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interview

Es braucht Mut und Geld

So funktioniert die Triodos Investment-Strategie

So funktioniert die Triodos Investment-Strategie

Die Triodos Bank finanziert positiven Wandel – auch und gerade mit den Investmentfonds von Triodos Investment Management. Nachhaltige Fonds funktionieren meist über Ausschlusskriterien. Triodos Investment Management geht in der Auswahl seiner Fonds jetzt einen Schritt weiter und setzt auf einem positiven Ansatz.

„Leistet ein Unternehmen einen nachweislichen und messbaren Beitrag zum Übergang in eine nachhaltige Wirtschaft? Die Antwort auf diese Frage ist für unsere Auswahl börsennotierter Unternehmen von zentraler Bedeutung“, sagt Hans Stegeman von Triodos Investment Management (Triodos IM). Hans Stegeman ist Head of Research and Investment Strategy – der Abteilung, die für die Beurteilung der Nachhaltigkeitsziele börsennotierter Unternehmen zuständig ist und mit diesen in einen intensiven Dialog tritt, um herauszufinden, ob diese Unternehmen tatsächlich um Nachhaltigkeit bemüht sind. Wir haben ihn zum neuen Ansatz von Triodos IM befragt.

Triodos IM wählt börsennotierte Unternehmen inzwischen nach anderen Kriterien aus. Was genau hat sich hier im Vergleich zu früher geändert?

„Bis vor Kurzem basierte unsere Auswahl im Wesentlichen auf unseren sehr strengen Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen. Diese Kriterien schließen ganze Branchen und Sektoren wie Rüstungsunternehmen oder Kernkraft komplett aus und sehen beispielsweise vor, dass Unternehmen gute Arbeitsbedingungen bieten, Tierversuche auf ein Minimum beschränken und ausschließlich Holz aus zertifiziert nachhaltiger Produktion nutzen. Wir halten dies nach wie vor für wichtig, setzen nun jedoch mit der Frage an, inwieweit ein Unternehmen aktiv mitwirkt, die Zukunft nachhaltig zu gestalten. Erst wenn wir hierfür Belege gefunden haben, prüfen wir, ob das Unternehmen alle Anforderungen erfüllt. Und manchmal machen wir auch eine Ausnahme, wenn eine der Mindestanforderungen nicht erfüllt wird – vorausgesetzt, es sprechen gute Gründe dafür.“

Hans Stegeman

Hans Stegeman

 

Welche Gründe rechtfertigen eine solche Ausnahme?

„Ein gutes Beispiel ist der japanische Hersteller von Musikinstrumenten Yamaha. Wir sind der festen Überzeugung, dass Musik und Kultur inhärente Bestandteile einer lebenswerten, lebendigen und nachhaltigen Welt sind. Aus diesem Grund haben wir kürzlich erstmals in Yamaha investiert. Problematisch war dabei, dass das Unternehmen zur Herstellung seiner Instrumente bisweilen Holz einsetzt, das nicht aus zertifiziert nachhaltiger Produktion stammt. In der Vergangenheit wäre dies ein Argument für uns gewesen, dieses Unternehmen auszuschließen. Nun ist dies nicht mehr der Fall. Im vergangenen Jahr konnten wir uns im Rahmen zweier intensiver Gespräche mit Yamaha davon überzeugen, dass viele Aspekte des Herstellungsprozesses des Unternehmens überaus nachhaltig und verantwortungsvoll sind. Die Tatsache, dass das Unternehmen nicht ausschließlich zertifiziertes Holz verwendet, ist darauf zurückzuführen, dass Yamaha seltene Holzarten verarbeitet, für die eine Zertifizierung teils einfach nicht existiert. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, für diese Mindestanforderung eine Ausnahme zu machen und trotzdem in das Unternehmen zu investieren.“

 

Wie entscheidet ihr, ob ein Unternehmen einen Beitrag zum Übergang in eine nachhaltige Wirtschaft leistet?

