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einblick

Urlaub in Grün

Wie viel „Bio“ steckt in BIO HOTELS und wie „grün“ sind Certified Green Hotels? Umweltsiegel gibt es inzwischen auch für Hotels. Wir bieten eine kurze Orientierung über das, was drinsteckt in dem, was draufsteht.

Was wäre, wenn wir auf nachhaltige Weise Urlaub machen würden? Der Tourismus zählt weltweit zu den größten Wirtschaftszweigen. Eine Milliarde Menschen reisten 2012 laut der Welttourismusorganisation (UNWTO) als Touristen durch die Welt – so viele wie nie zuvor. Und weitere fünf bis sechs Milliarden Menschen waren in ihrem eigenen Land als Reisende unterwegs. Man stelle sich vor, wie viele Ressourcen eingespart werden könnten und wie sehr sich unsere CO₂-Bilanz verbessern würde, wenn die Mehrheit der Reisenden auch nachhaltige Kriterien bei ihrer Urlaubswahl berücksichtigte.

Die Deutschen lieben es nachhaltig

Ganze 40 Prozent der Deutschen wollen laut einer aktuellen Studie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen umweltfreundlich Urlaub machen. Doch was heißt eigentlich „nachhaltig“ im Tourismus? Der Begriff ist nicht geschützt. Eine allgemeingültige Definition ─ wie etwa bei Bio-Lebensmitteln ─ gibt es beim Thema Reisen bislang nicht; stattdessen höchst unterschiedliche, mehr oder weniger grüne Konzepte. Wir haben uns einige der gängigen Labels und Zertifizierungen, die es mittlerweile in der Tourismusbranche gibt, einmal genauer angeschaut und stellen sie hier vor.

logo_emas_1Erste Schritte mit Empfehlungscharakter

Bereits 1993 entwickelte die Europäische Gemeinschaft das Eco Management and Audit Scheme (EMAS), um damit das Bewusstsein für vorhandene Umweltvorschriften zu verbessern. Dabei verpflichten sich Unternehmen freiwillig, ihr Umweltengagement offenzulegen und weiterzuentwickeln. Im Fokus steht das umweltbewusste Handeln von Mitarbeitern, das durch fortlaufende Schulungen verbessert werden soll. Sogenannte Umweltgutachter stehen den Betrieben dabei beratend zur Seite. In Europa sind knapp 100 Hotels EMAS-zertifiziert, die meisten davon in Deutschland, Italien und Spanien.

logo_gg_1Weltweites Siegel mit Kontrollen

Als erster weltweit tätiger Zertifizierer für die Reise- und Tourismusbranche hat sich Green Globe mit Sitz in England etabliert. Über 300 Betriebe weltweit tragen das Green-Globe-Label. Der Bewertungsmaßstab enthält zu 70 Prozent ökologische Kriterien (Energie-, Wasser- und Abfallmanagement), zu 30 Prozent werden soziokulturelle Aspekte wie fairer Handel und Löhne bewertet. Insgesamt werden 125 Einzelaspekte online bei den Betrieben abgefragt; wer das Zertifikat erhalten will, muss mindestens 51 Prozent der Kriterien erfüllen. Alle zwei Jahre gibt es eine Vor-Ort-Kontrolle.

logo_viabobo_1Kompromisse da, wo sie nötig sind

Unter der Dachmarke Viabono haben sich 2002 über 20 deutsche Tourismusverbände und Unterstützer zusammengetan. „Ökologie und Ökonomie passen sehr wohl zueinander und ergänzen sich nicht selten sogar hervorragend!“, heißt es in den Leitlinien. Das schließt ein, dass auch Kompromisse nötig sind. Die Viabono-Konzepte sind laut Eigenwerbung durch „Praxisorientierung und Pragmatismus“ gekennzeichnet. Konkret prüft der Verein Betriebe auf ihre Umweltverträglichkeit in vier Bereichen: Lebensmittel, Wasser, Abfall sowie Energie und Klima. Anhand von Basisdaten wie Zimmerzahl und Größe, Ausstattungsmerkmalen wie einem Wellnessbereich oder der Zahl der Tagungsräume sowie dem Verbrauch von Ressourcen wie Energie und Wasser berechnen die Zertifizierer eine Kennzahl. Um eine Viabono-Zertifizierung zu erhalten, muss der Betrieb 30 Prozent besser sein als der Durchschnitt.

logo_CGH_1Klima-Hotels punkten mit guter Emissionsbilanz

Während ein Hotel vielleicht auf Bio-Lebensmittel und Fotovoltaikanlage setzt und damit seine Bonuspunkte holt, steht bei einem anderen Haus die ökologische Bauweise mit geringem Ressourcenverbrauch nebst naturnaher Lage im Vordergrund – beides kann bei entsprechender Konsequenz zu ausreichenden Zertifizierungspunkten führen. Manche Betriebe werben auch nur für ihr Engagement in Sachen CO₂-Bilanz. Als Klima-Hotels zeichnet zum Beispiel Viabono Betriebe mit besonders guter Emissionsbilanz aus. Einziger Haken: Als Basis für die Klassifizierung dient ausschließlich die Selbstauskunft der Tourismusbetriebe, eine regelmäßige Kontrolle vor Ort findet nicht statt.

