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Interview

Lasst uns über Fracking reden

Die Modedesignerin und Aktivistin Vivienne Westwood sprach mit uns im Interview über die Wichtigkeit, den Kampf gegen Fracking zu gewinnen.

Fracking – bei dem Wasser, Sand und chemische Zusätze unter hohem Druck in Gesteinsschichten gepresst werden, um diese aufzubrechen und dann tiefliegende Gas- und Ölvorkommen zu fördern – stößt in vielen Ländern auf starken Widerstand von Umweltschützern, aber auch der allgemeinen Öffentlichkeit.

In Großbritannien sind – im Gegensatz zu Deutschland – bereits erste Versuchsbohrungen durchgeführt worden.  Für die britische Modedesignerin und Aktivistin Vivienne Westwood, Gründerin der Initiative Climate Revolution, ist der Widerstand gegen Fracking von elementarer Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel.

Zerbrochene Erde

“Unsere Regierung in Großbritannien möchte uns Fracking aufoktroyieren. Das ist verrückt. Jeder weiß, dass fossile Brennstoffe die größten Treiber von Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung sind. Wir wollen aber, dass Regierungen weltweit Klimawandel stoppen, statt nur zu schwätzen und so zu tun, als würden sie hier und da mal einen kleinen Schritt in diese Richtung machen, dann aber gleichzeitig fossile Brennstoffe weiter fördern.

Wir haben gerade in Großbritannien unsere „Anti-Fracking-Tour“ beendet. Wir wollten diese eigentlich so gestalten, dass wirklich diskutiert wird. Aber kein Politiker oder Befürworter von Fracking aus der Industrie wollte mit uns reden. So blieb uns „nur“ übrig, unsere Sicht auf Fracking und warum wir glauben, dass es falsch ist, auf der Tour darzustellen. Aber wir stellen fest, dass die Medien das Thema immer mehr aufgreifen. Das war und ist unser Ziel. Ein erster Sieg für uns.“

Der Kampf beginnt vor der eigenen Haustür

„Wenn ich mich für die Rettung der Arktis oder des Regenwaldes einsetze, aber nicht gegen Fracking kämpfe, habe ich bereits verloren. Und der Punkt bei Fracking ist, dass es direkt bei mir vor der eigenen Haustür passiert. Es ist möglich, diesen Kampf zu gewinnen. Wir müssen diesen Kampf gewinnen. Wenn wir Fracking nicht bekämpfen, sind wir einen Schritt näher am Klimawandel.“

Engagiere Dich

„Menschen müssen grundsätzlich näher zusammen rücken und sich gemeinsam engagieren – warum nicht beim Thema Fracking anfangen. Wir müssen den öffentlichen Widerstand verstärken. Derzeit hoffe ich insbesondere auf die jungen Menschen, um zu protestieren, zu leben und zu verändern. Junge Menschen sind wirkliche Idealisten, daher sind sie meine Hoffnung im Kampf gegen Fracking. Und sie sollten sich auch hierfür engagieren: denn die Konsequenzen des Klimawandels werden sie besonders betreffen, und die Zeit zu handeln wird immer knapper.

Alles was Du tust, wofür Du Dich im Sinne des Erhalt und Schutzes unserer Erde engagierst, ist wichtig. Für mich ist wahre Kultur, wenn wir Menschen verstehen, was wir in der Lage sind, Positives  zu bewirken, wie schön die Menschheit ist, was wir bereits Tolles in der Vergangenheit geschaffen haben, wie wir noch perfekter werden könnten, wenn wir die richtigen Beweggründe und Werte hätten.

Wir wurden darauf konditioniert, nur zu konsumieren – dagegen müssen wir uns wehren. Sonst leben wir doch irgendwie in einer virtuellen Realität. Wir sind nicht wir selbst, wir sind nicht diejenigen, die wir wirklich sein könnten.“

Dame Vivienne Westwood ist eine der einflussreichsten Designerinnen in Großbritannien, aber auch weltweit. Sie spielt eine bedeutende Rolle in der britischen Modebranche, seit sie 1971 anfing zu designen. Sie setzt sich auch aktiv für soziale und ökologische Themen ein: so ist sie Treuhänderin der Menschenrechtsstiftung Liberty und Botschafterin für Greenpeace. Vivienne Westwood hat die Initiative Climate Revolution ins Leben gerufen, um Stiftungen, NGOs und Einzelpersonen dazu aufzufordern, sich zusammenzuschließen und gemeinsam den Kampf gegen den Klimawandel aufzunehmen. Dieses Jahr hat sie die Kampagne „Lasst uns über Fracking reden“ gestartet: diese beinhaltete u.a. eine „Anti-Fracking-Tour“ mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit in der britischen Bevölkerung über Regierungspläne zu Fracking zu erhöhen und eine größere, öffentliche Diskussion über das Thema zu initiieren.

Das Interview führte Will Ferguson, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Triodos Bank UK/ Photo: LUSH

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Julika vor 5 Jahren

Ich muss leider der Angabe widersprechen, dass in Deutschland bisher nicht gefrackt worden ist. Fracking wurde seit 1961 über 300 Mal in Deutschland eingesetzt – zur Förderung fossiler Energieträger oder auch im Rahmen von Geothermiebohrungen oder zur Grundwassergewinnung. Lediglich die Anwendung auf Lagerstätten mit Schiefergas ist neu. Exxon Mobil gibt an, dass rund ein Drittel des in Deutschland geförderten Erdgases aus gefrackten Lagerstätten stammt. (Quelle: http://newsroom.erdgassuche-in-deutschland.de/app/uploads/broschuere-erdgasfoerderung-mythos-wirklichkeit-2.pdf) Und auch bei “normaler” Erdgasförderung bestehen erhebliche Risiken durch das Lagerstättenwasser, Erdbeben etc.

Ich bin ganz und gar kein Fan von fossilen Energien, aber man muss den strengen deutschen Umwelt- und Sicherheitsstandards zugute halten, dass es bisher nicht zu einer Grundwasserverunreinigung durch die Rissbildung im Zuge des Fracking in Deutschland kam. (Quelle: http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/CO2Speicherung/Downloads/Fracking.pdf?__blob=publicationFile&v=1) Außerdem bleibt der deutschen Regierung nicht allzu große Wahlfreiheit, wenn sie sich für eine Abschaltung der Atomkraftwerke entscheidet und auch angesichts der aktuellen Lage von der russischen Abhängigkeit loskommen möchte. Die regenerativen Energien allein können diese Last derzeit nicht tragen.