Um unsere Website für Sie weiter zu verbessern, benutzen wir Cookies. Durch Nutzung der Seite stimmen Sie unserer Cookie-Richtlinie zu. Mehr über Cookies.

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close

neuigkeit

Ist die Zukunft geldfrei?

Über das Wesen des Geldes III

Über das Wesen des Geldes III

Geld ist noch immer ein gesellschaftliches Tabu. Doch an den Grundfesten dieses Tabus wird gerüttelt und geschüttelt. Es ist etwas in Bewegung gekommen. Die Geld-Welt ändert sich – fragt sich nur, in welche Richtung.

Geld ist allgegenwärtig, aber man spricht nicht darüber. Geld wandert physisch von Hand zu Hand oder virtuell von Konto zu Konto. Es wird gehortet, verprasst, geliehen, eingetrieben. Geld ist ungerecht verteilt. Geld soll nicht stinken, kann schwarz sein aber nicht weiß. Geld wird geschöpft und vernichtet. Geld hat einen Wert, aber keinen objektiven. Noch immer ist Geld ein gesellschaftliches Tabu. Doch an den Grundfesten dieses Tabus wird spürbar gerüttelt und geschüttelt. Es ist etwas in Bewegung gekommen. Die Geld-Welt ändert sich – fragt sich nur, in welche Richtung. Wie wird das Geld der Zukunft aussehen? Und braucht es überhaupt noch Geld?

Geht es nach den Machern von Star Trek, ist die Zukunft geldfrei. Im 24. Jahrhundert sind alle materiellen Bedürfnisse der Menschen befriedigt, Geld gibt es nicht mehr, die Menschen arbeiten aus intrinsischer Motivation. Auch außerhalb des Star-Trek-Universums ist ein Szenario einer Welt ohne Geld und Banken, wie wir sie heute kennen, zwar radikal aber denkbar.

Banken können überflüssig werden, wenn digitale Revolutionen wie die Blockchain-Technologie sich flächendeckend durchsetzen. Die Blockchain ist vereinfacht ausgedrückt eine Art Online-Register, in dem alle möglichen Verträge, Geschäfte und Transaktionen erfasst werden und das aus heutiger Sicht als extrem sicher gilt. Daten werden nicht irgendwo auf einem Server gespeichert, sondern dezentral auf tausenden Rechnern gleichzeitig. Transaktionen von beispielsweise Kryptowährungen finden in der Blockchain anonymisiert zwischen zwei Parteien statt und werden gleichzeitig im gesamten Blockchain-Netzwerk dokumentiert. Ein sehr sicheres Verfahren also, das keinen Mittler mehr braucht, also keine Bank. Neben Banken würden auch andere Mittler, wie etwa Notare, überflüssig.

“Ein Szenario einer Welt ohne Geld und Banken, wie wir sie heute kennen, ist zwar radikal aber denkbar.”

 

In einer digitalen und durchtechnologisierten Welt, in der menschliche Arbeit weniger und weniger gebraucht wird, wird Geld unwichtiger. Immer wichtiger dagegen könnte Zeit als Tauschmittel werden. Schon heute kann beispielsweise in Japan die Altersvorsorge ergänzend auch in Zeit gespart werden: Zeit, die ich heute zur Unterstützung eines alten Mitmenschen aufwende, wird mir im Alter später als betreute Zeit zurückgezahlt. Ein anderes Beispiel sind die „timebanks“, die es inzwischen in vielen Städten – vor allem in den USA – gibt. Sie funktionieren folgendermaßen: Man arbeitet freiwillig eine Stunde für jemanden in der Umgebung. Die Stunde geleistete Arbeit wird einem gutgeschrieben und kann bei einem anderen Freiwilligen eingelöst werden.

Regional und/oder kryptisch – was bringt die Zukunft?

Triodos Aktienähnliche Rechte

Werden Sie ein Teil des Wandels

Um das Geld der Zukunft zu beschreiben, ist es vermutlich treffender von Währungen der Zukunft zu sprechen. Denn die Zukunft wird vermutlich nicht starr und zentralisiert sein, sondern flexibel und multimonetär. Viele verschiedene Währungen für unterschiedliche Zwecke könnten nebeneinander existieren und das Zentralbankgeld ergänzen. Schon heute gibt es zahlreiche Komplementär- und Regionalwährungen. Letztere haben einen positiven Einfluss auf regionale Wirtschaftskreisläufe. Sie verlieren ihre Gültigkeit außerhalb eines bestimmten Gebiets und stehen nicht in Konkurrenz zum Zentralbankgeld. Beispiele für Regionalwährungen sind der Chiemgauer oder auch der WIR.

