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neuigkeit

Mythen oder Fakten – 10 Fragen zur E-Mobilität

Klimabilanz, Herstellung, Effizienz: E-Autos im Check

Klimabilanz, Herstellung, Effizienz: E-Autos im Check

Sind Elektrofahrzeuge wirklich umweltfreundlicher als PKW mit Verbrennungsmotor? Und ist die Elektromobilität tatsächlich die Alternative der Zukunft? Diese und mehr Fragen beantwortet Finja Seroka in unserem Gastbeitrag.

Sind Elektrofahrzeuge wirklich umweltfreundlicher als PKW mit Verbrennungsmotor? Können sie eine Verkehrswende einläuten? Und warum kommen sie bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern bisher nicht an? 

1.) Haben Elektrofahrzeuge über ihre Lebensdauer wirklich eine bessere Klimabilanz als konventionelle PKW?

Schon heute weisen Elektrofahrzeuge einen geringeren CO2-Fußabdruck auf als herkömmliche PKW. Und das auch dann, wenn die Herstellung der Fahrzeuge und des Stroms berücksichtigt werden.

Die Herstellung der Fahrzeugteile – und dabei insbesondere die der Batterie  –  ist sehr energieaufwändig. Berechnungen des Elektromobilitäts-Flottenrechner zeigen jedoch: Die Lebensdauer-Bilanz eines Elektro-Fahrzeugs, das 180.000 Kilometer gefahren ist, weist ein Drittel weniger Treibhausgasemissionen als ein vergleichbares Dieselfahrzeug auf. Und das selbst dann, wenn das Auto mit dem deutschen Strommix fährt. (Anmerkung der Redaktion: Der Strommix gibt an, aus welchen Primärenergieträgern die hierzulande verbrauchte Elektrizität stammt. Den größten Anteil hat in Deutschland nach wie vor übrigens die Braunkohle mit rund 22 Prozent. Aus erneuerbaren Energien stammten 2017 gut 33 Prozent des deutschen Stroms.)

Dabei gilt: Je höher die elektrische Fahrleistung und je kleiner das Auto, desto besser ist die Klimabilanz. Der Strommix während des Betriebs spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle.

2.) Welchen Effekt hat die Energiewende im Stromsektor auf die Klimabilanz der Elektromobilität?

Oliver Hummel, NATURSTROM-Vorstand meint: „Es ist nicht damit getan, den Antrieb zu wechseln – wenn wir nicht gleichzeitig sicherstellen können, dass die Energie aus

Finja Seroka aus dem NATURSTROM-Blog-Team.

Finja Seroka aus dem NATURSTROM-Blog-Team.

erneuerbaren Quellen kommt. Und das bedeutet einen höheren Bedarf an Erneuerbaren Energien. Ein Wagen, der mit Kohlestrom fährt, kann nicht das Ziel sein.“

Je grüner der deutsche Strommix wird, desto grüner wird auch die Bilanz von Elektroautos. Bisher kommt knapp ein Drittel des deutschen Stroms aus erneuerbaren Quellen. Wer seinen Wagen schon jetzt mit 100% Ökostrom lädt, ist deshalb auf der sicheren Seite. Das geht am privaten Hausanschluss oder an öffentlichen Ladestationen. Darüber hinaus können Fahrerinnen und Fahrer Solaranlagen auf ihrem Hausdach installieren oder sich an Energiegenossenschaften beteiligen – und so den Ausbau der Erneuerbaren Energien selbst weiter vorantreiben.

3.) Wie viel Strom benötigt die Elektromobilität der Zukunft?

Sechs Millionen Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen würden den Strombedarf lediglich um vier Prozent steigern. Bei ambitionierteren Szenarien sieht es anders aus: Ein Anteil von über 75 Prozent an batterieelektrischen Pkw auf deutschen Straßen bedeutet eine enorm höhere Stromnachfrage seitens des Verkehrssektors: nämlich eine Nachfrage von bis zu 100 Terawattstunden – 20 Prozent des heutigen gesamten Stromverbrauchs in Deutschland. Dabei sinkt der Energiebedarf des Verkehrssektors insgesamt, denn Elektromobilität weist eine höhere Energieeffizienz auf. Damit die Klimabilanz stimmt, ist es wichtig, die zusätzliche Stromnachfrage durch erneuerbare Energien zu stillen. Wichtig ist dafür, die Netzinfrastruktur und Ladestrategien ebenso mitzudenken wie weiterzuentwickeln.

4.) Für die Herstellung von Elektroautos werden zunächst zusätzliche Rohstoffe benötigt – wie sieht es mit deren Verfügbarkeit, Recycling und Substitution aus?

