Um unsere Website für Sie weiter zu verbessern, benutzen wir Cookies. Durch Nutzung der Seite stimmen Sie unserer Cookie-Richtlinie zu. Mehr über Cookies.

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close

interview

„Wir haben als Investor eine moralische Pflicht“

Andrew Murphy im Interview

Andrew Murphy im Interview

Über die Triodos Bank in Deutschland können neben Triodos-IM-Fonds auch streng ausgewählte Fonds weiterer Anbieter gekauft werden. Ein Beispiel ist der Umweltfonds von Murphy&Spitz. Was steckt dahinter und was zeichnet ihn aus? Wir haben nachgefragt.

Die Triodos Bank hat sich in Deutschland als Investment-Plattform für andere, nachhaltige Anbietern geöffnet. Anlegerinnen und Anleger können neben den Fonds von Triodos Investment Management (Triodos IM) auch Investmentsfonds über uns kaufen, die nicht von Triodos IM gemanagt werden. Warum haben wir das gemacht? Weil wir die positive Wirkung für unsere Kunden*innen dadurch erhöhen können. Die drei zusätzlichen Fonds sind eine Ergänzung zu den Angeboten von Triodos IM. Sie fokussieren sich auf Investmentbereiche, die Triodos IM bislang nicht anbietet und sind sorgfältig ausgewählt. Sie entsprechen den strengen Nachhaltigkeitskriterien von Triodos IM und haben deren komplexen Auswahlprozess durchlaufen.

Ein Fonds, den man über die Triodos Bank in Deutschland kaufen kann, ist der Umweltfonds von Murphy&Spitz. Wir haben Andrew Murphy, Fondsmanager und Vorstand der Murphy&Spitz Nachhaltige Vermögensverwaltung, zu seinem Fonds befragt.

Herr Murphy, seit 2019 kann über die Triodos Bank in den Murphy&Spitz Umweltfonds investiert werden. Für die Triodos Bank ist der Fonds eine tolle Ergänzung zu den anderen nachhaltigen Fonds, da er sich auf deutsche Unternehmen fokussiert. Die anderen, über uns angebotenen Fonds, investieren weltweit. Welche Herausforderungen bringt ein auf Deutschland fokussierter Nachhaltigkeitsfonds mit sich?

Andrew Murphy: Mit dem auf Deutschland fokussierten Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland investieren wir in Unternehmen nachhaltiger Branchen, die ihre Kerngeschäftstätigkeit im deutschsprachigen Raum haben. Dies sind in erster Linie Small- und Midcaps. Dies hat drei ganz klare Vorteile: Diese Unternehmen tragen ganz konkret zur nachhaltigen Gestaltung unserer Gesellschaft bei, wir sind nahe an ihnen dran und sie bergen ein großes Potential. Das Jahr 2019 hat der Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland beispielsweise mit einer Wertsteigerung von 30 Prozent abgeschlossen.


Mehr zum Thema: Darum sind nachhaltige ETFs in der Regel nicht wirklich nachhaltig


Small- und Midcaps werden allerdings kaum bzw. nur zu einem geringen Teil von externen Researchdienstleistern gecovert. Wir führen das Research daher bereits seit 1999 mit einem hauseigenen, spezialisierten Researchteam durch. Haben wir das vor über 20 Jahren als Herausforderung wahrgenommen, können wir das Research heute als eine unserer großen Stärken bezeichnen. Unsere Analysten verfügen nicht nur über ein tiefgehendes Know How zu den nachhaltigen Branchen und Technologien, sondern auch über ein dichtes Netzwerk an Kontakten zu Experten, Stakeholdern und in die Nachhaltigkeitsbranchen selbst.

 

Murphy&Spitz hat 20 Jahre Erfahrung als nachhaltige Vermögensverwaltung – und damit tiefes Wissen im Bereich der nachhaltigen Geldanlage. Mit Blick als Investor: In welchen Wirtschaftssektoren sind Investitionen für mehr Nachhaltigkeit besonders dringend geboten? Anders gefragt: Wo sehen Sie Potential?

