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neuigkeit

Ein bisschen Nachhaltigkeit reicht nicht!

Wie der Finanzsektor einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung der SDGs leisten kann

Wie der Finanzsektor einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung der SDGs leisten kann

Banken und andere Investoren haben einen enormen Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft. Richtig ausgerichtet könnten sie die Welt nachhaltiger gestalten. Wir zeigen, wie eine Neujustierung der Finanzbranche aussehen könnte.

Die Weltgemeinschaft steht vor enormen Herausforderungen – vor sozialen, ökologischen und ökonomischen. Es gilt Lösungen für drängende Fragen wie den Klimawandel, die Verteilungsgerechtigkeit oder Bildung und Frieden für alle Menschen zu finden, um nur wenige Herausforderungen zu nennen. Mit den Zielen für eine nachhaltige Entwicklung, den Sustainable Development Goals (SDGs), zeigen die Vereinten Nationen die wichtigsten Herausforderungen auf. Insgesamt 17 Ziele sollen bis 2030 umgesetzt werden. Sie sind umfassend wie nie zuvor und gelten im Gegensatz zu den Millenniums-Entwicklungszielen nicht nur für die Länder des globalen Südens, sondern für alle.

Schlüsselfaktor Finanzindustrie

Warum ist der Finanzsektor ein Schlüssel für die Umsetzung der SDGs? Weil Banken und andere Investoren einen enormen Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft haben. Mit der bewussten Steuerung von Geldströmen an Unternehmen und in bestimmte Sektoren beeinflusst die Finanzwirtschaft maßgeblich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Sie hat ein gewichtiges Wort mitzureden, wenn es darum geht zu entscheiden, welche Branchen und welche Arten des Wirtschaftens wachsen und welche nicht. Wenn wir überhaupt noch eine Chance haben wollen, die SDGs und auch die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, muss die Finanzwirtschaft nachhaltig transformiert werden.

Geringes Bewusstsein entsteht oft durch mangelnde Transparenz

Der große Zusammenhang zwischen Banken und einer nachhaltigen Entwicklung ist in der breiten Öffentlichkeit immer noch kaum bewusst. Einer der Gründe dafür ist die mangelnde Transparenz über die genaue Verwendung von Geldern durch Banken. Viele Kunden von konventionellen Banken wissen auch nicht, was ihre Bank mit dem Geld macht, das sie ihr auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto anvertraut haben. Finanziert die Bank damit einen Landwirtschaftsbetrieb mit Massentierhaltung oder einen Öko-Bauernhof? Oft sind Banken eine Blackbox.

Ein besonders krasses Beispiel für diese Schieflage ist das des diesjährigen Friedensnobelpreisträgers, der internationalen Kampagne zur atomaren Abrüstung (ICAN). Die norwegische Nobelpreisstiftung, die das Geld für die Preisträger verwaltet, investiert nach Recherchen der Nichtregierungsorganisation Facing Finance auch in Rüstungskonzerne, die an Atomwaffenprogrammen beteiligt sind. Mit Teilen des Preisgeldes in Höhe von 940.000 Euro, das an die Atomwaffengegner fließt, wurden also zuvor Atomwaffen finanziert. Genauso kann es Bankkunden ergehen, die z.B. gegen Atomkraft, fossile Energien oder Rüstung auf die Straße gehen und ohne es zu wissen, mit ihrem Geld genau solche Branchen finanzieren.

Leider ist der Finanzsektor seit der Finanzkrise nicht wirklich transparenter geworden und das Bewusstsein in der Gesellschaft hat sich kaum erhöht.

Konkrete Vorschläge für Änderungen

Um die Welt nachhaltiger gestalten zu können, bietet also die Finanzwelt einen großen Hebel. Die Triodos Bank hat deshalb zusammen mit der Global Alliance for Banking on Values, der Mission 2020 und Finance Watch konkrete Vorschläge für eine Umgestaltung des europäischen Finanzmarktes erarbeitet. Im Folgenden werden einige von ihnen vorgestellt:

  • Die Finanzbranche muss transparenter werden. Egal ob es um kleine Summen auf dem privaten Konto oder um große Investitionen in Fonds oder einzelne Aktien geht – jede und jeder sollte wissen, was sie oder er mit dem eigenen Geld finanziert. Dazu braucht es eine ganz neue Berichts- und Transparenzpflicht, die bislang nur Nachhaltigkeitsbanken erfüllen.
  • Viele Banken haben ihren ursprünglichen Zweck, die reale Wirtschaft vor Ort mit Krediten zu versorgen, aus den Augen verloren. Gerade die großen, sogenannten systemrelevanten Institute erzielen den Großteil ihres Geschäfts mit allerlei Produkten an den Finanzmärkten selbst. Sie entkoppeln Wirtschaft und Mensch, die Finanzkrise lässt grüßen. Deshalb müssen die Banken zu ihrem Ursprung zurück.
  • Eine Neujustierung auf die Realwirtschaft alleine reicht nicht aus. Finanzinstitute müssen soziale und ökologische Nachhaltigkeitskriterien bei der Kreditvergabe oder bei anderen Finanzgeschäften mitberücksichtigen. Eine wichtige Orientierung dabei sind die SDGs. Um dies zu erreichen,…
  • …kann ein Bonus-Malus-System eingeführt werden, das SDG-konforme Geschäfte belohnt und nichtkonforme erschwert. Am Beispiel des Klimaschutzes hieße das, CO2-intensive Investments (etwa in die Kohleindustrie) durch eine zusätzliche Abgabe zu belegen und Investments, die das Klimagas einsparen, zu belohnen.
  • Banken sind ihrem Wesen nach Mittler zwischen Gesellschaft und Wirtschaft. Die Menschen sind es, die mit ihrem Geld die Wirtschaft speisen. Deshalb sollte ihnen mehr Mitsprache zugesprochen werden. Das heißt, eine breite Gesellschaft, Menschen wie du und ich, müssen in die Gestaltung einer nachhaltigen Wirtschaft miteinbezogen werden. Dafür braucht es u.a. ein neues europäisches Regelwerk für nachhaltige Investitionen (Impact Investing), die für jedermann offen sind.