Steigt die Nachfrage nach Elektroautos wider Erwarten schnell an, könnte es zu einem Förderengpass kommen. Denn der Antrieb beinhaltet mehr Technologiemetalle, bspw. seltene Erden für die Motoren sowie Lithium und Kobalt für Batterien. Die Preise dieser Metalle würden steigen – knapp würden die Ressourcen jedoch mittel- bis langfristig nicht. Das zeigen Studien des Öko-Instituts. Als wichtige strategische Instrumente nennen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, das Material effizient zu nutzen, zu recyceln und die Rohstoffe ggf. auszutauschen. Das ist zum Teil sogar jetzt schon möglich!

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Beim Ressourcenabbau sieht es leider nicht besser aus als in anderen Branchen. Derzeit werden in vielen Ländern weder ökologische noch soziale Standards beim Ressourcenabbau für Elektroautos eingehalten. An dieser Stelle sieht es nicht viel besser aus als bei der Förderung fossiler Energieträger: Gewässerverunreinigungen, Dammbrüche von Schlammteichen, Luftverschmutzung, Bodenverunreinigung und Schwermetallbelastung sind nur einige Beispiele von Schäden, die an Minenstandorten entstehen. Der Abbau von Seltenen Erden kann zu gravierenden Umweltschäden führen, die sich auch auf die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter auswirkt. Dazu kommen Kinderarbeit und die Finanzierung von Konflikten.

Steigt die Nachfrage nach Elektroautos, wird auch die Nachfrage nach den Primärstoffen steigen – selbst bei einer sehr effizienten Nutzung. Verbindliche internationale Standards sind deshalb ebenso wichtig wie ihre Einhaltung zu überprüfen.

6.) Elektromobilität ist die Alternative für die Zukunft. Oder?

Nachhaltige, synthetische Kraftstoffe (Power-to-X-Kraftstoffe, zum Beispiel Wasserstoff) sind theoretisch auch eine Alternative. Allerdings fordern sie aufgrund relativ schlechter Wirkungsgrade einen stärkeren Ausbau der Erneuerbaren Energien und das globale Mengenpotential lässt sich bisher nur schwer abschätzen. Erdgas hingegen weist immer noch klimaschädliche Emissionen auf und bei Biokraftstoffen besteht eine Konkurrenz zur Ernährungssicherheit.

7.) Kann Elektromobilität die verkehrsbedingten Umweltprobleme lösen?

Elektromobilität kann einen Teil der verkehrsbedingten Umweltprobleme lösen – aber eine Blaupause ist sie nicht. „Der Technologiewechsel alleine kann nicht Lärmemissionen, Flächenverbrauch und den Bedarf von energetischen und nicht-energetischen Ressourcen verringern“, schreiben die Experten des oeko-Instituts. Eine Elektrifizierung des internationalen Luft- und Seeverkehrs ist beispielsweise nicht absehbar. Und auch die Elektromobilität verbraucht Energie.

Statt den gesamten Individualverkehr zu elektrifizieren, geht es auch darum, den Pkw-Bestand insgesamt zu verringern. Zum Beispiel durch Carsharing-Angebote, Fahrräder und den öffentlichen Nahverkehr. Weitere Ideen gibt es hier.

8.) Politisch ist E-Mobilität gewollt. Auf den Straßen ist davon jedoch bisher wenig zu sehen. Akzeptieren Nutzer die E-Mobilität überhaupt?

Bisher rollen nur rund 34.000 Elektroautos auf deutschen Straßen. Doch wer sich erstmal für ein solches Fahrzeug entschieden hat, ist meistens zufrieden: Fahrgefühl, Komfort, Sicherheit und Zuverlässigkeit seien besser als bei konventionellen Fahrzeugen. Kritisiert werden hingegen die hohen Anschaffungskosten, die geringe Modellauswahl und die mangelnde öffentliche Ladeinfrastruktur. Das sind auch drei der häufigsten Kaufhemmnisse.

Zumindest der Kostenpunkt relativiert sich bei Betrachtung der gesamten Nutzungsdauer: Denn dem höheren Anschaffungspreis steht ein günstigerer Betrieb gegenüber. Der Kaufpreis wird zudem wahrscheinlich schon bald insbesondere durch sinkende Kosten bei der Batterieproduktion fallen. Auch hinsichtlich der Ladeinfrastruktur zeichnen sich bereits Verbesserungen ab: Dies ermöglichen etwa zahlreiche Förderprogramme sowohl auf bundes- als auch auf europaweiter Ebene. Zudem haben mehrere große Autohersteller angekündigt, in eigene E-Ladesäulen zu investieren.

9.) E-Mobilität – auch eine Option für den Güterverkehr?

