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neuigkeit

Deutsche Banken hinken beim Thema Nachhaltigkeit hinterher

Der Finanzblogger Ralf Breuer analysiert, was sich abseits der Nachhaltigkeitsbanken tut

Der Finanzblogger Ralf Breuer analysiert, was sich abseits der Nachhaltigkeitsbanken tut

Um einen wirklich nachhaltigen Wandel des Finanzsystems zu bewirken, müssen sich die großen Banken, muss sich der Mainstream bewegen. Doch gerade in Deutschland passiert wenig. Ein Gastbeitrag von Ralf Breuer.

Nachhaltigkeitsbanken wie die Triodos Bank, deren DNA nachhaltiges Banking ist, haben in Deutschland einen Marktanteil, der einstellig ist und eher als „homöopathisch“ beschrieben werden kann. Zwar wachsen die nachhaltigen Banken in einem stagnierenden Gesamtmarkt überdurchschnittlich stark – doch um einen wirklich nachhaltigen Wandel des Finanzsystems zu bewirken, müssen sich die Großen, muss sich der Mainstream bewegen. Der Finanzexperte und Finanzblogger Dr. Ralf Breuer, der den Blog Investabel betreibt, blickt im Gastbeitrag auf eben diesen Mainstream und ordnet ein, was sich dort mit Blick auf die Nachhaltigkeit tut.

Ralf Breuer:

Häufig wird die Frage gestellt, ob Nachhaltigkeit, Ökologie bzw. Werteorientierung in der Finanzwirtschaft lediglich als Angebote für arrivierte Alt-Grüne taugen. Das ist viel zu kurz gedacht: Viele Quellen sehen Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft nicht nur als mehrheitstauglich, sondern logisch zwingend an. Die Werte für den Anteil der Kunden, die gerne nachhaltig anlegen würden, schwanken je nach Quelle zwischen 40% und 70%. Aber auch der verbleibende Rest wird bei entsprechender Rendite-/Risikokonstellation kaum Einwände haben. Und: Nichts ist besser für die oft erstrebte „Emotionalisierung“ von Produkten als ein gutes Gefühl. Bei führenden Unternehmen der globalen Finanzbranche hat man dies längst besser verinnerlicht als es für die deutsche Kreditwirtschaft den Anschein hat.

Nachhaltigkeit ist geschäftspolitische Logik

Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft ist kein Aktionismus, sondern knallharte geschäftliche Logik. Aus diesem Grunde haben große Versicherungsgesellschaften wie die Allianz und die Münchner Rückversicherung ihren Ausstieg aus der Finanzierung und Versicherung von kohleabhängigen Investitionen bereits avisiert. Und auch der weltweit größte Minenkonzern Rio Tinto hat sich aus dem Kohleabbau bereits vollständig zurückgezogen.


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Klimarisiken haben längst nahezu die gesamte Wirtschaft und die Bilanzen der Finanzwirtschaft erreicht. Auch in Deutschland: Der deutsche Industrie- und Handelskammertag

Ralf Breuer

Ralf Breuer

schätzt die aus der Diskussion von Dieselfahrverboten entstandenen Belastungen auf € 500 Mio., Volkswagen Financial Services wies auf gesunkene Restwerte für Dieselfahrzeuge hin und die Fraunhofer Gesellschaft erwartet für Deutschland bis 2030 einen Verlust von netto 50.000 Arbeitsplätzen bei einem auf 25% steigenden Anteil von reinen Elektrofahrzeugen sowie 15% mit Hybridantrieben. Kraftwerksbetreiber, produzierendes Gewerbe, Handwerker, Privatleute und indirekt damit die gesamte Finanzwirtschaft sind bereits jetzt durch die laufende Energiewende substanziell betroffen.

Deutschland international im Rückstand

Deutschland hat bei Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft gegenüber den meisten Nachbarländern einen bedeutenden Rückstand. Manche Kommentare stellen zum Beispiel gegenüber Frankreich einen Rückstand von fünf Jahren fest. Und tatsächlich haben dort schon fünf der sieben größten Bankengruppen Nachhaltigkeit im strategischen Fokus. Die Banken unterstützen aktiv die Agenda von Emmanuel Macron, der mit € 15 Mrd. die französische Energiewirtschaft umgestalten sowie die Energieeffizienz in öffentlichen und privaten Gebäuden erhöhen will. So soll bis 2025 der Anteil der Atomenergie um ein Drittel gesenkt und die Erzeugung erneuerbarer Energien auf 30% verdoppelt werden.

“Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft ist kein Aktionismus, sondern knallharte geschäftliche Logik”

Ralf Breuer

In Deutschland ist Nachhaltigkeit nur bei wenigen Kreditinstituten wirklich Chefsache. Das öffentliche Stimmungsbild der deutschen Kreditwirtschaft kreist vornehmlich um Digitalisierung und Regulierung, Nachhaltigkeit ist überwiegend „abgeordnet“ auf Stabs- oder Kommunikationsabteilungen und wird eher als Kostenfaktor angesehen. Dagegen widmet man sich andernorts mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit den dringendsten Problemen dieses Planeten, die weit über den Klimawandel hinausreichen.

Auch die Börse hinkt hinterher

Ein Blick in die Nachbarschaft zeigt, wie dringlich die aktuellen Überlegungen der Deutsche Börse zur Einrichtung eines „Green and Sustainable Finance Cluster Germany“ für die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes sind. An der Börse Luxemburg (LGX – Luxembourg Green Exchange, Start 2016) werden bereits mehr als 200 Anleihen mit Nachhaltigkeitsbezug in einem Volumen von über USD 100 Mrd. notiert. Auch bei der Börse London (Start 2015) sind rund 80 „Green Bonds“ im Volumen von über USD 25 Mrd. notiert. Im Juni 2018 kamen allein von der chinesischen ICBC (Industrial and Comercial Bank of China) USD 1,58 Mrd. einer Dreifachemission hinzu.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum die Deutsche Börse den „Hub for Sustainable Finance Germany (H4SF)“ mitträgt und sich gemeinsam mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung an die Spitze der finanzwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsbewegung des Mainstreams gesetzt hat.

Bewegung gibt es auch in Deutschland, etwas verborgen

Am 25.September 2018 fand in Frankfurt am Main der zweite „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“ statt. Mit 280 Teilnehmern hatte sich der Kreis gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. Vor allem die erhöhte Präsenz der Bundesregierung fiel auf: Kanzleramt, Finanz- und Umweltministerium signalisierten, dass Deutschland – endlich! – die Umsetzung des großangelegten Aktionsplans der EU-Kommission für Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft angeht.

Mehr zum Thema: Warum ein bisschen Nachhaltigkeit bei Banken nicht reicht

Die letzte Bundestagswahl fand vor gut einem Jahr am 24.9.2017 statt. Thematisch kann dieses Jahr mit vier Schlagworten „Jamaika, GroKo, Seehofer, Maaßen und zuletzt Kauder sowie Erdogan“ zusammengefasst werden. Inhalte traten dabei in den Hintergrund. Auch Nachhaltigkeit: Die EU-Kommission veröffentlichte ihren ambitionierten Plan zur Verankerung von Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft am 8.3.2018, die Kommissare präsentierten ihn sehr engagiert mit öffentlichen Plädoyers selbst sowie persönlicher Unterstützung durch Michael Bloomberg und Emmanuel Macron in Brüssel. Bis heute hat die deutsche Regierung keinerlei Position bezogen und es war auch nicht allgemein bekannt, dass der EU-Plan Teil der am 19.6. getroffenen Vereinbarungen mit dem französischen Staatspräsidenten war.

Dabei hat der EU-Plan eine große Tragweite: Neben einer Klassifizierung von Finanzprodukten nach Nachhaltigkeitskriterien („Taxonomie“) sieht er u.a. auch erweiterte Beratungspflichten vor. Und er setzt dort dann, wo die europäischen Finanzaufseher bereits bedeutende Risiken sehen: Bei Klimawandel und Energiewende. Sowohl die globalen Marktführer als auch die europäischen Finanzaufsichtsbehörden tragen diesen Ansatz mit. Es ist an der Zeit, dass sich endlich auch die deutsche Finanzwirtschaft und die deutsche Politik deutlich bewegen.

Text: Dr. Ralf Breuer

Foto von David Holzmann via Unsplash

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