Um unsere Website für Sie weiter zu verbessern, benutzen wir Cookies. Durch Nutzung der Seite stimmen Sie unserer Cookie-Richtlinie zu. Mehr über Cookies.

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close

neuigkeit

Quartiermeister – nachhaltige Attacke auf die Brauerei-Giganten

Berliner Unternehmen mischt die Bierbranche auf

Berliner Unternehmen mischt die Bierbranche auf

Der Triodos-Bank-Kunde Quartiermeister bietet nicht nur ein leckeres Bier an, sondern steht gleichzeitig für eine neue Art Unternehmen: regional, sozial und nachhaltig. Mit dieser Mixtur setzen die Berliner ein Zeichen gegen die globalen Brauerei-Giganten.

Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert, schrieb Karl Marx vor 200 Jahren. Bis heute sind viele Unternehmen und Konzerne ihren Aktionären und Teilhabern verpflichtet und nicht der Gesellschaft. Unternehmen und die Menschen vor Ort haben sich entfremdet. Im Extremen zeigt sich dieser Zusammenhang bei globalen Konzernen, die nicht einmal mehr dort Steuern zahlen, wo die Gewinne anfallen.

Ein Paradebeispiel für diese Art der Globalisierung ist die Bierbranche: Jedes dritte Bier, das weltweit getrunken wird, gehört zu einem Großkonzern. Doch es regt sich Widerstand, zum Beispiel in Berlin. Dort ist der Triodos-Bank-Kunde Quartiermeister angetreten, diesen hoch konzentrierten Markt zumindest ein bisschen aufzumischen. „Quartiermeister ist unser Modellentwurf für ein Unternehmen des 21. Jahrhunderts“, sagt David Griedelbach, einer von zwei Geschäftsführern. Sein Unternehmen ist der Gegenentwurf zu den Bier-Großkonzernen: regional, sozial und nachhaltig.

Peter (links) und David, die beiden Quartiermeister-Geschäftsführer.

Prost: Peter (links) und David, die beiden Quartiermeister-Geschäftsführer.

Quartiermeister ist ein Social Business. Es besteht aus einem Unternehmen und einem Verein. Der Gewinn, den das Unternehmen erzielt, fließt nicht in private Taschen oder an Investoren, sondern kommt der Gesellschaft, konkret den Menschen vor Ort zugute. Über 100.000 Euro gingen so bislang an regionale Projekte, wie beispielsweise Nachbarschafts- oder Bildungsinitiativen.

Die Mitglieder des Quartiermeister-Vereins, dem jede und jeder beitreten können, suchen geeignete Projekte zur Förderung aus. Auf der Website des Unternehmens wiederum kann dann öffentlich abgestimmt werden, welche Initiativen einen Teil des Quartiermeister-Gewinns bekommen.

“Wir wollen als Beispiel für gutes, nachhaltiges Unternehmertum gelten.”

David Griedelbach

Regionalität spiegelt sich bei Quartiermeister nicht nur in der Art und Weise wider, mit der das Unternehmen soziale Projekte und Initiativen fördert – die ganze Art des Wirtschaftens ist auf die Region abgestellt: „Wir versuchen mit unserem Handeln eine sehr regionale Wertschöpfung zu entwickeln“, sagt David. Quartiermeister arbeitet mit regionalen Zutaten, Zulieferern und Brauereien, so dass die Wirtschaft vor Ort gestärkt wird.

Mehr zum Thema Stärkung der regionalen Wirtschaft mit Regionalwährungen

Darüber hinaus unterscheidet sich das Unternehmen in einem weiteren Punkt von vielen anderen: Die Berliner mischen sich ein, sind politisch. „Wir wollen als Beispiel für gutes, nachhaltiges Unternehmertum gelten und Menschen zu ähnlichen Unternehmungen inspirieren, um langfristig die Wirtschaft zu transformieren“, sagt David. Ein Beispiel für die politische Einmischung, das bereits hohe Wellen in Deutschland geschlagen hat, ist die Quartiermeister*in-Kampagne.  Um ein Zeichen gegen Sexismus in der (Bier-)Werbung zu setzen, ist auf den Etiketten der Bierflaschen nicht nur ein Quartiermeister, sondern auch eine Quartiermeisterin zu sehen.

David und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind sich durchaus bewusst, dass Bier ein umstrittenes Produkt ist und dass die Verbindung von Alkohol und Sozialem nicht ohne Widersprüche ist. „Wir schließen mit Bier Menschen aus, Menschen die kein Bier trinken. Schwangere Frauen, Kinder, Muslime. Das passt eigentlich nicht zu unserem inklusiven, partizipativen Modell“, erklärt David. Außerdem sei es nicht das Anliegen von Quartiermeister, dass Menschen mehr Alkohol konsumierten. Das Ziel sei vielmehr, eine gute Alternative zu bestehenden Bieren zu bieten. Das Konzept hinter Quartiermeister sei außerdem auf fast jedes Konsumprodukt anwendbar. „Bier ist kein Muss“, sagt David. Künftig könne Quartiermeister auch ein ganz anders Produkt sein.

Eine andere Komponente erhält das Bier –  wenn alles glatt läuft – schon bald: Derzeit läuft ein Crowdfunding, das unter anderem zum Ziel hat, ein alkoholfreies Quartiermeister zu entwickeln. Sollte das Crowdfunding erfolgreich sein, wäre niemand mehr vom Quartiermeistertrinken ausgeschlossen, außer denjenigen, die den Geschmack von Bier partout nicht mögen. Aber es muss ja nicht beim Bier bleiben.

 

Bilder: Quartiermeister

Text: Michael Rebmann

Was denken Sie über "Quartiermeister – nachhaltige Attacke auf die Brauerei-Giganten"?

Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte tragen Sie Ihren Namen ein

Philipp Kapp vor 2 Monaten

Nett, aber doch etwas spinnert diese Argumentation, dass man jemanden durch seine Produkte ausschließt… Es sind doch die Menschen, die sich für etwas NICHT entscheiden. Sonst könnte man ja nur noch Wasser verkaufen und hätte vielleicht doch noch einen dabei, der dann selbst stilles Wasser nicht will, sondern nur Sprudel. Wie wäre es, wenn es Menschen gäbe, die dieses verzinste Schuldgeld nicht mehr haben wollen? Das wäre doch mal etwas neues, ein neues Geld, ohne Zins, ohne Schuld… !