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interview

„Alles, was man nicht selbst besitzt, spart Geld und entlastet den Geist und die Seele“

Wie Janine Steeger die Nachhaltigkeit voranbringen möchte

Wie Janine Steeger die Nachhaltigkeit voranbringen möchte

Janine Steeger war eines der bekanntesten Gesichter von RTL. Sie kündigte ihren Job, um sich der Nachhaltigkeit zu widmen. Heute nennt sie sich Green Janine und ist eine wichtige Stimme in der deutschen Nachhaltigkeitsszene. Wir haben mit ihr gesprochen.

Janine Steeger war RTL-Moderatorin. Irgendwann hatte sie genug von ihrem Job und kündigte. Heute nennt sie sich Green Janine und ist eine wichtige Stimme in der deutschen Nachhaltigkeitsszene. Wir haben mit ihr gesprochen.

Janine, du warst eines der bekanntesten Gesichter von RTL und hast deinen Job gekündigt, um dich der Nachhaltigkeit zu widmen. Wie kam es dazu?

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt das große Bedürfnis etwas Sinnvolles zu tun in meinem Leben. In meinen Augen wäre das Sinnvollste gewesen die wichtigen Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit leicht verpackt dem RTL Publikum anzubieten, um auf diesem Weg viele Menschen zu erreichen. Leider fand die Idee keinen Anklang bei den Entscheidungsträgern. Also habe ich die Konsequenz gezogen und gekündigt.

Eine der Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit siehst du darin, den „Green Lifestyle“ massentauglich zu machen. Was braucht es dafür?

Es braucht Spaß, Unterhaltung, spielerische Wissensvermittlung. Die Menschen müssen Blut lecken und Lust bekommen am Green Lifestyle. Das Beste wäre, wenn sie erst mal gar nicht merken, dass es um Umweltschutz geht.
Was die Menschen zum Thema Nachhaltigkeit kennen, sind schlimme Fakten, regelrechte Horrorszenarien, den erhobenen Zeigefinger. Aber reicht es nicht, wenn die Experten und Menschen wie ich die Fakten im Detail kennen und dadurch große Sorgenfalten bekommen? Alle anderen wollen endlich mal wieder etwas Positives hören, sehen oder lesen.

Triodos Bank Girokonto

Das nachhaltige Girokonto der Triodos Bank

Du hast kürzlich die Herausgeberschaft für das Online-Portal „ecowoman“ übernommen. Sind Frauen die Treiber des grünen Wandels?
Aus der Konsumentensicht ist es tatsächlich so, dass Frauen die meisten Kaufentscheidungen treffen. Wenn sie einen bewussten Konsum für normal halten, ist schon mal viel gewonnen.

Frauen sind aber auch Teil des grünen Wandels in der Geschäftswelt – und damit sind sie natürlich auch Treiber. Problem ist, dass ecowomen, wie ich sie gerne nenne, noch zu schlecht vernetzt und in der Öffentlichkeit noch viel zu wenig sichtbar sind. Ich habe es mir mit ecowoman.de auf die Fahnen geschrieben das zu ändern. Ich möchte viele solcher Frauen vorstellen, zusammenbringen und sie für ihre Arbeit und ihre sensationellen Ideen und ihre Willensstärke auszeichnen.

In der breiten Öffentlichkeit ist das Thema Nachhaltigkeit wenig präsent. Mit deinem Blick als Expertin, wie müssten die Medien berichten, um dies zu ändern?

Medien müssen sich zu der Wichtigkeit der Thematik bekennen. Ich sage es immer gerne so: Wenn wir die Welt nicht retten – und es ist nicht mal mehr 5 vor 12 – werden alle anderen Probleme nichtig.

Medien müssen mehr berichten, sie dürfen die Berichterstattung nicht im Mitternachtsprogramm oder sonst in irgendwelchen Nischen und Ecken verstecken. Und sie müssen die Thematik unterhaltsam verpacken.

