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neuigkeit

Wirtschaftliche Resilienz in Zeiten von Corona

Die Corona-Krise zeigt: Wir haben ein effizientes, aber zerbrechliches und überhaupt nicht belastbares Wirtschaftssystem aufgebaut. Effizienz und Wachstum sollten nicht mehr im Zentrum einer neuen Wirtschaftsordnung stehen, meint Hans Stegeman.

Alle Augen sind auf die Eindämmung des Coronavirus gerichtet. Und das zu Recht. Das ist im Moment unsere Hauptsorge. Gleichzeitig ist jetzt ein guter Zeitpunkt, über die schiere Zerstörung nachzudenken, die COVID-19 unserer Wirtschaft zufügt – und darüber, was es über das von uns geschaffene Wirtschaftssystem aussagt.

Das Virus ist unerbittlich: Es deckt schonungslos die eingebauten Schwächen unseres Wirtschaftssystems auf. Wir sehen eine Wirtschaft fast im Stillstand. Es handelt sich nicht um eine wohlverdiente Pause, sondern um einen Notfall, der sofort versorgt werden muss. Deshalb versuchen die politischen Entscheidungsträger weltweit alles, um sicherzustellen, dass die Wirtschaft nicht schrumpft. Keiner von uns könnte mit einer schrumpfenden Wirtschaft umgehen – oder doch?


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Es überrascht mich daher überhaupt nicht, dass es nur ein paar Tage mit reduzierter Aktivität bedarf, bis wir tief besorgt darüber sind, dass die Unternehmen an die Wand fahren und den Selbständigen die Einkünfte ausgehen, dass wir durch die Angst vor einem völligen Stillstand unseres Wirtschaftssystems völlig gestresst sind und dass wir unseren gigantischen Schuldenberg weiter aufpumpen.

“Wir haben ein zugegebenermaßen effizientes, aber zerbrechliches und überhaupt nicht belastbares System aufgebaut.”

Hans Stegeman

Wir haben ein zugegebenermaßen effizientes, aber zerbrechliches und überhaupt nicht belastbares System aufgebaut. Lassen Sie uns also darüber sprechen, wie wir die Dinge anders machen könnten – und sollten. Wie wir zu einem belastbaren System gelangen, das voll von dem ist, was die Ökonomen als ineffizient bezeichnen würden.

Ich möchte die Probleme, mit denen die Menschen im Moment konfrontiert sind, nicht schmälern. Die Ungewissheit, nicht zu wissen, ob sie noch einen Job haben werden, zu dem sie zurückkehren können, ob sie danach noch Arbeitsaufträge erhalten werden, wie lange es dauern wird, bis sie ihr Geschäft wiedereröffnen können – diese Sorgen sind sehr real.

Aber die Tatsache, dass wir uns in dieser Situation befinden, ist unsere eigene Schuld. Wir sind alle verantwortlich. Wir haben ein System erschaffen, das auf höchste Effizienz ausgerichtet ist und in dem Puffer nicht zählen.

Hans Stegeman leitet seit 2017 die Forschungs- und Strategie-Abteilung bei Triodos Investment Management.
Zuvor hatte er neun Jahre bei der Rabobank verschiedene Research-Positionen inne, wo er zuletzt auch Chefökonom war. Von 1998 bis 2007 arbeitete der an der Universität Maastricht ausgebildete Ökonom beim Centraal Planbureau, der wichtigsten staatlichen Denkfabrik der Niederlande.

Es ist auch ein hocheffizientes System wegen der extremen Spezialisierung der Produktionsketten. Und so merken wir plötzlich, dass LCD-Bildschirme und wichtige Autoteile nur in der Provinz Hubei in China hergestellt werden, wo der Ausbruch des Coronavirus begann. Unglaublich effizient und billig, ja – aber auch sehr fragil.

Und jetzt beginnt der wirtschaftliche Zug zu entgleisen und es bleibt keine Zeit sich vorzubereiten. Das ist etwas, was wir in den vergangenen Jahren hätten tun sollen, aber wir waren viel zu sehr damit beschäftigt, den Zug weiter zu beschleunigen.

Also müssen wir den Sturm ohne Puffer überstehen. Keine finanziellen Puffer in einer Welt, in der der Schuldenberg nur noch größer geworden ist. Das gilt für Unternehmen, aber ebenso für viele Regierungen. In diesem Sinne haben wir aus der Finanzkrise von 2008 sehr wenig gelernt. Keine Wirtschaftspuffer, denn wir denken, dass eine Risikostreuung – in Form von mehr Produktionsstätten, mehr Kunden oder mehr Produkten – nicht effizient ist. Und keine sozialen Puffer, denn auch soziale Kontakte müssen in einer individualistischen Gesellschaft effizient sein.

Weniger Wachstum und weniger Effizienz

Diese kurze Analyse dessen, was unser System verwundbar macht, legt auch nahe, was wir besser machen könnten. Mit einem Wort: Wir sollten uns weniger auf reines Wirtschaftswachstum und Effizienz konzentrieren, sondern mehr auf Widerstandsfähigkeit und die Schaffung von mehr Vielfalt.

Wir müssen nicht weit gehen, um zu lernen, wie das geht. Ein Blick in die Natur reicht. Natürliche Systeme sind überhaupt nicht effizient. Es fallen zum Beispiel viel zu viele Samen von den Bäumen, da es höchst unwahrscheinlich ist, dass aus jedem einzelnen Samen ein neuer Baum wächst. Viele Tierarten neigen dazu, viele Nachkommen zu haben, da die Chancen gering sind, dass sie alle überleben werden. Wir haben das alles auf den Kopf gestellt. Verschwendung macht das System widerstandsfähiger.

Wichtig ist, dass eine größere Belastbarkeit des Wirtschaftssystems Puffer voraussetzt, wobei finanzielle Puffer nur die sichtbarsten sind. Was sagt es über eine Wirtschaft aus, dass die Regierung beim geringsten Anzeichen von Widrigkeiten in Aktion tritt, um Milliarden auszuschütten? Sind wir nicht in der Lage, selbst etwas zu lösen? Und muss alles gerettet werden, wenn es darum geht, das System widerstandsfähiger zu machen? Die “Lösung”, die wir derzeit beobachten können, ist im Wesentlichen Teil des Problems.

Zu viel von ein und derselben Sache macht uns verwundbar. Das gilt für alles und nicht weniger für die Wirtschaft. Viel mehr verschiedene Arten von Produktion und Konsum, sowohl lokale als auch globale Produktion – all das macht das System widerstandsfähiger. Und was soll’s, wenn es wirtschaftlich nicht immer effizient ist? Wir werden im Gegenzug mehr soziale Verbindungen und eine nachhaltigere Produktion erhalten.

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mrn

Foto: unsplash

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