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einblick

Von der linearen Wirtschaft in die Kreislaufwirtschaft

Die neue Mondlandung der Menschheit

Die neue Mondlandung der Menschheit

Das lineare Wirtschaftssystem ist am Ende. Irgendwie müssen wir die Transformation in eine Kreislaufwirtschaft schaffen. Unmöglich? Nein, es gibt mindestens zwei Wege – und zwar diese. Die neue Kolumne von Hans Stegeman.

Kreislaufwirtschaft ist für viele Unternehmen ein wichtiges Ziel. Zumindest kann man das in vielen Unternehmensberichten nachlesen. Die Kreislaufwirtschaft ist auch in politischen Kreisen ein heißes Thema. Europa, China, Japan: Sie alle haben politische Vorschläge für eine Transformation der heimischen Wirtschaft in ein Kreislaufmodell.

In Kreisläufen zu denken, ist für viele gleichbedeutend damit, nachhaltig zu sein. Der englische Begriff „circularity“, für den es leider keine gute deutsche Übersetzung gibt, hat für manche mit Ressourcenschonung und Recycling zu tun. Für andere bedeutet er eine völlig neue Art des Wirtschaftens, mit anderen Grundlagen und anderen Regeln.

 


Geld clever anlegen und dabei der Nachhaltigkeit ordentlich auf die Sprünge helfen – für uns gehört das seit jeher zusammen.


 

Und ja, der Begriff der „circularity“ ist sehr weit gefasst, und die Kreislaufwirtschaft umfasst viel. Aber “viel” kann zu viel sein, zu komplex, was das Konzept zu vage und zu ehrgeizig macht. Tatsächlich müssen wir nach mehreren Jahren intensiver Diskussionen, Experimenten und politischen Ideen ehrlich sein. Der jüngste Bericht der Circle Economy zeigt, dass unsere globale Wirtschaft linearer wird, das Denken in Kreisläufen wird weniger: Wir verwenden immer mehr Ressourcen für unsere wirtschaftlichen Aktivitäten statt weniger.

Wir müssen den nächsten Schritt machen. Wir sollten in unserem Bestreben, eine Wirtschaft innerhalb der Grenzen unseres Ökosystems zu schaffen, kühn bleiben, aber wir müssen pragmatischer werden, wie wir dies erreichen können – Schritt für Schritt vorgehen, nicht stehenbleiben.

 

Ein kühnes Ziel

Hans Stegeman leitet seit 2017 die Forschungs- und Strategie-Abteilung bei Triodos Investment Management.
Zuvor hatte er neun Jahre bei der Rabobank verschiedene Research-Positionen inne, wo er zuletzt auch Chefökonom war.

Mutige Ideen für die Zukunft werden oft als Moonshots bezeichnet, Herausforderungen, die einen erheblichen Aufwand an Zeit und Geld sowie kreatives Denken und innovative Technologie erfordern. Dieses Wort stammt aus den sechziger Jahren, als die kühne Idee, einen Menschen auf den Mond zu bringen, entstand. Damals schien es unmöglich zu sein, und doch haben wir genau das getan.

Die Kreislaufwirtschaft ist einer unserer heutigen Moonshots. Doch im Gegensatz zur Mondlandung ist dies ein Ziel, das wir unbedingt erreichen müssen, wenn wir Herausforderungen wie den Klimawandel lösen wollen. Fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energien und primäre Ressourcen durch sekundäre Ressourcen zu ersetzen. Der Versuch, Abfall zu minimieren und mit dem Materialeinsatz effizienter zu werden. Produkte so lange wie möglich zu nutzen, indem wir sie für die Reparatur, die Aufarbeitung und die Schaffung von Gebrauchtmärkten und gemeinsamen Plattformen entwickeln. Das ist die Idee und es gibt Beweise dafür, dass dies möglich ist. Wenn wir eine ressourcenschonende Wirtschaft schaffen können, werden wir unseren Kohlenstoff-Fußabdruck reduzieren.

Experimente der letzten Jahre haben gezeigt, dass eine Kreislaufwirtschaft möglich ist. Zumindest in kleinem Maßstab, für einige kleine und mittlere Unternehmen und für einige Aktivitäten größerer Unternehmen. Um dieses kühne Ziel zu erreichen, brauchen wir jedoch mehr als nur Experimente. Wir brauchen auch Regierungen, die eingreifen, und Unternehmen, die die Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt ihres Geschäftsmodells stellen.

 


Die Kreislaufwirtschaft ist auch eines der sieben Transformationsziele von Triodos Investment Management


 

Zwei Wege

Es gibt (mindestens) zwei Wege, die beschritten werden müssen: erstens einen Weg – mehr auf der Makroebene – in Richtung einer Wirtschaft, die das Kreislaufgeschäft erleichtert. Zweitens, ein Weg – mehr auf der Mikroebene – um den Unternehmen zu helfen, die Zirkularität zu ihrem Kern zu bringen.

