Noch nie haben die Menschen in Deutschland mehr Geld in Aktien investiert, als in diesem Jahr. In den ersten sechs Monaten 2020 kauften die Bundesbürger*innen Unternehmenspapiere in Höhe von 23,9 Milliarden Euro. Dies geht aus einer eine Analyse von Barkow Consulting hervor, über die die Zeitung „Die Welt“ berichtete. Der Höchstwert zuvor lag bei knapp 23 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2007, also kurz vor Ausbruch der Finanzkrise.

Ist diese Entwicklung erstaunlich? Die Antwort ist ja und nein. Nein, weil die Zinsen auf klassischen Sparprodukten wie Tagesgeldkonten oder Sparbüchern seit Jahren schon nicht oder kaum mehr vorhanden sind und Sparer*innen andere Wege gehen müssen, um Chancen auf finanzielle Rendite zu haben. Ja, weil wir uns mitten in der Corona-Pandemie befinden. Die hat zumindest in der ersten Jahreshälfte trotz sehr volatiler Finanzmärkte nicht dazu geführt, dass die privaten Investments zurückgegangen sind. Im Gegenteil, sie sind gestiegen, wie die Analyse zeigt. Trotz Corona-Pandemie sind die Menschen in Deutschland bereit, höhere Risiken für ihre Geldanlage zu tragen.

Strategische Rolle für nachhaltige Investments

Nachhaltigen Investments kommt in dieser Zeit und Gemengelage eine ganz besondere, strategische Rolle zu. Sie profitieren erstens auch von dem allgemein gestiegenen Interesse unter Privatanleger*innen an Fonds und Aktien und scheinen zweitens resilienter zu sein als ihre konventionellen Pendants – also Investments, die keine Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. Es ist schon lange bekannt und erwiesen, leider aber nicht weit genug verbreitet, dass Nachhaltigkeitskriterien sich nicht negativ auf die finanzielle Performance von Geldanlagen auswirken. Durch die Corona-Krise kommt dem finanziellen Aspekt von nachhaltigen Anlagen darüber hinaus eine neue Bedeutung zu.

Rendite ist nicht das Ziel, sondern die logische Konsequenz aus nachhaltigem Handeln.
Peter Blom

So zeigt eine im Mai 2020 veröffentlichte Studie des Analysten Scope Analysis exemplarisch, dass Asset Manager von Aktienfonds, die bei der Auswahl der Investments ESG-Aspekte berücksichtigt haben, für diese Fonds geringere Kursverluste verzeichnen mussten als konventionelle Vergleichsprodukte. Eine Analyse von Moneyfacts vermittelt, dass nachhaltige Fonds, die für Investoren in Großbritannien handelbar sind, resilienter während der Krise waren als ihre nicht-nachhaltigen Benchmarks. Und es gibt weitere Analysen mit ähnlichen Resultaten.

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien kann sich also positiv auf die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen auswirken. Was sich heute langsam am breiten Markt durchsetzt, ist für Nachhaltigkeitsbanken wie die Triodos Bank schon lange bekannt. „Rendite ist nicht das Ziel, sondern die logische Konsequenz aus nachhaltigem Handeln“, betont Peter Blom, CEO der Triodos Bank, seit Jahren. Die Corona-Krise birgt damit die Chance, als Katalysator für die nachhaltige Geldanlage zu dienen.

Jetzt ist also die Zeit, nicht nur das eigene Sparverhalten zu überdenken, sondern in echte nachhaltige Veränderung zu investieren. Und am Ende kann dabei eine doppelte Rendite stehen: eine für den eigenen Geldbeutel und eine für die Welt.