Etwas anders verhält es sich mit Krypto-Währungen, sie haben durchaus den Anspruch einer globalen Komplementärwährung. Das bekannteste Beispiel für eine digitale Währung ist der Bitcoin. Weltweit kann mit ihm inzwischen gezahlt werden. In Ländern mit extremer Inflation ist der Bitcoin trotz seiner starken Wertschwankungen schon heute eine Alternative zur Landeswährung. Neben dem Bitcoin sind weitere bekannte Krypto-Währungen Ethereum, Litecoin oder Ripple. Ihnen allen ist gemein, dass sie peer to peer funktionieren, also ohne Mittler. Krypto-Währungen werden darüber hinaus nicht in Kreditakten geschöpft, sondern entstehen in aufwendigen Rechenprozessen (dem „Mining“). Letzteres stellt die Geldschöpfung wie sie heute funktioniert auf den Kopf. Die Gesamtmenge der Bitcoins ist auf 21 Millionen beschränkt und wird irgendwann im 22. Jahrhundert erreicht.

Bleibt noch die Frage nach dem Bargeld. Wird Münz- und Papiergeld in der Zukunft verschwinden? Klar ist: Bargeldlos zu bezahlen wird immer einfacher. Durch Near Field Communication (NFC) kann man an der Supermarktkasse ohne PIN oder Unterschrift mit dem Smartphone, der Girocard oder der Kreditkarte bezahlen, von Online-Shopping ganz zu schweigen. Große Konzerne wie Apple oder Google treiben die Technologie dafür voran. Bargeldlos zu bezahlen hat ohne Zweifel viele Vorteile: Es ist bequem und es erschwert kriminelle Machenschaften wie Geldwäsche. In bar zu bezahlen erfreut sich hierzulande immer noch extremer Beliebtheit, weil Bargeld Freiheit bedeutet – die Freiheit anonym etwas zu kaufen. Und so wird es vermutlich auch bleiben. Bargeld wird künftig Teil der Währungsvielfalt sein.

Für Nachhaltigkeitsbanken wie die Triodos Bank ist nicht die Frage nach der Ausgestaltung des Geldes zentral, sondern nach seiner Wirkung. Was bewirkt eine Investition (sei sie groß oder klein)? Diese Überlegung sollte in Zukunft selbstverständlich sein.

Mehr zum Wesen des Geldes:

Text: Michael Rebmann

Foto: Rob Bye/magdeleine.co/

Was denken Sie über "Ist die Zukunft geldfrei?"?

Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte tragen Sie Ihren Namen ein

Torsten vor 1 Monat

Mir scheint: Überall wo Daten gesammelt werden, können diese Daten auch manipuliert, mißbraucht oder gestohlen werden. Datenvermeidung ist der einzig wirksame Datenschutz. Ich zahle daher immer bar.

In den Töpfen der Anderen #59 » Finanzküche vor 1 Monat

[…] Ist die Zukunft geldfrei? >> Die Farbe des Geldes […]

Jan vor 4 Wochen

Ich finde es viel bedenklicher das wir plötzlich ohbe Bargeld komplett überwachbar werden und man darf auch nicht vergessen das sobald irgendwo Daten erfasst werden, subdaten entstehen also Rückschlüsse möglich werden wie, ich kaufe oft in Gebiet xyz ein also wohne ich dort warscheinlich also habe gehöre ich warscheinlich der Gesellschaftsschicht ycz an etc.
Und was Zeit als Zahlungsmittel betrifft, dazu sollte man sich mal den Film 》In Time《 anschauen. Der Mensch wird alles pervertieren um Macht und Reichtum anzuhäufen.

