von Krefeld, ist zum „energetischen Trendsetter“ und Vorbild der Region geworden. Denn mit seinen acht Windenergieanlagen, zwei Biogas- und einer Reihe von Photovoltaik-Anlagen hat sich der kleine Ort unabhängig von den großen Energiekonzernen gemacht. Und wie in Wachtendonk kaufen jetzt immer mehr Kommunen ihr Stromnetz vom Netzbetreiber zurück und tun sich mit Erzeugern erneuerbarer Energien zusammen.
Bocholt im westlichen Münsterland hat bereits zweimal den European Energy Award gewonnen, der Kommunen für ihre erfolgreiche Energie- und Klimaschutzaktivitäten auszeichnet. Außerdem darf sich Bocholt „NRW-Klima-Kommune“ nennen. Dieses Prädikat wurde 2008 als „Aktion Klimaplus – NRW-Klimakommunen der Zukunft“ vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium ins Leben gerufen. Bocholt ist eine von zwei Kommunen, die den ausgelobten Wettbewerb mit einem Konzept für Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels gewonnen hat. Die Bocholter erarbeiteten insgesamt 77 Ideen in ihrem Gesamtpaket. Sie wollen unter anderem den Radverkehr in ihrer Stadt noch stärker fördern sowie Gebäude und Straßen auf extreme Wetterereignisse vorbereiten, die durch den Klimawandel drohen. Die Kommune im Münsterland erhielt als Gewinn 2,2 Mio. Euro. Das Geld hilft nun dabei, die ehrgeizigen Ziele umzusetzen.

Zukunftsbranche Windenergie

Auch in Forschung und Entwicklung sind die Nordrhein-Westfalen überaus stark engagiert. Der Öffentlichkeit ist diese Windenergie-Forschung kaum bekannt, da sie vor allem unternehmensintern betrieben wird. Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie nennt diesen Forschungszweig deshalb gar einen „hidden champion“ in der deutschen Forschungslandschaft. Einige Projekte des Institutes beschäftigen sich auch mit Öko-Suffizienz, also einer Lebens- und Wirtschaftsweise, die dem Überverbrauch von Gütern und damit von Ressourcen und Energie ein Ende setzt. Denn was nutzen regenerative Energien, wenn beispielsweise seltene Elemente benötigt werden, deren Abbau wiederum Natur und Ökosysteme zerstört?
„In der Windindustrie wird viel über Recycling nachgedacht“, so KGAL-Windenergie-Experte Georg Obert. Viele der bei einem Windrad verwendeten Komponenten ließen sich recyceln. „Wenn wir eine Anlage mit alter Technik im Rahmen eines sogenannten Repowering durch eine neue, leistungsfähigere ersetzen, bringen allein die Schrottwerte von Stahl, Kupfer etc. mehr Geld in die Kasse als die Rückbaukosten verursachen“, so Obert. Ein Atomkraftwerk dagegen macht bei seinem Rückbau nichts als Probleme, vor allem wegen seiner über Jahrtausende strahlenden Bauteile. Ein bislang ungelöstes Recycling-Problem gibt es allerdings auch bei Windrädern: die Rotorblätter aus Glasfaser. „Aber hier arbeiten Forschungsanstalten an einem anderen Material-Mix. Derzeit sind unter anderem Rotorblätter aus Stahlblechen und Leichtmetall in der Erprobungsphase, “ erklärt Georg Obert.

Tonnenschwere Riesen

Im Landkreis Delbrück nordwestlich der Stadt Paderborn stehen die vier Windräder des KGAL-Windparks Delbrück, der dritte von der Triodos Bank finanzierte Windpark in NRW. Die über 100 Meter hohen Windkraftanlagen wurden von Enercon projektiert und gebaut, dem größten deutschen Hersteller von Windkraftanlagen und eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich Windenergie. Ein Besuch in der sogenannten Gondel des Windrades gibt einen spannenden Einblick in die Anlagentechnik. An der auf den Betonturm aufgesetzten Gondel sind nicht nur die Rotorblätter des Windrades befestigt; sie beherbergt auch den Generator zur Stromerzeugung und den Antrieb zur Windnachführung der Gondel. Anders als in anderen Anlagen, in denen sich in im Maschinenhaus auch noch ein Getriebe und Transformatoren befinden, entfällt bei Enercon die Wartung eines Getriebes. Wer nach oben in die Gondel will, muss wagemutig die sogenannte Befahranlage besteigen. Sie besteht im Grunde aus nicht viel mehr als einem Drahtkorb, der an einem knapp 100 Meter langen Stahlseil aufgehängt ist. Eine Motorwinde zieht den Drahtkorb wie einen Fahrstuhl nach oben – nur dass es hier im Inneren des engen Stahlturmes deutlich weniger komfortabel zugeht als beispielsweise in einem Hotellift. Wer anfällig für Schwindel ist, sollte seinen Blick besser nach oben oder geradeaus wenden; denn nach unten gibt der schwebende Drahtkorb die Sicht frei in den Abgrund. Gut zehn Minuten dauert die Fahrt in die Gondel. Im Maschinenraum angekommen umhüllt einen wohlige Wärme. Denn zum einen heizt die Sonne an wolkenfreien Tagen Turm und Gondel auf – und warme Luft steigt bekanntlich nach oben; zum anderen erzeugen die Rotoren Bewegungswärme.