Der Wandel der Gesellschaft hin zu einer in allen Bereichen nachhaltig wirtschaftenden ist zwingend notwendig. Dieses Bewusstsein ist in den letzten Jahren in allen gesellschaftlichen Bereichen drastisch gestiegen. Das zeigt sich besonders deutlich in den immer vehementer werdenden Forderungen der jungen Menschen, die von zehntausenden Wissenschaftlern unterstützt werden. Der gesellschaftliche Bewusstseinswandel spiegelt sich übrigens auch in der Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen wider. Klar ist: Ohne die Finanzwirtschaft kann ein Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft nicht vollzogen werden. Wir haben als Investor also eine moralische Pflicht, im Sinne des Impact Investing etwas zu bewirken, indem wir die Gelder unsere Anleger in die richtigen Bereiche lenken. Und genau dieses Selbstverständnis haben wir als Murphy&Spitz: Wir handeln nicht mit Finanzinstrumenten, wir investieren gezielt in nachhaltige Unternehmen und tragen so zur Gestaltung der Gesellschaft bei. Großes Potential – und zwar im doppelten Sinne, nämlich für die Anleger und für einen Fortschritt im Wandel – sehen wir in den Bereichen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, umweltfreundliche Mobilität, Gesundheit, nachwachsende Rohstoffe, ökologisches Bauen und Wasser.

 

Andrew Murphy

Andrew Murphy

Eine weitverbreitete Ansicht lautet, dass die finanzielle Rendite bei nachhaltigen Investments schlechter sei, als bei konventioneller Geldanlage. Wir bekommen es oft zu hören. Sie auch? Und wenn ja, was antworten Sie?

Die Anleger, die zu uns kommen, haben sich bereits im Vorfeld für nachhaltige Geldanlagen entschieden. Sie sind gut informiert und wissen, was sie wollen, nämlich eine doppelte Rendite erzielen. Und vor allem wissen sie, was sie nicht wollen. In Gesprächen mit weniger gut informierten Interessenten taucht das Vorurteil, dass nachhaltiges Investment einen Renditeverzicht bedeute, tatsächlich immer wieder auf. Dies können wir allerdings innerhalb kürzester Zeit mit Zahlen widerlegen: Der Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland hat beispielsweise 2019 eine Wertentwicklung von +30% gezeigt. Zum Vergleich: der DAX hat im gleichen Zeitraum nur 25,48% erzielt.

“Ohne die Finanzwirtschaft kann ein Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft nicht vollzogen werden.”

Andrew Murphy

Passiv gemanagte Exchange-traded funds oder kurz ETFs gelten vielen als das Nonplusultra der Investmentstrategie. Inzwischen gibt es auch ETFs, die sich selbst als nachhaltig bezeichnen. In unseren Augen sind sie nur sehr oberflächlich nachhaltig. Warum ist Ihr aktiv gemanagter Umweltfonds die bessere Alternative, um nachhaltig Geld anzulegen?

Ein hervorragendes Beispiel dafür, dass aktiv gemanagte Fonds die bessere Wahl sind, um nachhaltig anzulegen ist die aktuelle Entwicklung im Zuge der Auswirkung der Corona-Pandemie. Murphy&Spitz hat bereits Mitte Februar agiert und die Aktienquote im Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland gesenkt. Nachdem sich die Ereignisse in der chinesischen Provinz Hubei zuspitzten und es Auswirkungen auf den chinesischen Export gab, haben wir die Lage sehr intensiv beobachtet und analysiert. Als es dann in Norditalien zu Absperrungen von ganzen Ortschaften kam, haben wir proaktiv begonnen, die Aktienqoute von 97% auf 82% zu senken. Im Gegensatz zu „hirnlos agierenden“ ETFs erkennt das menschliche Hirn: Es wird die Wirtschaft in ganz Europa treffen. Als Rosenmontag die Kurse dann auch in Europa begannen zu fallen, haben wir die Aktienquote im Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland noch einmal auf 68% und später weiter auf 60 % gesenkt. Herausgenommen haben wir dabei nicht die zyklischen Werte (was normalerweise geschieht), sondern jene Aktien, die in Indices wie dem DAX oder EURO Stoxx vertreten sind. Wir haben also proaktiv und bereits als sich abzeichnete, dass es zu einem Kursabschwung kommen wird, agiert.

ETFs, welche per Definition nicht aktiv gemanagt werden, verstärken Trends. Genau dies geschah in den letzten Wochen zum Schaden von Anlegern, wie die folgende Übersicht (Stand 11.03.2020) exemplarisch veranschaulicht:

Name:                                                                  seit Jahresanfang            1 Monat              1 Jahr

iShares Dow Jones Eurozone Sustain. ETF            -21,30%                             -22,30%              -8,71%

(DE000A0F5UG3)

Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland              -3,14%                              -9,50%                 +15,84%

(LU0360172109)

Interview: Michael Rebmann

Titelbild: unsplash

Was denken Sie über "„Wir haben als Investor eine moralische Pflicht“"?

Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte tragen Sie Ihren Namen ein

Dorothea Kronenberger vor 7 Monaten

Ja natürlich, das ist in diesen kritischen Corona-Zeiten mehr denn je wichtig, wichtiger, am wichtigsten !