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neuigkeit

Nachhaltige Schwärme

Geld aus der Crowd statt von der Bank? Fair Finance Week diskutiert Schwarmfinanzierungen

Geld aus der Crowd statt von der Bank? Fair Finance Week diskutiert Schwarmfinanzierungen

Wo Banken und professionelle Investoren nicht finanzieren können oder wollen, kann die Crowd einspringen. Schwarmfinanzierungen sind stark im kommen und können gerade im sozial-ökologisch nachhaltigen Bereich einen wichtigen Beitrag leisten.

Um den Klimawandel zu begrenzen oder andere Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, der Sustainable Development Goals (SDGs), zu erreichen, braucht es immense Investitionen. Banken und professionelle Investoren reichen da nicht aus – zumal sie die Dringlichkeit mit wenigen Ausnahmen noch nicht verstanden haben. Es braucht uns alle als Investoren. Eine Möglichkeit als Impactinvestor*in tätig zu werden, sind Schwarmfinanzierungen. Jede und jeder kann einen Teil dazu beitragen, ein großes Ziel zu erreichen. Genau darum ging es am dritten Abend der Fair Finance Week 2018: „Geld aus der Crowd statt von der Bank – neue Impulse für ein nachhaltigeres Finanzwesen?“ Gäste auf der Bühne waren Jamal El Mallouki (Bundesverband Crowdfunding), Patrick Mijnals (bettervest), Dr. Alexandra Partale (place2help), Tobias Stieber (Triodos Bank).

Schwarmfinanzierungen sind nicht gleich Schwarmfinanzierungen – es gibt im Wesentlichen drei Typen davon, wie Jamal El Mallouki, der Vorsitzende des Bundesverbands Crowdfunding, klar machte: Beim Crowdfunding erhalten die Unterstützer*innen ein Dankeschön oder das fertige Produkt, in das sie investiert haben. Beispiele hierfür sind etwa Bücher, die dank der Crowd finanziert und gedruckt werden können. Beim Crowdinvesting erhalten Unterstützer*innen einen Anteil an der Wertsteigerung eines Unternehmens oder Projekts, in das sie investiert haben. Beim Crowdlending gibt es zuzüglich zur Tilgung des Kredits einen festen Zins über eine vorher vereinbarte Laufzeit. Beispiele für Letzteres sind etwa Erneuerbare-Energie-Projekte, die auf Crowd-Plattformen zur Finanzierung angeboten werden.

Das Podium auf der Fair Finance Week am dritten Abend.

„Schwarmfinanzierungen bieten uns die Möglichkeit unser ganz eigenes Nachhaltigkeitsportfolio aufzubauen“, ist Jamal El Mallouki überzeugt. Jede und jeder der wolle, könne sich genau die Projekte aussuchen, die den eigenen Überzeugungen von Nachhaltigkeit entsprechen. Aus Investorensicht hätten Schwarmfinanzierungen zudem einen großen Vorteil gegenüber vielen anderen Investments, weil sie extrem transparent seien.

Alexandra Partale ist Geschäftsführerin von place2help, einer Meta-Plattform, die verschiedene Crowdfunding-Projekte aus der Rhein-Main-Region bündelt und sich zum Ziel gesetzt hat, die gesamte Region lebenswerter und nachhaltiger zu gestalten. Sie ist überzeugt, dass die Crowd vieles abdecken kann, was klassische Investoren wie Banken nicht finanzieren. Schwarmfinanzierungen seien für viele Projekte insbesondere aus dem sozialen oder kulturellen Bereich „die einzige Chance“, sagt sie.

„Crowdfunding oder -investing ist viel mehr als nur Geld.“

Patrick Mijnals

Patrick Mijnals, Gründer und Geschäftsführer von bettervest, glaubt, dass Schwarmfinanzierungen ihr Potential noch längst nicht erschlossen haben – insbesondere im Bereich der Finanzierung der SDGs. bettervest ist die weltweit erste Plattform für Crowdinvesting, über die Bürger*innen mit Geldbeträgen ab 50 Euro in ökologisch sinnvolle Energie- und Energieeffizienz-Projekte in Deutschland sowie Schwellen- und Entwicklungsländern investieren können und im Gegenzug finanziell an den erzielten Einsparungen beteiligt werden. Seit September haben bettervest und die Triodos Bank eine Kooperation – darüber hinaus hat sich die Triodos Sustainable Finance Foundation, mit Sitz in den Niederlanden, an bettervest beteiligt.

