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neuigkeit

Finanzbranche und Nachhaltigkeit: „Es bleiben dicke Bretter zu bohren“

Fair Finance Week 2019 eröffnet

Fair Finance Week 2019 eröffnet

Ja, es geht ein Ruck durch die Finanzwelt. Und ja, auch die konventionellen Banken werden nachhaltiger. Aber reicht das schon, um die Klimakrise effektiv zu bekämpfen? Die Fair Finance Week sucht nach Antworten.

Finanzwelt, quo vadis? Wohin entwickelt sich die Finanzbranche? Werden Banken vor dem Hintergrund drängender Krisen wie der Klimaerwärmung oder der sozialen Spaltung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als Mittler bewusst und tragen zu einer nachhaltigen Wirtschaftstransformation bei?

Um diese Fragen geht es auf der sechsten Fair Finance Week in Frankfurt. Klar ist, dass Banken eine Schlüsselrolle auf dem Weg zu einer nachhaltigen Transformation der Wirtschaft innehaben. Darüber waren sich alle Podiumsgäste des ersten Abends der Fair Finance Week einig. Diese Einigkeit sagt schon einiges aus. Warum? Weil sie von unterschiedlichen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft artikuliert wurde, die sich noch vor einigen Jahren in diesem Punkt wohl nicht einig gewesen wären. Es bewegt sich also etwas in Sachen nachhaltige Finanzen.


Langfristige Geldanlage in nachhaltige Fonds: Geld sozial-ökologisch wirken lassen, mit Fondssparplänen


In der IHK am Frankfurter Börsenplatz, vor Bulle und Bär im Herzen der Finanzmetropole, eröffnete Melanie Nolte, Vizepräsidentin der IHK, die Fair Finance Week. „Wenn Unternehmen Umwelt und Menschen schaden, schaden sie sich selbst“, sagte Nolte vor rund 150 Gästen. Ein „Umdenken habe begonnen“ fuhr sie fort, es zähle für Unternehmen nicht mehr „nur Rendite, sondern auch Impact“.

Auf der politischen Landesebene in Hessen ist das Thema nachhaltige Finanzwirtschaft auch angekommen. Das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen hat im vergangenen Jahr das „Green and Sustainable Finace Cluster Germany“ zusammen mit der Deutschen Börse ins Leben gerufen. Auch in der Verwaltung selbst sei nachhaltige Geldanlage wichtig, erklärte der Hessische Staatssekretär Philipp Nimmermann in seiner Begrüßung. Die Pensionen der Hessischen Beamtinnen und Beamten auf Landesebene würden nach nachhaltigen Kriterien angelegt. Nimmermann forderte darüber hinaus die Branche auf, Nachhaltigkeit „nicht nur auf das Klima zu beschränken, sondern ganzheitlich zu denken“ – also Aspekte der sozialen Nachhaltigkeit genauso wichtig zu nehmen.

„Eigentlich müsste der Wert von Aramco nahe bei null liegen.“

Gerhard Schick

„Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass es teuer werden kann, wenn man die Ökologie ausblendet“, sagte Gerhard Schick. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Finanzpolitische Sprecher der Grünen hielt den eröffnenden Impuls der Fair Finance Week. Seit knapp einem Jahr ist Schick Geschäftsführender Vorstand und Gründer Bürgerbewegung Finanzwende und hat sich zum Ziel gesetzt, die Finanzbranche mithilfe von Bürgerinnen und Bürgern umzukrempeln. Dafür hat er sich aus der Politik zurückgezogen. Er sprach die Klimarisiken an, die viele konventionelle Banken und Investoren umtreiben. Unter Klimarisiken werden Investitionen in fossile Energien – beispielsweise in Kohlekraft – verstanden, die künftig rapide an Wert verlieren können, wenn eine politische Klimaregulierung kommt.

Gut besucht: Der Auftakt-Abend der Fair Finance Week in der IHK Frankfurt.

Wie schizophren und kurzfristig orientiert Teile der Finanzbranche dennoch weiterhin denken, obwohl die Klimarisken bekannt seien, machte Schick am Beispiel von Saudi-Arabiens staatlicher Ölfirma Aramco deutlich: Der Ölkonzern soll an die Börse gebracht werden. Aramco ist das Unternehmen, das weltweit den größten CO2-Fußabdruck hat. Sollte der Börsengang klappen, wäre es der größte in der globalen Wirtschaftsgeschichte. Die Bank of America beispielsweise schätzt den Wert des Konzerns auf bis zu 2,3 Billionen Dollar – mehr als jedes andere Unternehmen auf der Welt. „Eigentlich müsste der Wert von Aramco nahe bei null liegen“, sagte Schick mit Blick auf die Klimarisiken.

Ein “Riesenschritt”: Eine einheitliche Taxonomie auf EU-Ebene

In der abschließenden Podiumsdiskussion saßen neben Gerhard Schick Karin Dohm, Global Head of Governmental Affairs der Deutschen Bank und Sanika Hufeland, Managing Director des Institute for Social Banking, auf der Bühne. Eine einheitliche Taxonomie auf europäischer Ebene, wie sie derzeit erarbeitet werde, sein „ein Riesenschritt nach vorne“, sagte Dohm. Die Deutsche Bank und viele weitere Banken warteten auf klare Regelungen seitens der Politik, um festzulegen, welche Investments künftig als nachhaltig klassifiziert werden. Die Deutsche Bank arbeite derzeit an einer Öl- und Gasrichtlinie und würde keine neuen Kohlekraftwerke mehr finanzieren, sagte Dohm weiter. Dohms Äußerungen zeigen, dass die Klimarisiken auch bei den großen konventionellen Häusern angekommen sind. Trotzdem spiegelt sich in der Deutschen Bank wiederum die Schizophrenie der Branche: Deutschlands größtes Geldhaus soll zu den Konsortialbanken des Börsengangs von Aramco zählen. Angesprochen auf diesen Widerspruch wollte Dohm keine Aussage treffen.

Sanika Hufeland, die in ihrer Position als Geschäftsführerin des Berliner Institute for Social Banking in der Finanzwelt gut vernetzt ist, sieht „Rückenwind für die sogenannten Change Agents“ in den konventionellen Banken. Rückenwind für diejenigen also, die sozial-ökologische Nachhaltigkeit in den Mainstream-Instituten verankern sollen und wollen. Das sei eine positive Entwicklung, mehr aber auch nicht.

Wohin also entwickelt sich die Finanzbranche? Als Fazit des ersten Abends der Fair Finance Week lässt sich festfalten, dass sich (fast) überall etwas in Richtung Nachhaltigkeit bewegt. Wer hätte das noch vor fünf Jahren gedacht! Leider ist der Wandel auf der anderen Seite aber viel zu gemächlich – und die Geschäftspolitik bleibt widersprüchlich. Das reicht noch nicht, um die Klimakrise auszubremsen. Da muss mehr kommen – oder wie Philipp Krohn, Journalist bei der FAZ und Moderator des Abends festhielt: „Es bleiben dicke Bretter zu bohren.“

Text: Michael Rebmann

Titelbild: Unsplash

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