Der erste Weg betrifft weitgehend die Politik und die Politikgestaltung. Die Bepreisung der Externalitäten der Ressourcennutzung, zum Beispiel die Verschmutzung durch Kohlenstoffemissionen oder Abfälle, hilft, sich der Ressourcennutzung bewusster zu werden und auf erneuerbare Ressourcen umzustellen. Solche Interventionen helfen Unternehmen mit Kreislaufmodellen, mit linear wirtschaftenden Unternehmen zu konkurrieren. Auch das Bewusstsein der Verbraucher für die Auswirkungen ihres Verhaltens (z.B. Kauf von zu vielen Kleidungsstücken oder eines neuen Smartphones alle zwei Jahre) und die Transparenz des materiellen Fußabdrucks von Produkten können in dieser Hinsicht hilfreich sein.

Der zweite Weg betrifft Unternehmen und Geldgeber. Bei diesem Weg geht es darum, die Unternehmen dazu anzuregen, mehr in Kreisläufen zu denken. Wie das geht? Indem Investoren sie konkret danach fragen. Beispielsweise so:

  1. Wie sieht der eigene materielle Fußabdruck im Vergleich zu den Wettbewerbern aus?
  2. Bezieht ein Unternehmen erneuerbare/sekundäre Ressourcen anstelle von fossilen/primären Ressourcen?
  3. Übernimmt das Unternehmen bei der Beschaffung von Ressourcen Verantwortung?
  4. Wendet es kreislaufwirtschaftliche Prinzipien bei der Gestaltung seiner Produkte oder in seinem Geschäftsmodell an?
  5. Sind Kreislauf-Materialien oder Produkte ein Ersatz für konventionelle Ressourcen und Produkte?
  6. Übernimmt ein Unternehmen die Verantwortung für seine Produkte nach dem Verkauf, die von Product-as-a-Service-Modellen bis hin zu verlängerten Garantiezeiten, kostenlosen Reparaturdiensten oder Rücknahmesystemen reicht?
  7. Verfügt ein Unternehmen über eine Strategie, die darauf abzielt, sein Geschäftsmodell besser in Kreisläufen zu gestalten?

Wir sollten nicht erwarten, dass jedes Unternehmen in der Lage ist, solche Fragen zu beantworten – geschweige denn positiv. Schließlich leben wir immer noch in einer linearen Wirtschaft. Wenn diese Fragen gestellt werden, werden die Unternehmen jedoch dazu veranlasst, über kreislaufwirtschaftliche Modelle nachzudenken.

Noch mag die Kreislaufwirtschaft wie eine Mondlandung 1950 anmuten – aber die Menschen waren schneller auf dem Mond, als gedacht.

Text: Hans Stegeman

Bild: unsplash

 

Mehr zum Thema: Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft

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Petra und Wolfgang Brock vor 7 Monaten

Guten Tag,
wir finden eine Kreislaufwirtschaft sehr gut, wenn sie richtig angepackt wird.
Wir haben ein sehr gutes Beispiel, wie es richtig gemacht werden könnte, bzw. auch schon seit einigen Jahren von verschiedenen Firmen sehr effektiv gemacht wird.
Vielleicht kennen Sie es ja auch schon:
Es ist das Prinzip “Cradle to Cradle”, das seit vielen Jahren von Prof. Michael Braungart und William McDonough
entwickelt wird und von vielen Firmen auf der ganzen Welt schon umgesetzt wurde. In Deutschland können Firmen sich z.B. vom Institut EPEA Hamburg beraten lassen.
Cradle to Cradle, Wiege zur Wiege, ist der Kreislauf, wo aus sauberen Ausgangsstoffen Produkte hergestellt werden, aus denen wiederum, nach dem sie verbraucht sind, neue Produkte entstehen oder diese kompostierbar sind und vollständig in den Kreislauf der Natur zurück gehen. Das heisst, kein Müll und keine Abfälle mehr.

Corona – Über was wir jetzt nachdenken können vor 6 Monaten

[…] Klimakrise erst recht nicht. Statt linearem Wachstumsstreben, könnte jetzt der Zeitpunkt für den Umbau des Systems in eine Kreislaufwirtschaft sein. Sie ist definitiv nachhaltiger und sehr wahrscheinlich auch […]

christine vor 6 Monaten

Die Fragen der Investoren an Unternehmen erinnern mich an meinen Umstieg auf vegane Ernährung: Vor 5 Jahren noch bekam ich in keinem Freiburger Restaurant ein veganes Gericht à la carte – heute kann ich in nahezu jedem Restaurant offiziell vegane Gerichte bestellen. Erstaunlich schnell ging es in Cafés etc. Gefühlt gab es nach 3- 5 Mal fragen nach Milchalternativen dann auch Hafermilch zum Kaffee. Naja, ein Beispiel, das natürlich vielfach Analogien finden kann und zeigt, dass es zumindest funktionieren kann. Ich bin dankbar für alle menschlich und auch über sich hinausdenkenden “Banker”, Kunden, Unternehmen. Möge auf diesem Sektor umfassend Heilung geschehen z.B. durch Kreislaufsysteme.

Wirtschaftliche Resilienz in Zeiten von Corona vor 6 Monaten

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