Nachhaltigkeitsbanken wie die Triodos Bank versuchen schon seit vielen Jahren eine andere, menschlich-ökologische Art des Bankings voranzubringen. Sie haben viel erreicht – aber leider werden sie noch vergleichsweise wenig gehört. Ganz langsam bewegen sich die anderen Banken und Investoren, doch das klassische, einzig auf die finanzielle Rendite fokussierte Geschäft bleibt tonangebend. Die Zeit drängt, dass dies sich ändert.

Die Vorschläge Triodos Bank und ihrer Partner sind eine Antwort auf den ersten Zwischenbericht der High Level Expert Group, die die Europäische Kommission zur EU-Strategie für nachhaltige Finanzen berät. Wer sich tiefergehend mit den einzelnen Vorschlägen beschäftigen möchte, kann dies hier tun (Texte auf Englisch).

mrn

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Ralf Breuer vor 1 Woche

Der Beitrag spricht mir grundsätzlich aus der Seele. Die (deutsche) Kreditwirtschaft hätte eigentlich ein überlebenswichtiges Interesse, Nachhaltigkeit geschäftspolitisch in den Vordergrund zu rücken. Dies habe ich in verschiedenen Artikeln begründet. Deutsche Quellen zur EU-Expertenkommission und zum aktuellen Stand in Deutschland nach dem „Sustainable Finance Gipfel Deutschland“ am 23.10.2017 finden sich dort ebenfalls: https://investabel.wordpress.com/2017/07/20/nachhaltigkeit-auf-dem-weg-in-rechnungslegung-und-regulierung/ und https://investabel.wordpress.com/2017/10/24/sustainable-finance-gipfel-deutschland/

Hans-Florian Hoyer vor 1 Woche

„Banken sind ihrem Wesen nach Mittler zwischen Gesellschaft und Wirtschaft. Die Menschen sind es, die mit ihrem Geld die Wirtschaft speisen. Deshalb sollte ihnen mehr Mitsprache zugesprochen werden. Das heißt, eine breite Gesellschaft, Menschen wie du und ich, müssen in die Gestaltung einer nachhaltigen Wirtschaft miteinbezogen werden. “

Ist das wirklich so? Ich bin jetzt mal ein bischen kritisch gegenüber diesem Text.

Menschen wirtschaften arbeitsteilig und solidarisch für den gegenseitigen Lebensunterhalt. Die Trennung „Gesellschaft“ und „Wirtschaft“ ist doch sehr künstlich.
Ob ausgerechnet Banken -selbst in der künstlichen Trennung- Vermittler sind? Banken haben dafür zu sorgen, dass das Geld gemäß den Kaufvorgängen an die von den Menschen gewünschten Stellen kommen (Zahlungsverkehr) und sie sollen den Menschen, die etwas unternehmen wollen, damit Bedürfnisse besser/effizienter/nachhaltiger gedeckt werden, das Geld zur Verfügung stellen, dies auch zu verwirklichen.

Wo „speisen“ da Menschen mit ihren Geld die Wirtschaft?
Es geht nicht darum, „Mitsprache“ zugebilligt zu bekommen, weil man sein Geld am Schalter abgegeben hat, es geht darum, dass die Gesellschaft das Geld wieder in die Hand nimmt. Dass sie es einer Finanz-Industrie wieder wegnimmt. Einer „Industrie“, die aufgrund veralteter Privilegien aus der „Münz-Zeit“, die mit veralteten IT-Lösungen aus der Papier-Zeit arbeitet.

Ein bischen Mitsprache reicht da nicht.

Was unzweifelhaft schon super läuft bei Triodos und GLS, ist die Orientierung am Verwendungszweck der Kredite, für die das Geld geschöpft wird. Sparkassen und Genossenschaftsbanken liegen da auch gut).
Diese Orientierung sollte über die Gemeinwohl-Ökonomie viel breiter installiert werden.

Es braucht auch eine moderne Infrastruktur für Neues. Dank der kryptografischen Methoden und der Möglichkeiten eines Public Ledgers (wobei ich jetzt nicht Bitcoin meine) eröffnen sich Horizonte (Internet of Values, Holochain, Platform-Cooperativism, …) bei denen die sozial-ökologischen Banken schon zu beginn mitgestalten sollten.

Tine vor 1 Woche

Zu menschlich-ökologischem und nachhaltigem, sozial fairem Verhalten gehören für mich auch maßvolle Vorstandsgehälter. Welche Vorstandsgehälter zahlt die Triodosbank und wo kann man das einsehen?
Ich wünsche mir, dass alle Gehälter (auch Vorstandsgehälter!) auf 120.000 € /Jahr begrenzt werden. Davon kann man sehr gut leben und diese Begrenzung würde zeigen, dass man als Unternehmen bemüht ist, die große Kluft zwischen Arm und Reich nicht weiter zu vergrößern.