Das derzeitige Ausmaß der Verwendung von Plastik und die immer weiter ansteigende Kunststoffproduktion sind alles andere als nachhaltig. Die Beseitigung der negativen Folgen für unsere Umwelt, die biologische Vielfalt, Menschenrechte und die öffentliche Gesundheit ist eine Aufgabe von überwältigendem Ausmaß. Unternehmen der Konsumgüterindustrie gehören zu den größten Plastikverbrauchern, wenn es um Verpackungen geht. In diesem Artikel beleuchten wir die komplexen Folgen der Massenplastikproduktion und stellen die wichtigsten Ergebnisse unserer Gespräche mit zwölf Unternehmen aus unseren Impactfonds-Portfolien vor.

Um die zunehmende Plastikverschmutzung zu bekämpfen, sollten Unternehmen im Konsumsektor eine führende Rolle bei der Reduzierung, Wiederverwendung und dem Recycling von Kunststoff übernehmen. Der erste Schritt ist die transparente Berichterstattung über die Verwendung von Kunststoffen. Im Anschluss sollten sie sich neue Ziele und Strategien setzen, welche die Wiederverwendung, das Recycling und den Verbrauch von Kunststoffverpackungen in eine nachhaltige Richtung lenken könnten. Klicken Sie rechts, um mehr über die Herausforderungen im Bereich Kunststoffe zu erfahren.

Engagement gegen Plastikverschmutzung  

Lilia Feghiu, Investmentanalyst bei Triodos Investment Management

Mit den Unternehmen, in die wir investieren, setzen wir uns zu einer breiten Palette von Nachhaltigkeitsthemen auseinander. Dazu zählt auch die Plastikverschmutzung. Wir tun dies sowohl unmittelbar als auch in Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Investor:innen. Gemeinsam mit 185 Anleger:innen, die zusammen ein Vermögen von 10 Billionen US-Dollar verwalten, und koordiniert von der niederländischen Vereinigung der Investoren für nachhaltige Entwicklung (VBDO), haben wir eine Erklärung unterzeichnet, in der wir Unternehmen auffordern, ihre Abhängigkeit von Kunststoffen entschlossener zu verringern.

Wir haben ein Programm gestartet, um jenen Unternehmen, in die wir im Rahmen unserer Impact Investment-Fondsstrategien investieren, Fragen zu stellen, sowie Erfahrungen und Daten zu sammeln.

Klicken Sie rechts, um mehr über unser Bewertungsverfahren zu erfahren. 

Wie bereits erwähnt, liegt das Hauptaugenmerk unserer Engagement-Initiative auf Unternehmen der Konsumgüterindustrie, da dieser Sektor zu den Hauptverbrauchern von Kunststoffverpackungen gehört.

Die wichtigsten Ergebnisse
=> Alle Unternehmen, mit denen wir gesprochen haben, erkennen an, dass die Plastikverschmutzung ein kritisches Problem ist. Die Bekämpfung der Plastikverschmutzung übersteigt jedoch die Möglichkeiten eines einzelnen Unternehmens; es bedarf kollektiver Maßnahmen von sämtlichen Stakeholdern entlang der gesamten Wertschöpfungskette, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich. Die Unternehmen suchen nicht nur selbst nach Lösungen, sondern arbeiten auch mit Partnern aus benachbarten Industrien gemeinsam daran.  

Die japanischen Haushalts- und Körperpflegeunternehmen Lion und Kao gingen 2020 eine Partnerschaft ein, um gebrauchte Nachfüllbehälter und Zahnbürsten zu sammeln und zu recyceln. Im Mai 2023 brachten sie erfolgreich ein Flüssigwaschmittel mit einer Verpackung aus recycelten Materialien auf den Markt. Kooperationen sind auf verschiedenen Märkten zu beobachten. So gehört die Marke Birds Eye von Nomad Foods zu den Gründungsunterzeichnern britischen Kunststoffpakets.

 

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Luc van Haaren, Investmentanalyst bei Triodos Investment Management

=> Viele Unternehmen sind bestrebt, die Wiederverwertbarkeit ihrer Produktverpackungen zu erhöhen, d. h. die Möglichkeit, sie zu sammeln und zu trennen oder für die Wiederverwendung in einem anderen Produkt zu nutzen. Im Jahr 2022 hat Danone einen Meilenstein gemacht: 84% der Verpackungen sind nun wiederverwendbar, recycelbar und kompostierbar. Das Recycling von Joghurtbechern bleibt jedoch eine Herausforderung, da die Infrastruktur für das Sammeln und Recyceln unzureichend ist, unabhängig vom Herstellungsmaterial der Becher. Danone hat sich zum Ziel gesetzt, 100% recycelbare Becher zu produzieren, indem es seine Materialauswahl an die Recyclingmöglichkeiten in verschiedenen Gebieten anpasst. Eine scheinbar einfache Lösung, die jedoch ein bedeutender Schritt ist, um die Kunststoffrecyclingrate zu erhöhen. Die meisten Verpackungen enthalten jedoch leider verschiedene Materialien und/oder verschiedene Arten von Kunststoffen. Das macht es schwieriger, sie zu trennen und als Rohstoff für neue (Verpackungs-)Produkte zu verwenden. Eine Vereinfachung der Verpackungen, z. B. durch die Verringerung der Anzahl der verschiedenen Materialien, erleichtert es den Abfallunternehmen, die Materialien für die Verwendung als Rohstoff zu trennen. Die Verpackungen von Acomo bestehen fast ausschließlich aus Monomaterialien, was es leichter macht, sie zu recyceln. 

