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Yoni lässt die Hüllen fallen

Was in Tampons und Binden wirklich enthalten ist

Was in Tampons und Binden wirklich enthalten ist

Es ist nicht allgemein bekannt, doch viele Tampons, Binden und Slipeinlagen werden aus synthetischen Stoffen hergestellt und können Parfüm und Plastik enthalten. Die Folgen, die das auf den weiblichen Körper haben kann, werden von den konventionellen Herstellern für Hygieneartikel kaum thematisiert. Nicht so beim Triodos-Kunden Yoni aus den Niederlanden: Yoni macht es anders und stellt Produkte aus Bio-Baumwolle her. In den Niederlanden gibt es Yoni bereits in normalen Supermärkten und Drogerien zu kaufen, in Deutschland bislang nur im Onlineshop. Yoni will aber mehr als Hygieneartikel aus Bio-Baumwolle zu verkaufen. Das junge Unternehmen will mit dem Tabu der Periode brechen – und geht dafür ungewöhnliche Wege.

Mariah Mansvelt Beck war sehr überrascht, als sie auf Empfehlung ihres Frauenarztes Tampons und Binden aus Bio-Baumwolle kaufen wollte: Zum einen konnte sie diese Produkte lediglich in Bio-Supermärkten und Bio-Drogerien finden, und zum anderen waren auf den Produkten, die sie bislang verwendet hatte, überhaupt keine Angaben zu Inhaltsstoffen zu finden. „Laut den europäischen Gesetzen ist auf allen Pflegeprodukten verpflichtend anzugeben, was darin enthalten ist. Aber auf einer Packung mit Tampons steht gar nichts. Das doch merkwürdig, oder?“

„Laut den europäischen Gesetzen ist auf allen Pflegeprodukten verpflichtend anzugeben, was darin enthalten ist. Auf einer Packung Tampons steht nichts.“

Mariah Mansvelt Beck, Gründerin von Yoni

Ihre lange Suche nach solchen Tampons führte sie schließlich an den Küchentisch ihrer Freundin Wendelien Hebly. Dort merkte sie, dass auch Wendelien nicht wusste, welche Inhaltsstoffe in den Produkten enthalten sind, die sie während ihrer Periode verwendet. „Wir waren der Meinung, dass alle Frauen wissen sollten, was da drin ist. Erst wenn man gut informiert ist, kann man entsprechend handeln. Und jetzt, wo wir das wussten, wollten wir dieses Wissen mit anderen teilen.“

Mariah Mansvelt Beck (l.) und Wendelien Hebly

Mariah Mansvelt Beck (l.) und Wendelien Hebly

Gemeinsam mit Hebly beschloss Beck, Yoni zu gründen. Während des Gespräches am Küchentisch entstanden bereits die wichtigsten Umrisse ihres Unternehmens. Sie wollten bewusst eine Firma gründen und keine Lobby-Organisation, da sie daran glauben, dass Unternehmen eine positive Strahlkraft entfalten können und da sie Frauen eine echte Alternative bieten möchten. Dazu mussten die Bio-Produkte in die Regale von normalen Supermärkten und Drogerien kommen.

Auf der Verpackung spricht Yoni Klartext und gibt genau an, woraus die Produkte hergestellt sind: ausschließlich aus zertifizierter biologischer und kompostierbarer Baumwolle. Die Einzelverpackungen und die Rückseite der Binden und Slipeinlagen bestehen aus Bio-Kunststoffen. Die Produkte sind von der SOIL Association gemäß dem Global Organic Cotton Standard (GOTS) zertifiziert. Dies bedeutet u. a., dass die Baumwolle von Bio-Bauern stammt, die zudem soziale Kriterien erfüllen, also eine sichere Arbeitsumgebung bieten und faire Löhne zahlen.

Die Geschichte hinter dem Projek
Yoni

Mariah Mansvelt Beck erhielt 2011 die Diagnose, an einem Vorstadium von Gebärmutterhalskrebs zu leiden. Damit begann eine Zeit, in der sie immer intensiver darüber nachdachte, wie sie sich um ihren Körper kümmerte. Ein Facharzt empfahl ihr, Bio-Tampons zu verwenden, um Reizungen zu vermeiden. Als sie zusammen mit ihrer Freundin Wendelien Hebly erkannte, wie wenig über diese Produkte bekannt war – und dass viele, viele Frauen nicht wussten, was sie während ihrer Periode benutzten – war die Geburtsstunde von Yoni gekommen: Dieses Unternehmen sollte dafür sorgen, dass Bio-Tampons, Bio-Binden und Bio-Slipeinlagen in normalen Supermärkten und Drogerien erhältlich sind. Mansvelt Beck: „Ich bin aus meiner persönlichen Geschichte heraus Unternehmerin geworden, darin besteht mein Antrieb und das ist ein wichtiger Teil meiner Mission.“

