Um unsere Website für Sie weiter zu verbessern, benutzen wir Cookies. Durch Nutzung der Seite stimmen Sie unserer Cookie-Richtlinie zu. Mehr über Cookies.

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close

neuigkeit

Wie die Kulturland-Genossenschaft Biobauern eine Zukunft gibt

Eine gemeinschaftliche Antwort auf rasant steigende Bodenpreise

Eine gemeinschaftliche Antwort auf rasant steigende Bodenpreise

Seit der Finanzkrise 2007 haben sich die Bodenpreise in Deutschland durchschnittlich um 142 Prozent erhöht. Durch ihre schonende und nachhaltige Art der Bewirtschaftung können sich vor allem Biobauern Land kaum mehr leisten. Die Kulturland-Genossenschaft stemmt sich gegen diese Entwicklung.

Der Markt für biologisch erzeugte Lebensmittel wächst in Deutschland seit Jahren stark – auch weil viele Produkte in den Supermarktregalen aus dem Ausland importiert werden. Im Schatten dieser Entwicklung kämpfen Biobauern in Deutschland allerdings seit einiger Zeit mit gewaltigen Problemen: Die Bodenpreise steigen und steigen. In den alten Bundesländern kletterten sie seit Beginn der Weltfinanzkrise 2007 um 98%, in den neuen Ländern um 234%, im Bundesdurchschnitt um 142%.

Laut Titus Bahner, Vorstand der Kulturland-Genossenschaft, ist die drastische Preisentwicklung für Ackerland vor allem ein Ergebnis spekulativer Geldanlage: Boden sei seit der Finanzkrise in den Fokus von Investoren geraten, die auf Äcker, Grünland und Wald als sicheren Hafen für ihre Geldanlage setzten. Auf der anderen Seite würden Erben von aufgegebenen Höfen die Ländereien ihrer Vorfahren heute schneller verkaufen. „Die Enkelgeneration hat nicht mehr den Bezug zu dem Land, den die Eltern noch hatten. Viele der Erben wohnen heute in den Städten und stellen finanzielle Aspekte in den Vordergrund“, sagt der studierte Landwirt und promovierte Wirtschaftswissenschaftler.

Mehr zur Spekulation mit Ackerland und den Verflechtungen der Finanzwirtschaft

Titus Bahner ist Vorstand der Kulturland-Genossenschaft.

Titus Bahner ist Vorstand der Kulturland-Genossenschaft.

Diese Entwicklung macht laut Bahner vor allem den Biobauern zu schaffen. Viele von ihnen könnten sich die gestiegenen Pachten schlichtweg nicht leisten, geschweige denn Land kaufen. Der Grund dafür: Biobauern erwirtschaften durch ihre schonende und nachhaltige Art des Ackerbaus deutlich niedrigere Erträge pro Hektar als intensive konventionelle Betriebe mit Biogas oder Massentierhaltung.

Die Kulturland-Genossenschaft, die 2013 gegründet wurde, tritt dieser Entwicklung entgegen und organisiert eine „neue Allmende“. Allmende ist ein fast vergessenes Konzept der Landbewirtschaftung, das bis ins 19. Jahrhundert gang und gäbe war und dann mit der Privatisierung von Land und Boden verschwand. Allmende bezeichnet die ehemals gemeinschaftliche Organisation und Bewirtschaftung der Viehweiden und teilweise auch der Ackerflächen durch eine Dorfgemeinschaft.

„Die Enkelgeneration hat nicht mehr den Bezug zu dem Land, den die Eltern noch hatten.”

Titus Bahner

Die Kulturland-Genossenschaft greift die Idee der Allmende auf und übersetzt sie in die heutige Zeit: „Mit Hilfe von Geschäftsanteilen und Darlehen unserer Mitglieder kaufen wir landwirtschaftliche Flächen und verpachten sie an regional eingebundene Biobetriebe“, erklärt Bahner. Für einen Gegenwert von durchschnittlich 6.500 € in den westlichen Bundesländern (13 Genossenschaftsanteile – im Osten derzeit noch weniger) können Interessierte Eigentümer von 2.000 Quadratmeter Land werden. Warum 2000 Quadratmeter? Weil für die Ernährung einer Bürgerin und eines Bürgers in Deutschland im Schnitt diese Fläche anfällt.

Ein grundlegender Unterschied der neuen „Allmende 2.0“ im Vergleich zur historischen, ortsgebundenen Allmende sei, dass sich die Mitglieder heute aus freier Entscheidung zusammenfinden. Unter dem Motto „Dein Land für morgen!“ können sie über die Genossenschaft individuelle Verantwortung für Land in ihrer Region übernehmen und dafür sorgen, dass es ökologisch-sozial bewirtschaftet wird. Wer möchte, kann sich auch am Hofleben beteiligen.

Finanzielle Rendite können Kulturland-Genossinnen und Genossen nicht erwarten, wohl aber Sicherheit und Flexibilität ihrer (immer kündbaren) Beteiligung. „Der Ertrag liegt in der Zukunft, bei unseren Kindern, bei selten gewordenen Tieren und Pflanzen“, heißt es in der Selbstbeschreibung der Genossenschaft. Kann es einen besseren Ertrag geben?

Die Kulturland-Genossenschaft ist Kunde der Triodos Bank.

Text: Michael Rebmann

Bilder: Porträt: Titus Bahner, Titelbild:SONJA LANGFORD

Die erste Kreditkarte, die nachwächst - GrünCardPlus

Was denken Sie über "Wie die Kulturland-Genossenschaft Biobauern eine Zukunft gibt"?

Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte tragen Sie Ihren Namen ein

Kilian Rüfer vor 8 Monaten

Super sinnvolle und unterstützenswerte Idee! Jedoch ist die Flexibilität doch geringer, als es zunächst erscheint: http://kulturland-eg.de/genossenschaftsanteile