Dies sind die Ergebnisse unserer Studie:
=> Viele Unternehmen haben breite oder unspezifische Reduktionsziele. Das Hauptziel ist meist die Reduzierung des Verpackungsgewichts und die Verbesserung des Verpackungsdesigns. ITO EN arbeitet mit dem Verpackungsunternehmen Toyo Seikan zusammen, um das Non-Sterilant (NS) System zu entwickeln. Dieses System ermöglicht die sterile Abfüllung bei Raumtemperatur ohne Sterilisationsmittel, wodurch der Wasserverbrauch reduziert und leichtere Flaschen hergestellt werden können. Diese Innovation senkt nicht nur den Materialverbrauch und die CO2-Emissionen beim Transport, sondern fördert auch eine umweltbewusste Getränkeproduktion und -logistik.

=>Es ist nicht immer einfach, spezifische Ziele für die Verwendung oder das Recycling von Kunststoffen festzulegen. Während die Erhöhung des Recyclinganteils ein logisches Ziel zu sein scheint, um die Produktion von Neukunststoffen zu verringern, gibt es andere Fälle (z. B. von Lego), in welchen Produkte aus vollständig recycelten Materialien über ihren gesamten Lebenszyklus mehr CO2-Emissionen erzeugen, als Produkte aus Neukunststoffen.

=> Nur wenige der von uns untersuchten Unternehmen haben sich konkrete Ziele für den Anteil ihrer Produktion an recyceltem Material gesetzt. Lebensmittelunternehmen können aufgrund potenzieller Kontaminationsrisiken nicht immer recycelte Inhalte für Primärverpackungen (also Verpackungen, die direkt mit dem Produkt in Kontakt kommen) verwenden. Ausnahmen sind die Pfandrücknahmesysteme von Danone und ITO EN, obwohl letzteres derzeit nur eine Verwertungsquote von 14% aufweist. Essity ist das einzige Unternehmen in unserer Untersuchung, das sich für Kunststoffverpackungen einen Recyclinganteil von 25% bis 2025 zum Ziel gesetzt hat. Im Jahr 2022 erreichte das Unternehmen eine Quote von 12%, vergleichbar mit den 13% von P&G. P&G hat zwar kein unternehmensweites Ziel, aber die einzelnen Marken ihre eigenen Ziele für den Recyclinganteil.

=> Wenn es zum Verzicht von gefährlichen Chemikalien in Verpackungsprodukten kommt, machen die meisten Unternehmen eher vage Angaben. Henkel und Danone haben sich zum Ausstieg aus Polyvinylchlorid (PVC) verpflichtet. Seit 2018 hat Danone seinen PVC-Einsatz um mehr als 90% reduziert. Henkel verwendet PVC in der Zwischenzeit nur in Ausnahmefällen (ca. 0,05% des weltweiten Verpackungsvolumens), da es keine praktikablen Alternativen gibt.  

=> Die Aussichten für Papierverpackungen scheinen hoffnungsvoller zu sein. Die meisten der von uns untersuchten Unternehmen bevorzugen den Einsatz von Recyclingfasern. Sollten diese nicht verfügbar sein, greifen sie auf zertifizierte, nachhaltig bewirtschaftete Wälder zurück (Zertifizierungen für nachhaltiges Holz nach „FSC“, „PEFC“ oder „SFI“). FSC (Forest Stewardship Council) ist oft die bevorzugte zertifizierte Wahl. Wir haben auch einige Papierverpackungsunternehmen bewertet. Diese Unternehmen tragen dazu bei, die Menge an Kunststoffverpackungen zu reduzieren, indem sie Alternativen aus Papier entwickeln.

Den Druck aufrechterhalten
Die Erkenntnisse, die wir über die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Plastikverschmutzung und über wirksame Strategien zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung gewonnen haben, werden in zukünftige Gespräche mit Unternehmen, in die wir investieren, einfließen. Die Offenlegung des Kunststoffverbrauchs ist nach wie vor unzureichend, da Unternehmen nicht einheitlich über die gleichen Daten berichten. Darüber hinaus fehlen zahlreiche Daten, die für eine vollständige Bewertung der Kunststoffverwendung der Unternehmen und ihrer entsprechenden Strategien erforderlich sind. Wir ermutigen Unternehmen aktiv, die Berichterstattung zu verbessern, einschließlich der Mitarbeit am neuen Carbon Disclosure Project (CDP)-Plastikfragebogen im Abschnitt "Wasserrisiko" von CDP, um standardisierte Berichtspraktiken zu fördern. Unser übergeordnetes Ziel ist es, dass diese Unternehmen auf Einwegkunststoffe verzichten, den Materialverbrauch drastisch reduzieren und Systeme zur Wiederverwendung von Verpackungen entwickeln.

Von unseren Beteiligungen sind Danone, Procter & Gamble und Henkel am stärksten in die  Kunststoffverschmutzung involviert, was angesichts ihrer Größe auch zu erwarten ist. Vor allem Danone und P&G verbrauchen fast doppelt so viel Plastik wie Henkel. Angesichts ihres beträchtlichen Kunststoff-Fußabdrucks wird sich unser künftiges Engagement in erster Linie auf diese drei Unternehmen konzentrieren.


Um mit einer positiven Note zu enden, ist zu anzumerken, dass unsere Gespräche mit diesen drei Unternehmen gezeigt haben, dass sie sich der negativen Folgen von Kunststoffverpackungen bewusst sind und sich für Verbesserungen einsetzen.