Mansvelt Beck: „Es ist noch nicht viel darüber bekannt, welche Auswirkungen beispielsweise synthetische Tampons und Binden auf die Gesundheit von Frauen haben. Derzeit drängen Lobbyorganisationen in den USA auf mehr unabhängige und langfristige Untersuchungen zu den Auswirkungen dieser Produkte.“

Im vergangenen Jahr schaffte es das Unternehmen Yoni auf den ersten Platz der MKB Innovatie Top 100, einer Innovationsinitiative für mittelgroße und kleine Unternehmen der Niederlande – jedoch nicht, weil das Produkt so innovativ ist, sondern weil es den Unternehmerinnen gelang, sich einen Platz in den Regalen von u. a. der Drogeriekette Etos und den Albert Heijn-Supermärkten zu sichern. Und sie haben mit ihren Werbekampagnen einen ganz neuen Dialog in Gang gebracht.

„Wir möchten das Tabu rund um die Monatsblutungen und die Vagina durchbrechen“

Um ein solches Gespräch führen zu können, musste sich erst die Art und Weise ändern, wie wir miteinander sprechen. „Die Periode zu haben, wird häufig in die medizinische Ecke gerückt. Aber du bist dann nicht krank, es ist völlig gesund, deine Tage zu haben. In der Werbung wird eine recht klinische Bildsprache verwendet: Man sieht eine Frau in weißen Leggings und eine Binde mit blauer Flüssigkeit. Das bleibt alles sehr steril.“

Farbenfrohe Werbekampagnen

Die Werbekampagnen von Yoni sind besonders farbenfroh. Der Umgang mit den Produkten und mit dem weiblichen Körper ist ausgesprochen humorvoll. Mansvelt Beck: „Die Bilder sollen dazu einladen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das ist auch ein pädagogischer Aspekt.“

Tabu

Mit The Cycle Series möchte Yoni andere dazu inspirieren, das Tabu rund um die Periode und die Vagina zu brechen.

Mit The Cycle Series möchte Yoni andere dazu inspirieren, das Tabu rund um die Periode und die Vagina zu brechen.

Das Wort Tabu stammt aus einer polynesischen Sprache, in der es wörtlich ‚Menstruation‘ bedeutet. In vielen Religionen gelten menstruierende Frauen als unrein. Als im britischen Unterhaus über die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Hygieneprodukte diskutiert wurde, gab es Parlamentsmitglieder, die es nicht wagten, das Wort Tampon in den Mund zu nehmen.

Und um es noch deutlicher zu machen: In den Niederlanden haben 19 Prozent der Mädchen vor ihrer ersten Regelblutung noch niemals etwas von der Menstruation gehört. „Können Sie sich vorstellen, wie geschockt diese Mädchen sind? Das möchten wir ändern. Und daher machen wir das Gespräch über Menstruation zu einem Teil unserer Mission.“

Bewusste Wahl

Wann ist die Mission von Yoni erfolgreich? Wenn sich die Industrie ändert und die Zutaten auf der Verpackung angibt. Mansvelt Beck: „Das klingt wirklich machbar, doch scheint es erstmal nicht zu klappen. Überhaupt ist es fast nicht vorstellbar, wie wenige Innovationen es in den vergangenen vierzig Jahren gab. Das scheint sich jetzt gerade zu ändern. Als Wendelien und ich vor vier Jahren recherchierten, war im Internet noch nichts über Bio-Tampons zu finden. Das hat sich mittlerweile geändert. Auch gibt es allerlei Alternativen wie die Menstruationstasse und Menstruationsslips. Wir finden, das ist eine tolle Entwicklung. So haben Sie als Frau wirklich eine Wahl, wie Sie sich während der Periode um sich selbst kümmern.“

Text: Daphne Rieken
Fotos: Yoni

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Erik vor 21 Minuten

Eine klare Deklarierung für Hygieneprodukte ist natürlich zu begrüßen. Allerdings sind Tampons, selbst aus Bio-Baumwolle, nicht gerade das, was ich nachhaltig nenne würde. Besonders in Baumwollanbaugebieten herrscht oft Wasserknappheit, aus meiner Sicht sollte man deshalb genau überlegen, wofür man diesen gewachsenen Rohstoff einsetzt. Für Wegwerfprodukte wie Tampons halte ich das nicht für sinnvoll, zumal es da ja durchaus Alternativen gibt. Die Menstruationstasse z.B. – sie kann über Jahre genutzt werden, das spart jede Menge wertvoller Baumwolle ein, als Nutzerin spart man so am Ende auch noch Geld. Einige Hersteller betreiben sogar Projekte, um Mädchen und Frauen in Afrika zu unterstützen, für die normale Hygieneprodukte einfach nicht bezahlbar sind. Zugegeben, als Mann kann ich das nur von außen beurteilen, aber meine Frau nutzt Menstruationstassen seit Jahren und ist davon völlig überzeugt.