 

Je nach Anlage wiegen Maschinenhaus und Rotorblätter mehrere hundert Tonnen, ganz zu schweigen von Fundament und Stahlturm, die mehrere tausend Tonnen wiegen können. Windkraftanlagen sind die größten drehenden Maschinen der Erde, und dennoch ist ihre sogenannte Energierückgewinnungszeit im Vergleich mit anderen Erneuerbaren Energien am geringsten. „Eine Windkraftanlage spielt die Energie, die bei der Produktion für sie aufgebracht wurde, im ersten halben Jahr wieder ein“, so Windenergie-Experte Georg Obert von der KGAL.

Politische Rahmenbedingungen spielen eine große Rolle

Nordrhein-Westfalen hat als erstes Bundesland ein eigenes Klimaschutzgesetz verabschiedet. Darin hat die Landesregierung konkret festgelegt, dass sie bis 2020 die Treibhausgas-Emissionen um mindestens 25 % im Vergleich zu 1990 senken will. Bis zum Jahr 2050 sollen es mindestens 80 % sein. Seit diesem Jahr gibt es in NRW auch einen neuen Windenergieerlass. Dieser soll Investitionen in Windkraft erleichtern. Dazu gehört auch das Abschaffen unsinniger Hürden im Genehmigungsprozess. Aber auch die Bürger sollen stärker mit einbezogen werden. NRWs Umweltschutzminister Johannes Remmel spricht deshalb gerne von einem „Windenergie-Ermöglichungserlass“.
Trotz aller Förderung: Die Windenergie erhält im Vergleich zu anderen Erneuerbaren Energien die geringste staatliche Förderung. Dabei sind Windkraftanlagen weitaus effektiver als beispielsweise Solaranlagen. Sie bringen es auf rund 2.000 sogenannte Volllaststunden Energie, während Solaranlagen nur rund die Hälfte dieses Wertes erreichen.

Volle Windkraft voraus

Verschiedene Studien gehen davon aus, dass in zehn Jahren Windstrom ohne jede Förderung marktfähig sein könnte. Olav Hohmeier, Professor für Energie- und Ressourcenwirtschaft an der Universität Flensburg, erwartet sogar, dass in einigen Jahren aller Strom aus Erneuerbaren Energien günstiger sein könnte als konventioneller Strom. Als Grund dafür führt er die Abkoppelung von der Preisentwicklung von Gas, Kohle und Uran an. Insgesamt eine hoffnungsvolle Perspektive für Klimaschutz und insbesondere die Windwirtschaft. jm

Über die KGAL

Die KGAL investiert seit über 40 Jahren breit angelegt in Sachwerte und deren Finanzierung. Der Anbieter von Realkapitalanlagen verwaltet derzeit rund 6,5 Mrd. Euro Eigenkapital in 159 aktiv gemanagten Fonds für private und institutionelle Investoren. Seit 2002 engagiert sich die KGAL im Bereich der Erneuerbaren Energien. Photovoltaik und Windkraftanlagen sind dabei die Schwerpunkte ihrer Aktivitäten. Insgesamt verwaltet das Unternehmen mit Sitz in Grünwald bei München Vermögenswerte in Höhe von 25,2 Mrd. Euro.
Mit Krediten der Triodos Bank erwarb die KGAL drei Windparks in Nordrhein-Westfalen: an den Standorten Eschweiler, Delbrück und Niederrhein. Alle Windparks gehören zu einem geschlossenen Fonds mit rein institutionellem Hintergrund, das heißt Investoren sind Versicherungen, Pensionskassen, und Versorgungswerke.

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