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neuigkeit

„Die deutsche Finanzbranche schläft einen tiefen Schlaf“

Fair Finance Week 2018 schaut auf die Mainstream-Banken

Fair Finance Week 2018 schaut auf die Mainstream-Banken

Die Finanzbranche wird dringend gebraucht, um die ökologische und soziale Nachhaltigkeit voranzubringen. Doch abseits der Nachhaltigkeitsbanken tut sich wenig, besonders in Deutschland. Deutsche Banken schlummern im Dornröschen-Schlaf. Ändern könnte sich das nun mit neuen Vorgaben aus Brüssel. Der Branche droht kein sanfter Kuss, sondern ein böses Erwachen.

Banken, Sparkassen und andere Investoren werden dringend gebraucht, um ökologische sowie soziale Nachhaltigkeit voranzubringen. Ohne den Finanzsektor ist zum Beispiel der Klimawandel wohl nicht in den Griff zu bekommen. Mit der bewussten Steuerung von Geldströmen an Unternehmen und in bestimmte Sektoren beeinflusst die Finanzwirtschaft maßgeblich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Sie hat ein gewichtiges Wort mitzureden, wenn es darum geht zu entscheiden, welche Branchen und welche Arten des Wirtschaftens wachsen und welche nicht. Als Pioniere wissen Nachhaltigkeitsbanken seit Jahren um den Zusammenhang und finanzieren nur, was gut für Planet und Mensch ist.

Aber was ist mit den klassischen Banken, was ist mit dem „Mainstream“? Denn klar ist auch, dass nachhaltige Banken alleine nicht ausreichen, da ihre Marktdurchdringung zu klein ist, um eine große globale Wirkung zu erzielen. Die klassischen Institute müssen sich bewegen und nachhaltiger werden. In den vergangenen Monaten ist einiges in Wallung geraten, doch reichen die Bemühungen aus? Um diese Frage ging es in der Auftaktveranstaltung der Fair Finance Week 2018 mit den Gästen Stefan Majer (Stadt Frankfurt), Sven Giegold (MdEP), Rainer Lenz (Finance Watch) und Kristina Jeromin (Deutsche Börse).


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Sven Giegold, finanzpolitsicher Sprecher der Grünen-Fraktion im Europaparlament, weiß wie kaum ein anderer Politiker Bescheid, was sich momentan auf europäischer Ebene tut. Und dort passiert einiges: Die EU-Kommission und das EU-Parlament arbeiten an Vorschlägen für eine nachhaltigere Finanzwirtschaft, die teils im „Hohen Haus“ der EU schon verabschiedet wurden (jetzt müssen sie noch durch den Europäischen Rat der Regierungschefs, was sich schwieriger gestaltet – vor allem Deutschland bremst).

Es steht außer Frage, dass es politische Vorgaben für mehr Nachhaltigkeit in der Finanzbranche geben wird, wie genau sie ausgestaltet werden und wann sie kommen, ist noch unklar. „Es wird um Details gerungen“, sagt Sven Giegold. Eine der größten Gefahren für den Finanzmarkt sieht der Politiker darin, dass politische Gesetzgebung für Klimaschutz zu Systemrisiken im Finanzmarkt führen. Denn nach wie vor haben große Teile der Banken sogenannte „braune“ Assets – beispielsweise Anleihen in der extrem klimaschädlichen Kohleindustrie – in Aber- und Abermilliardenhöhe in ihren Portfolios. Sollte die Politik zum Beispiel entscheiden, dass die Assets mit mehr Eigenkapital unterlegt werden müssten, was durchaus passieren kann, würden die Werte stark an Wert verlieren und die Banken hätten ein Riesenproblem. In diesem Zusammenhang wird oft von der „Kohlenstoffblase“ gesprochen. Indirekt beantwortet Sven Giegold damit sehr genau die Frage, ob er glaubt, dass konventionelle Banken auf den Klimawandel vorbereitet sind.

Mehr zum Thema: Wie der Finanzsektor einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung der SDGs leisten kann

Auch Christina Jeromin glaubt nicht, dass die Bemühungen der Mainstream-Banken bislang ausreichen, um essentiell zur Nachhaltigkeit beizutragen. „Es passiert einiges, aber leider geht alles viel zu langsam“, sagt sie und ergänzt: „Die deutsche Finanzbranche schläft einen tiefen Schlaf“. Christina Jeromin beobachtet sehr genau, was in der Branche passiert. Neben ihrer Position als Head of Group Sustainability der Deutschen Börse ist sie auch Geschäftsführerin des „Green and Sustainable Finance Cluster Germany“, dem Organ, das sie nachhaltigen Bemühungen der Mainstream-Banken in Deutschland bündelt.

Blick auf das Podium des ersten Abends der Fair Finance Week 2018.

Was sich am ersten Abend der Fair Finance Week 2018 immer wieder herauskristallisiert, ist die unrühmliche Rolle Deutschlands, was nachhaltige Finanzen betrifft. Während beispielsweise Frankreich Investoren mit dem Artikel 173 verpflichtet Klimarisiken zu bewerten, tut sich in Deutschland wenig bis nichts. Schlimmer noch: Die Bundesrepublik verschleppt den Prozess. „Leider ist Deutschland in Europa ein Bremser“, sagt Rainer Lenz, der Vorstandsvorsitzende der Brüsseler Nichtregierungsorganisation Finance Watch mit Blick auf die derzeitigen politischen Entscheidungsträger.

Wenn die große Politik in Deutschland paralysiert verharrt, ist es umso wichtiger, dass sich auf lokaler Ebene etwas bewegt. Und das ist zumindest in Frankfurt am Main der Fall: Die Stadt hat einen Teil der betrieblichen Altersvorsorge ihrer Angestellten – etwa 70 Millionen Euro – nachhaltig angelegt, wie Stadtrat Stefan Majer erklärt.

Passend zum Start der Fair Finance Week hat der Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments über neue Offenlegungsregelungen für nachhaltige Investitionen abgestimmt und damit „einen Meilenstein für die grüne Finanzwende“ passiert, wie Sven Giegold es formuliert. Der Druck auf die Branche nachhaltiger zu werden, wächst spürbar. Bleibt zu hoffen, dass die Mainstream-Akteure handeln, bevor die „Kohlenstoffblase“ platzt und ein sehr unsanftes Erwachen droht.

Text: Michael Rebmann

Bild: Pixaby

 

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