„Wir treffen diese Entscheidung auf der Grundlage von sieben Themen für den Übergang in eine nachhaltige Gesellschaft, beispielsweise Erneuerbare Energien, Nachhaltige Lebensmittel und Landwirtschaft, Gesunde Menschen und Kreislaufwirtschaft. Unser Anspruch an die Unternehmen, in die wir investieren, ist es, dass sie in mindestens einem dieser Themenbereiche einen Beitrag leisten. Meiner Meinung nach heben wir uns mit unserem neuen positiven Ansatz von vielen anderen Nachhaltigkeitsinvestoren ab. Die meisten von ihnen arbeiten nach wie vor hauptsächlich mit Checklisten und Ausschlusskriterien. Das ist zweifellos eine solide Basis für die Auswahl börsennotierter Unternehmen, schließlich haben wir selbst viele Jahre lang so gearbeitet. Immer häufiger haben wir jedoch festgestellt, dass diese Methode nicht zwangsläufig zur Auswahl jener Unternehmen geführt hat, die tatsächlich für eine bessere Zukunft kämpfen. Oft kamen am Ende vor allem jene Unternehmen zum Zuge, die nur nichts falsch gemacht haben.

Wenn man herausfinden will, welchen positiven Beitrag ein Unternehmen wirklich leistet, muss man ganz genau hinschauen. Aus diesem Grund führen wir oft sehr ausführliche Gespräche mit den Unternehmen, in die wir investieren. Das war früher auch schon der Fall, aber inzwischen versuchen wir, dabei noch mehr in die Tiefe zu gehen. Wir verlangen von den Unternehmen konkrete Beispiele für ihren positiven Beitrag zu einer nachhaltigen Zukunft.“


Geld clever anlegen und dabei der Nachhaltigkeit ordentlich auf die Sprünge helfen – für die Triodos Bank gehört das seit jeher zusammen: Unsere Fonds, crowdinvesting & Aktienähnliche Rechte


Verändert sich durch den neuen Ansatz die Unternehmensauswahl?

„Definitiv. Yamaha habe ich bereits erwähnt. Ein weiteres Beispiel ist Signify, ehemals Philips Lighting. Signify haben wir kürzlich in unsere Portfolios aufgenommen. Das Unternehmen ist Vorreiter in der Entwicklung energieeffizienter LED-Technologien, entwickelt darüber hinaus aber auch innovative Serviceangebote wie etwa „Light as a Service“. Das Unternehmen verkauft also nicht einfach nur Lampen, sondern Licht, indem es seine Leuchten an die Endnutzer vermietet. Signify hat also ein unmittelbares Interesse daran, die Lampen und Leuchten so nachhaltig und recycelfähig wie möglich zu machen, da sie am Ende des Leasingzeitraums an das Unternehmen zurückgegeben werden. Wir finden dieses Servicekonzept sehr überzeugend. Es verkörpert genau das, was wir unter Kreislaufwirtschaft verstehen.“

 

Wurden Unternehmen aussortiert, in die Sie früher investiert haben?

„Gute Beispiele dafür sind große Finanzinstitute. Wir haben viele Jahre lang in einige Institute investiert, weil sie alle unsere Mindestkriterien erfüllt haben. Die Frage, wie konventionelle Banken zum Übergang in eine nachhaltige Zukunft beitragen, blieb für uns allerdings unbeantwortet. Leisten sie überhaupt einen Beitrag zu einem unserer sieben Übergangsthemen? Es erwies sich als sehr schwierig, konkrete Beispiele zu finden. Genau aus diesem Grund haben wir diese Institute im vergangenen Jahr aus unseren Portfolios gestrichen und berücksichtigen sie nicht mehr für Investments. Wir konzentrieren unsere Aufmerksamkeit und Anstrengungen nunmehr ausschließlich auf Unternehmen, die sich wirklich für eine nachhaltige Zukunft und deren Gestaltung einsetzen.“

Interview: Tobias Reijngoud

Zur Person
Hans Stegeman

Hans Stegeman (geb. 1972) ist seit zwei Jahren Head of Research and Investment Strategy bei der Triodos Bank. Zuvor arbeitete er für das CPB Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis und war mehrere Jahre lang als Chefökonom bei der Rabobank tätig. Hans Stegeman verfügt über einen Abschluss in General Economics von der Universität Maastricht und promoviert derzeit zum Thema Kreislaufwirtschaft.


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