Recht ähnlich funktioniert das System bei den Certified Green Hotels, nach deren Standards rund 60 Betriebe in der Schweiz und Deutschland zertifiziert sind – dazu gehört auch das erste Hotelprojekt, das die deutsche Niederlassung der Triodos Bank finanziert: das Landgut Stober im Brandenburger Havelland.

logo_biohotel_1Die BIO HOTELS: 100 Prozent Bio

Deutlich strenger ist der Verein der BIO HOTELS, die 2001 mit einer Handvoll Betrieben begonnen haben und mittlerweile an die 100 Mitglieder in acht europäischen Ländern zählen. Um in dem Verein überhaupt Mitglied werden zu können, muss sich ein Betrieb zu einer vollständigen Umstellung auf biologisch zertifizierte Lebensmittel verpflichten. Das gilt auch für die Getränke. Pro Betrieb sind lediglich drei Ausnahmen erlaubt. Der Einsatz von kontrollierter Naturkosmetik ist ebenso verbindlich vorgeschrieben. Die Einhaltung der Richtlinien von BIO HOTELS wird streng überwacht: Jeder Mitgliedsbetrieb bekommt mindestens einmal jährlich Besuch von einem Kontrolleur, darüber hinaus gibt es noch unangemeldete Kontrollen. Verstöße führen zum Ausschluss aus dem Verein.

logo_ehc_1Da Nachhaltigkeit nicht in der Küche aufhört, schauen die BIO HOTELS auch beim Ressourcenmanagement und -verbrauch ganz genau hin: Alle Mitglieder müssen zusätzlich die Vorgaben des ehc-Labels (eco hotels certified) erfüllen, das einen CO₂-Ausstoß von unter 40 Kilogramm pro Gast und Nacht vorschreibt. Zudem müssen Mindeststandards, wie der Bezug von Ökostrom, die Verwendung von Recyclingpapier oder die Bevorzugung von regionalen Produkten, eingehalten werden. Auch die Angaben, die die Hotels für die ehc-Zertifizierung über ihren Energieverbrauch machen, sind Bestandteil der jährlichen Vor-Ort-Kontrollen. hm/sr

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Hotels ohne WLAN vor 5 Jahren

Der Trend zu Ökologie und Nachhaltigkeit im Hotel- und Gastgewerbe ist generell natürlich begrüßenswert, jedoch nehmen einige Betriebe – berechtigterweise – schon wieder Abstand vom den entsprechenden Labels; insbesondere dem der “Biohotels”. Für Marketingzwecke sind diese Labels sicher brauchbar, aber für Gäste, die auf allen Ebenen Wert auf Gesundheit legen, nicht wirklich zuverlässig. Während der Recherche zu unserem Online-Verzeichnis mit Unterkünften ohne WLAN in den Gästezimmern (www.hotels-ohne-wlan.com) sind wir z.B. auch den Katalog der “Biohotels” durchgegangen und haben mit Verwunderung festgestellt, dass selbst ein Drittel der darin als “elektrosmogreduziert” gelisteten Häuser WLAN auf den Zimmern hat; eines davon paradoxerweise “mit Abschirmung und Netzfreischaltung” auf den Zimmern. Dass die Mobilfunktechnik Auswirkungen auf den menschlichen Organismus hat, ist mittlerweile erwiesen und elektrosensible Menschen können ein Lied von den Symptomen singen. Der Zusatz “Bio-” ist also im Fall dieser Hotels etwas fehl am Platz. Für einen ressourcenschonenden Betrieb wäre “Öko-” passender und ausreichend. Die Betriebe, die von dem entsprechenden Label Abstand nehmen, da sie ein ganzheitlich gesundes Konzept anbieten, das weit über den Standard des “Biohotel”-Verbandes hinausgeht, nennen sich selbst z.B. “Naturhotel” oder “Biorefugium” und haben dank ihrer Konsequenz auch ohne Label Erfolg.

michael Stober vor 5 Jahren

Kurze Anmerkung zur Zertifizierung nach VDR: “green certified hotel”. Es sind aktuell mehr als hundert Hotels, die dort geprüft wurden und alle Häuser werden alle zwei Jahre nachgeprüft. Diese Prüfung erfolgt immer durch einen ausgebildeten Prüfer des VDR. Dazwischen erfolgen Blindtestungen. Das kommt in Ihrem bericht ncht so rüber.
Bei den Nachprüfungen wird das Hotel aktiv beraten, welche nächsten Schritte noch möglich wären.
Das ist ebenfalls wichtig, denn Nachhaltigkeit ist kein Zustand, sondern ein Prozess.
Ich glaube, dass man als nachhaltig denkender Hotelier eine Gratwanderung vor sich hat: Was mache ich noch und was (noch) nicht oder auch was mache ich nicht mehr.
In Schönheit sterben bringt natürlich auch nichts, aber es ist oft viel mehr möglich als man denkt. Es ist also ein Bewusstseinsprozeß und der Grad der Umsetzung spiegelt halt dann den jeweiligen Bewusstseinszustand wider.
Der wichtigste Aspekt der Nachhaltigkeit aber, der wird noch viel zu oft vernachlässigt: Die ökonomische Seite der Nachhaltigkeit. Sie rechnet sich nämlich: nicht gleich vorne, aber mittel- und langfristig. Man braucht dann nur den richtigen Partner auf der Seite, der sich dessen auch bewußt ist und den Weg mitgeht.
Michael Stober, Landgut A.Borsig