Auf der Schiene können Güter schon jetzt zum Großteil elektrisch transportiert werden – theoretisch sogar mit 100% Ökostrom. Im Straßenverkehr sieht das anders aus. Innovationsfreudigkeit beweisen da gerade die Lieferdienste selbst: Die Deutsche Post hat zum Beispiel einen eigenen Elektrotransporter entwickelt und setzt den Streetscooter nicht nur selbst ein, sondern verkauft ihn auch weiter.

Im Fernverkehr stößt eine Elektrifizierung hingegen an ihre Grenzen – vor allem wegen der Reichweite. Als vielversprechend gilt hier der Ansatz von Oberleitungs-LKW. Alternative Kraftstoffe wie bspw. Wasserstoff sind hier keine Lösung. Sondern nur dort, „wo die direkte Stromnutzung nicht möglich ist  – insbesondere im Luft – und  Seeverkehr“, urteilen die Experten vom oeko-Institut.

10.) Wenn der Ausbau der E-Mobilität kommt – was bedeutet das für den Automobilstandort Deutschland?

So gern sich Deutschland als Vorreiter in Sachen Klimaschutz inszeniert – beim Absatz von Elektrofahrzeugen ist der deutsche Markt selbst unter den europäischen Ländern kein Spitzenreiter. Norwegen, die Niederlande und Österreich liegen bei Neuzulassungen und dem Bestand an Elektrofahrzeugen ebenso vorne wie hinsichtlich der Förderung. Selbst Großbritannien und Frankreich liegen vor uns – und verkündeten kürzlich das Ende des Verbrennungsmotors bis 2040China hat den Ausbau der Elektromobilität sogar zur Chefsache erklärt und setzt damit auch die deutsche Automobilwirtschaft unter Druck. Das Festhalten am Status-quo ist für Deutschland deshalb auch im Hinblick der Wettbewerbsfähigkeit riskant. Bisher haben viele Automobilkonzerne die Entwicklungen verschlafen.

Der Markt für Pedelecs boomt hingegen: Inzwischen entscheiden sich 15 Prozent der Fahrradkäufer für ein E-Bike. Über drei Millionen rollen auf deutschen Straßen – und einige davon ersetzen Autos.

Text: Finja Seroka

Bild: ATLAS GREEN via magdeleine.co

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Franz Ruckes vor 3 Monaten

Die Erläuterungen und den fachlichen Inhalt des Artikels stelle ich nicht in Frage. Bezüglich der E-Mobil Zukunft denke ich jedoch, dass sie als “Ersatz” für die bisherigen Brennstoffe keine Zukunftsantwort sind. Sollte die E-Autos erschwinglicher werden, werden wir die gleichen Verhältnisse haben wie jetzt. Ausufernder Straßenbau, verstopfte Straßen in den Städten, erforderliche Abstellflächen für die Autos etc. Und auch dann stehen die meisten Autos zum größten Teil des Tages einfach da.Einen Königsweg weiß ich auch nicht. Jedoch scheint mir der Ausbau des Carshearingwesens und eine zukunftorientierte, fantasievolle Gestaltung des ÖPNV eine Lösungsrichtung zu sein.

Ulrich Meier vor 3 Monaten

Es heißt Terawatt, nicht Terrawatt.

M. Lammering vor 3 Monaten

Was ist mit der Entsorgung der Batterien? Jede Batterie gibt irgendwann den Geist auf. Und was ist bei Unfällen, die wenigsten Feuerwehren sind ausgestattet, um einen möglichen Brand an den Elektrofahrzeugen zu löschen. Zwar würde die Luft sauberer sein, aber wie Herr Ruckes schon sagt, überfüllte Straße gäbe es trotzdem. Ich denke auch, dass eher in den Nahverkehr investiert werden sollte, der dann mit sauberem Strom betrieben werden kann.

Antwort an M. Lammering
Timo Schneeweis vor 3 Monaten

Hallo Herr Lammering, die Batterie besteht aus vielen Einzelzelle, ähnlich wie ein AA-Migon-Akku. Daher ist hier ein großes Missverständnis, die Batterie wird nie den Geist aufgeben, weil die Zellen gewechselt werden. Alles andere wäre ja Wahnsinn. Sie werfen ja den Verbrennermotor auch nicht weg, weil der Tank leer ist ?! Alle Feuerwehren sind mittlerweile auf neuestem Sicherheitsstandard geschult, was den Brand von eAutos betrifft. Das Scheinbar-Problem, schon längst gelöst. Der Nahverkehr oder auch Ride-Sharing, Car-Sharing, Mitfahr-Apps oder auch Mitfahr-Bänkle sind sicher auch eine Lösung, neben elektrifiziertem Individualverkehr. Die elektrische Mischung wirds machen 😉