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neuigkeit

Eine andere Wirtschaft ist möglich

Die Gemeinwohl-Bilanz als konkretes Instrument eines sozial-ökologischen Wandels

Die Gemeinwohl-Bilanz als konkretes Instrument eines sozial-ökologischen Wandels

Nicht erst durch die Corona-Krise wird deutlich, dass unsere Art zu wirtschaften dringend Veränderung benötigt. Durch die Gemeinwohl-Bilanzierung können Unternehmen zu einer nachhaltigeren Wirtschaft beitragen und als Praxisbeispiel weitere Akteure inspirieren. Ein Gastbeitrag von Wolf Oeding.

Nicht erst durch die Corona-Krise wird deutlich, dass unsere Art zu wirtschaften dringend Veränderung benötigt. Die Abhängigkeit von Wirtschaftswachstum und Effizienzsteigerung hat uns in eine Sackgasse geführt und zerstört unsere Lebensgrundlagen. „Die Wirtschaft steht Kopf“, stellte Hans Stegman an dieser Stelle in seiner Kolumne treffend fest. Das gleiche Bild verwendet Christian Felber, der Begründer der Gemeinwohl-Ökonomie, und macht in seinen Vorträgen dazu gerne einen Handstand.

Wie können wir die Wirtschaft wieder vom Kopf auf die Füße stellen?

Fraglos spielt der Staat hierbei eine maßgebliche Rolle, aber die politischen Impulse reichen bisher nicht aus. Und ob die Corona-Krise die notwendige Transformation beschleunigt oder verlangsamt, ist eine der spannenden aktuellen Fragen. Die Antwort ist ungewiss. Der Widerstand der fossilen Wachstumsbefürworter ist mächtig.

Da wir uns auf politische Lösungen alleine nicht verlassen können, kommt den Unternehmen als entscheidende Akteure der Wirtschaft eine große Verantwortung zu. Hier setzt die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) an und bietet mit ihrem Kerninstrument, der Gemeinwohl-Bilanz, einen ganz konkreten Ansatz.

Die Gemeinwohl-Bilanz ist ein umfassender Nachhaltigkeitsbericht, der seinen Platz neben der finanziellen Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens einnimmt. Anhand einer Matrix aus den Verfassungs- und Grundwerten – Menschenwürde, Solidarität & Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz & Mitentscheidung – und den relevanten Berührungsgruppen eines Unternehmens – Lieferant*innen, Eigentümer*innen & Finanzpartner*innen, Mitarbeitende, Kund*innen sowie Gesellschaft – bewertet sie, welchen Beitrag eine Organisation zum Gemeinwohl leistet.


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Damit werden alle Aspekte des Agierens einer Organisation in den Blick genommen, anstatt nur einzelne Themen herauszuheben. Eine weitere Besonderheit der Gemeinwohl-Bilanz ist ihre obligatorische externe Auditierung. Außerdem sorgt die Veröffentlichung des Berichts für uneingeschränkte Transparenz. Die 360°-Betrachtung, die Auditierung und die Veröffentlichung stellen sicher, dass ein „Greenwashing“ des bilanzierenden Unternehmens ausgeschlossen wird.

Im Rahmen der Bilanzierung analysiert sich ein Unternehmen anhand vorgegebener Fragestellungen und Indikatoren gemäß der 20 Themenfelder der Matrix und führt eine Eigenbewertung durch, die abschließend durch eine unabhängige Auditor*in überprüft wird. Dabei können maximal 1.000 Punkte erreicht werden, die nach außen durch ein Siegel, das aktuell erarbeitet wird, dargestellt werden können.

Der Prozess kann bei Bedarf durch GWÖ-Berater*innen angeleitet und unterstützt werden. Speziell für kleinere und mittlere Unternehmen gibt es die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Unternehmen eine gegenseitige Analyse im Rahmen eines „Peer Prozesses“ durchzuführen.

Die Bilanzierung erfordert einen nicht unerheblichen Aufwand, der von der Größe und Komplexität des Unternehmens abhängt und davon, ob das Unternehmen eigene Kapazitäten zur Durchführung bereitstellt oder externe Unterstützung in Anspruch nimmt.

Der Aufwand wird jedoch mit einer neuen Sichtweise auf das eigene Unternehmen belohnt und mit einer Festigung und Ausweitung der eigenen Nachhaltigkeit. Im Rahmen des Analyseprozesses findet eine Selbstreflexion statt. Der Blick wird auch auf Themen gerichtet, die bisher noch wenig oder nicht bedacht wurden und inspiriert so zu weiteren Verbesserungen. Unternehmen, die ökologisch vorbildlich sind, entdecken beispielsweise Schwächen bei Transparenz und Mitentscheidung. Fortgeschrittene in einer menschenwürdigen Gestaltung der Lieferkette stellen fest, dass die Solidarität gegenüber den eigenen Mitarbeitenden verbessert werden kann. Der Aufwand ist somit gleichzeitig Nutzen der Bilanzierung.


Mehr zum Thema: Christian Felber im Interview


Auch „unterm Strich“ profitieren Unternehmen: Die Bilanzierung stärkt handfeste Themen wie Mitarbeitergewinnung, Kundenbindung, Organisationsentwicklung, Resilienz des Geschäftsmodells und Risikomanagement (z. B. Image- und Markenschutz oder auch Vorbereitung auf zukünftige CO2-Steuern). Zudem fördert die GWÖ gezielt den Aufbau von Netzwerken unter den bilanzierten Unternehmen.

Am Ende führt der Prozess zu einer erweiterten Zielsetzung eines Unternehmens. Finanzieller Erfolg bleibt weiterhin wichtig, ist aber nicht mehr alleiniges Ziel, sondern eingebettet in das Wohl aller – klar definiert durch die Werte und Berührungsgruppen der Matrix.

Durch die Gemeinwohl-Bilanzierung übernimmt ein Unternehmen die Verantwortung für eine notwendige Veränderung „von unten“, agiert als Praxisbeispiel und Inspiration für weitere Akteur*innen und ist so treibende Kraft der unvermeidbaren sozial-ökologischen Transformation.

Über die Gemeinwohl-Ökonomie

Die weltweit agierende Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung wurde 2010 ins Leben gerufen. Aktuell umfasst sie weltweit rund 11.000 Unterstützer*innen, mehr als etwa 4.800 Aktive in über 180 Regionalgruppen, 35 GWÖ-Vereine, etwa 600 bilanzierte Unternehmen und andere Organisationen, knapp 60 Gemeinden und Städte sowie 200 Hochschulen weltweit, die die Vision der Gemeinwohl-Ökonomie verbreiten, umsetzen und weiterentwickeln — Tendenz steigend!
Weitere Informationen unter: www.ecogood.org

Zum Autor
Wolf Oeding

Wolf Oeding, Diplom-Kaufmann, war 15 Jahre Manager bei Tchibo und ist seit zehn Jahren selbständiger Unternehmensberater, meist in internationalen Großunternehmen. Der Kunde der Triodos Bank hat sich 2019 als aktives Mitglied der Gemeinwohl-Ökonomie angeschlossen und ist u. a. als GWÖ-Berater tätig. Kontakt: wolf.oeding@ecogood.org

 

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