Ernst Ullrich Schultz vor 4 Wochen

Hier ein Auszug aus einem Essay, den ich vor einiger Zeit schrieb, aber noch nicht veröffentlicht ist:
Viele Chancen böte eine geldfreie Gesellschaftsordnung. Es gäbe kein wirtschaftliches Wachstum mehr um jeden Preis und keine Überproduktion, was der Umwelt sehr zugute käme. Billigprodukte werden nicht mehr produziert. Es wird nicht gegeneinander gearbeitet, sondern miteinander. Viele Stressfaktoren fallen deshalb weg, was der Gesundheit der Menschen förderlich wäre. Bildung, Kunst und Kultur erblühen. Viel Bürokratie und das ganze Rechnungswesen wird entfallen. Politisch könnte es in Richtung Regionalisierung tendieren, weil Produktion und Versorgung übersichtlicher gestaltet werden kann. Gründe für Kriege werden vermindert, so ist zu hoffen. Auch das Rechtsleben wird sich ändern. Phantasie ist gefragt, neue Formen des Miteinander zu entwickeln.
Auf Wunsch stelle ich den vollen Text gern zur Verfügung.

Antwort an Ernst Ullrich Schultz
AnonyMaus vor 4 Wochen

Auch ich habe mir die Gedanken gemacht, es müssten 10% was abgeben, damit die 90% sorgenfrei leben könnten. Volkslobby, Obergrenze für Geld… Aber diese 10% blenden mindesten 60% der Menschen die dagegen sind, weil man ihnen gesagt hat, dass 90% der Bevölkerung was genommen wird. Wir haben keine Platform – weil wir gespalten sind.

AnonyMaus vor 4 Wochen

Ich will kein Geld, weder bar noch elektronisch, ich geh gerne arbeiten für die Menschen, aber mein Vermieter möchte Geld, der Bäcker, der von der Tankstelle… Somit bin ich vom Geld abhängig, vielleicht schaffen wir das unsere Kinder kein Geld brauchen. Wir könnten mit Blockchains, den Volkswirtschaftsdienst der Menschen erfassen und damit auch untereinander zahlen.
Geld, alles schön und gut, aber was ist, wenn ich aber meinen spirituellen Pfad verliere, wegen materiellen Dingen? Was ist, wenn man sich auf etwas vorbereiten muss, das mit Geld verdienen nichts zu tun hat? Wenn, aber das große schwarze Nichts kommen sollte, warum braucht man dann soviel Geld vorher? Wenn es einen Gott im Himmel geben sollte, beurteilt er die Menschen nach Vermögen, hat man dann auch Guthaben oder gar Schulden, gar beim Teufel ? 🙂 Vielleicht ist es auch umgekehrt, dann kommt die Frage, warum man immer mehr haben wollte obwohl es schon längs gereicht hätte…
Also glaube ich, dass die Zukunft Geldfrei sein wird – so oder so.

H. Herrmann vor 4 Wochen

Bargeld halte ich unbedingt für erforderlich. Stichworte: Kontrolle allgemein und die Geldschöpfung der Banken.

Ingrid Buchwieser vor 4 Wochen

Die Geldschöpfung ist wichtig. In der Schweiz gibt es Bestrebungen für die Vollgeld-Reform. In Deutschland gibt es die MONETATIVE in Berlin. Sie machen wichtige Veranstaltungen. Es geht um sicheres Geld für die Bürger. Geldschöpfung kann nicht in Händen der privaten Banken bleiben, sie gehört unter staatliche Aufsicht. Monetative eben als vierte Gewalt. Sicheres Geld für die Bürger – das wäre toll. Wir lebten ohne Sorge vor der nächsten Finanzkrise, in der das Geld der Steuerzahler wieder Banken retten soll, die sich verzockt haben.

Antwort an Ingrid Buchwieser
Philipp Kapp vor 3 Wochen

Die Schöpfung ist eine Frage – die Dynamik eine andere: Ist das Geld positiv verzinst, gar nicht oder sogar negativ? Erstere Möglichkeit ist das System des Kapitalismus, die positive Rückkopplung führt zu einem exponentiellen Prozess (Prinzip “Bombe”, letztlich Zusammenbruch und Krieg), zweites Prinzip ist als nachhaltig zu betrachten, drittes Prinzip die Freiwirtschaft, in der Geld verfällt (ca. 4% per anno sind wohl optimal) und dazu beiträgt, dass es keine Umverteilung von der Arbeit zum Besitz gibt.