Auch Tobias Stieber, der bei der Triodos Bank in Deutschland den Bereich Business Development verantwortet, glaubt, dass viele Projekte in der Crowd besser aufgehoben sind als bei der Bank. Aber auch Co-Finanzierungen würden immer wichtiger. Das heißt, dass sich Unternehmen zu einem Teil über die Crowd und zum anderen Teil klassisch per Bankkredit finanzieren. Für Unternehmen habe dies technisch gesehen einen großen Vorteil, da über Schwarmfinanzierungen eingeholte Mittel Eigenkapital ersetzen, sagt Tobias Stieber. Darüber hinaus sei ein weiterer großer Vorteil von Schwarmfinanzierungen, dass Menschen vor Ort gezielt in Projekte, wie beispielsweise einem neuen Windpark, eingebunden werden könnten – und so aktiv und finanziell teilhaben könnten.

Schwarmfinanzierungen haben in der deutschen Öffentlichkeit noch einen schweren Stand. Es gibt viele Vorurteile, wie beispielsweise dieses, dass nur Unternehmen, die sowieso niemals einen Kredit bei einer Bank bekommen, sich für eine Schwarmfinanzierung entscheiden. Zwar sei es für junge, kleine Unternehmen – insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent – oftmals in der Tat sehr schwer einen Kredit zu bekommen, sagt Patrick Mijnals. Doch sei dies in seiner Erfahrung nach nicht der entscheidende Grund, eine Schwarmfinanzierung zu starten. „Crowdfunding oder -investing ist viel mehr als nur Geld“, sagt der bettervest-Gründer. Auch Kommunikationsaspekte spielten eine wichtige Rolle. Oftmals sei die Aufmerksamkeit, die ein Vorhaben, Projekt oder Unternehmen über eine Schwarmfinanzierungs-Kampagne erhalte, enorm hilfreich, auch für die weitere Entwicklung. Sie sei ohne Crowd nur sehr schwer zu erreichen.


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Schwarmfinanzierungen müssen in Deutschland aus regulatorischen Gründen immer als Nachrangdarlehn angeboten werden (was die Branche übrigens sehr gerne ändern würde). Im schlimmsten Fall droht für Investor*innen bei Insolvenzen der Totalverlust. Bei bettervest beispielsweise gerieten von insgesamt 75 finanzierten Projekten fünf in wirtschaftliche Turbulenzen und gingen teils insolvent. Deshalb sollten Privatanleger*innen immer nur so viel Geld einsetzen, wie sie theoretisch verschmerzen könnten. Mehr als 10.000 Euro darf eine/ein Anleger*in so oder so nicht in ein Unternehmen per Schwarmfinanzierung investieren. Die Investments, die Privatanleger*innen durchschnittlich in Crowd-Projekte stecken, liegen zudem deutlich unter dieser Grenze.

Insgesamt wurden in Deutschland 500 Millionen Euro über Schwarmfinanzierungen eingesammelt – ein winziger Betrag im Vergleich zu klassischen Investments. Prozentual gesehen wächst der Markt seit Jahren rasant. Gerade im Bereich der sozial-ökologischen Nachhaltigkeit wäre es sehr wünschenswert, wenn viel mehr Bürger*innen künftig kleine Beträge investieren und so zu Impactinvestor*innen werden. Umwelt und Gesellschaft danken es und der Geldbeutel in vielen Fällen auch.

 

Text: Michael Rebmann

Bild: https://unsplash.com/@davideragusa

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Janneck vor 4 Tagen

Durch die Schwarmfinanzierung haben sich in der Vergangenheit schon tolle Projekte realisieren lassen. Mit der richtigen Idee, kann tatsächlich einiges erreicht werden und immer mehr finanzielle Unterstützer sind bereit Geld zu investieren (https://www.finanznachrichten.de/)