Du versuchst auch in deinem Alltag möglichst nachhaltig zu leben. Hast du Tipps, die schnell umgesetzt werden können und das Leben nachhaltiger machen?

Klar, ich nenne mich ja nicht umsonst Green Janine:-)

Meine Top 3, die in Summe irre viel ausmachen und für die es echt keine sinnvollen Ausreden gibt und die im Übrigen alle Geld sparen.

1.) Immer Einkaufsbeutel dabei haben! Frauen und Männer haben immer irgendeine Tasche dabei. Da kommen die Beutel direkt nach dem Auspacken wieder rein und zack, muss man nie mehr Tüten kaufen. Übrigens haben Plastik- und Papiertüten in der Herstellung die gleiche schlechte Ökobilanz, also am besten wirklich ganz drauf verzichten.

2.) Mehrwegbecher nutzen! Das spart unheimlich viel Müll und Ressourcen. Und inzwischen bieten etliche große Ketten vergünstigten Kaffee an, wenn man den eigenen Becher mitbringt.

3.) Teilen ist das neue Haben! In der heutigen Gesellschaft verlieren ehemalige Statussymbole immer mehr an Wichtigkeit. Wie entspannend, oder? Wir können Autos sharen, Kleidung, Babyausstattung. Und Mieten statt Kaufen wird auch ein großes Thema. Waschmaschine neu kaufen, wenn sie kaputt ist und dafür einen Kredit aufnehmen? Ist nicht mehr. Alles, was man nicht selbst besitzt und dementsprechend bezahlen muss, spart Geld – und entlastet noch dazu den Geist und die Seele.

Interview: Michael Rebmann

Bilder: Nadine Dilly

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Rudolf Bahro vor 9 Monaten

Punkt 1.) war früher selbstverständlich. Punkt 2.) ist erst ein Thema, seitdem es den To go-Wahnsinn gibt. Es entsteht also erst sehr viel mehr Müll, und dann gibt es hilflose Versuche, den wenigstens etwas einzudämmen. Und was Kleidung betrifft: Ich habe fast nur, was ich benötige. Nichts zum Teilen. Ansonsten sehe ich einen wirtschaftlich relevanten Bereich vor allem beim PKW. Durch die Sharing-Ökonomie werden i. Ü. noch mehr Bereiche kommerzialisiert, und z. B. bei AirBnB zieht es große Probleme nach sich, u.a. in Bezug auf Mitpreise. So hilflos ist Lifestyle-Öko. Es verziert die Zerstörung mit Öko-Zuckerguss.

Antwort an Rudolf Bahro
Jens Ziegler vor 9 Monaten

Herr Bahro, Sie haben völlig Recht mit Ihrer Kritik. Die Wirtschaft+Politik Lobby schafft ständig neue Trends bei. Arbeit, Konsum, Produktion, die Folgen sind steigende Ausbeutung von Ressourcen und Veränderung des Denkens und Handelns der Individuen in der Masse. Die junge Generation wird immer perfider geistig seelisch manipuliert, total kommerzislisiert. Selfstyling, Konsumgier, Alles zu Geld machen, aus jedem Blödsinn ein Geschäft oder Start Up machen, egal ob daraus neue Probleme entstehen.

Sabine Stöhr vor 9 Monaten

Besitz belastet ist mein kleines Mantra, trotzdem möchte ich nicht alles teilen. Es gibt jedoch privat und auch im Büro vieles was man problemlos teilen kann. Es fehlt vielleicht noch eine Plattform die ähnlich arbeitet wie zB Drive now, die mir anzeigt wo und wer das hat, was ich mir leihen möchte, über die ich einfach reservieren könnte und die vielleicht einen Versicherungsschutz inkludiert, Gut, wenn uns bewusst ist, das Konsum nicht glücklich macht und kein erfüllender Lebensinhalt ist.