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einblick

Nicht allein auf die jungen Generationen setzen

Unser Kollege Morten Möller ist seit Januar 2014 Kundenbetreuer in der deutschen Niederlassung der Triodos Bank. Mit 22 Jahren ist er unser jüngster Mitarbeiter. Aber er arbeitet bereits seit über sechs Jahren für Nachhaltigkeitsbanken und damit deutlich länger als die meisten unserer Kolleginnen und Kollegen. Wir sprachen mit ihm über Absurditäten in der Bankenbranche und die Hoffnung in die neuen Generationen, was den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit betrifft.

„Meine Großeltern wollten, dass mein Vater Banker wird, und haben ihn nach der Schule zu einer Banklehre überredet. Die Ausbildung wollte mein Vater dann abbrechen, aber wegen meiner Großeltern hat er sie am Ende durchgezogen. Nur um danach Medizin zu studieren. Er wollte lieber Arzt statt Banker werden.

Ich bin Banker geworden. Wenn sie hören, was ich tue, reagieren viele erst einmal mit Kritik, verurteilen mich wie einen Kriminellen. Dann erkläre ich, dass ich für eine ,andere‘ Bank arbeite, eine Nachhaltigkeitsbank. Manche verstehen den Unterschied, andere immer noch nicht. Ich wollte im Gegensatz zu meinem Vater ganz freiwillig nach meinem Schulabschluss eine Ausbildung bei einer Bank machen. Mit 15 Jahren stellte ich mir einen Bürojob, die Wirtschaftswelt und den Beruf eines Bankers ,cool‘ vor. Man muss sagen, dass das 2007 war, also noch vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. Meine Mutter erzählte mir eines Tages, dass sie etwas von einer ,Ökobank‘ gelesen habe, und schlug mir vor, mich auch dort zu bewerben. Das war die GLS Bank, die ihren Sitz in Bochum hat, wo ich auch herkomme.

Ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie mich zu einer Ausbildung bei der GLS Bank hingelenkt haben. Meine Eltern sind auch privat die typischen Nachhaltigkeitsbankkunden. Sie leben sehr bewusst, gehen im Bioladen einkaufen, sind die typischen ,Lohas‘. Früher, das heißt, als ich 15 Jahre alt war, habe ich das nicht wirklich verstanden beziehungsweise mich nicht wirklich dafür interessiert. Erst durch meine Ausbildung bei der GLS Bank habe ich Nachhaltigkeit und einen nachhaltigen Lebensstil zu schätzen gelernt. Heute stehe ich total dahinter. Ich fahre kein Auto, verzichte sogar auf den Führerschein. Ich nehme lieber das Fahrrad oder nutze den öffentlichen Nahverkehr. Ich kaufe Bio-Lebensmittel – wenn auch nicht immer konsequent; eher je nachdem, was am Ende des Monats noch auf dem Konto ist.

Meine Generation, die ,Generation Y‘, wird derzeit von vielen als Hoffnungsträger gesehen, als diejenige, die den Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit vorantreiben wird. Da bin ich mir nicht so sicher.

Morten Möller, Triodos Bank Kundenbetreuung

Aber für mich ist nachhaltiges Leben nicht nur ,der doppelseitige Papierausdruck‘. Es ist auch das Interesse an Politik. Und das Bewusstsein für soziales Verhalten, dafür, dass man für Werte eintritt, Menschen in seiner Umgebung sensibilisiert. Nicht missioniert, das nicht. Aber ihnen andere Sichtweisen eröffnet und sie ihnen näherbringt.

Meine Generation, die ,Generation Y‘, wird derzeit von vielen als Hoffnungsträger gesehen, als diejenige, die den Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit vorantreiben wird. Da bin ich mir nicht so sicher. Nicht immer erlebe ich von meiner Generation wirkliche Authentizität. Vielleicht ist das aber auch irgendwie o.k. Denn derzeit ist nachhaltiger Lebensstil noch oft eine Luxusfrage. Ökokleidung, Bio-Lebensmittel sind in der Regel teurer als herkömmliche Vergleichsprodukte. Aber müsste es nicht eigentlich selbstverständlich sein, dass sie KEIN Luxus sind? Ich meine: Hier ist die heutige Politik gefragt. Sie muss die Rahmenbedingungen schaffen, damit mehr nachhaltiges Angebot da ist, und das zu bezahlbaren Preisen.

Grundsätzlich finde ich, die ,älteren Generationen‘ sollten es sich nicht zu einfach machen. Was ist das für eine Einstellung, was sind das für Vorbilder, die nach dem Motto leben: ,Wir haben es verbockt, wir sind nicht mehr lernfähig, jetzt braucht es die nächsten Generationen, die machen es dann besser, die werden den Kulturwandel herbeiführen‘? Ich kann nur sagen: Bitte wartet nicht, handelt jetzt, zeigt jetzt Wertebewusstsein.

Letztens lief der Film ,Der Banker‘ im Fernsehen. Als Zuschauer ist man entsetzt. Aber machen wir uns nichts vor. Was dort gezeigt wurde, das ist der Normalfall in der heutigen Bankenbranche. Nachhaltigkeitsbanken sind immer noch die ,Exoten‘ – manch einer in der Branche sagt auch abfällig ,die Spinner‘. Das ist doch absurd. Nicht jede Bank muss unbedingt ausschließlich Biobauern und Erneuerbare Energien finanzieren, aber sie sollte ihr Kerngeschäft in der Finanzierung der Realwirtschaft haben. Das ist der ursprüngliche Auftrag der Banken.

Ich wünsche den Nachhaltigkeitsbanken, dass sie weiterhin stabil wachsen und dass sie immer bekannter werden. Um mehr nachhaltige Unternehmen und Projekte finanzieren zu können, aber auch um in der Bankenwelt aus der Ecke der Exoten herauszukommen. Die Werte, die Nachhaltigkeitsbanken leben, sind sehr etabliert und alt – wie Ehrlichkeit und Transparenz. Exoten und Spinner sollten doch die Banken sein, die diese etablierten gesellschaftlichen Werte nicht leben, oder?“ sj

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