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interview

„Permakultur bringt genug ein, um die Erdbevölkerung ernähren zu können“

Permakultur-Vorreiter Mark Shepard im Interview

Permakultur-Vorreiter Mark Shepard im Interview

Auf der Farm von Landwirt und Autor Mark Shepard wächst alles durcheinander: Haselnussbäume und Beerensträucher, Spargel und Zierblumen. Das Ganze nennt sich Permakultur. „Permakultur bringt genug ein, um die Erdbevölkerung ernähren zu können“, sagt Shepard. Warum folgen aber nicht mehr Landwirte seinem Beispiel?

„Wer an meiner Farm vorbeifährt und es nicht besser weiß, wird womöglich denken, dass das Anwesen verwildert und verlassen ist“, sagt Mark Shepard über seine 42 Hektar große biologische New Forest Farm im Norden der USA. Shepard – Baseballkappe, dunkelgrüner Arbeitspulli – gründete die Farm vor 22 Jahren als Nahrungswald. Und so sieht es dort auch aus: Die New Forest Farm erinnert an einen herrschaftlichen Landsitz voller Bäume und Sträucher. Zwischen dem Grün scharren Hühner, grasen Ziegen, Schafe und Kühe. Der Landwirtschaftsbetrieb produziert unter anderem Haselnüsse, Spargel, Äpfel, Kirschen, diverse Gemüsesorten, Trauben und Zierblumen. Das Vieh düngt den Boden und frisst das Unkraut.

„Richtig kombiniert, halten sich die Pflanzen gegenseitig im Zaum, und man braucht nicht viel zurückzuschneiden oder zu jäten“

Mark Shepard

Mark Shepard

„Wir imitieren hier die wilde Natur“, sagt Shepard, Autor von Restoration Agriculture, dem internationalen Bestseller über Permakultur. „Darin unterscheidet sich Permakultur von anderen Formen der Landwirtschaft, auch von biologischer. In der Landwirtschaft trifft man in der Regel Monokulturen an: ein ganzer Acker mit Salat oder Mais.“ Landwirte, die nach den Prinzipien der Permakultur arbeiteten, bauten ihre Pflanzen dagegen „in langen schmalen Streifen an“, sagt der Autor. „Also ein Streifen mit Schnittblumen, ein paar Meter weiter Spargel und daneben ein Streifen Wildzwiebeln. Die meisten Pflanzen sind mehrjährig. Dadurch liegt das Land nach der Ernte nie brach, wie auch in der Natur.“

Shepard erklärt zudem, dass außerdem jeder Streifen unterschiedlich bepflanzt wird: „Auf einem Ackerstreifen können Haselnussbäume stehen und darunter Beerensträucher und Gras oder Kräuter. Richtig kombiniert, halten sich die Pflanzen gegenseitig im Zaum, man braucht nicht viel zurückzuschneiden oder zu jäten. Ich kann die Arbeit auf der Farm nahezu alleine bewältigen. Nur zur Erntezeit stelle ich Helfer ein.“

Permakultur als Strategie gegen den Klimawandel

Shepard: „Reguläre Landwirtschaft laugt den Boden aus. Selbst ein biologischer Acker ist nicht so vielfältig wie ein Waldboden. Mit Permakultur führt man die Fruchtbarkeit des Bodens wieder in einen naturnahen Zustand zurück.“

Permakultur ist auch ein Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels. Shepard:“Bäume nehmen CO2 auf und wandeln es in Sauerstoff um. Wenn wir weltweit 10 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen mit Bäumen bepflanzen, sinkt die CO2-Konzentration auf das Niveau von 1880. Forstet man diese 10 Prozent als Nahrungswälder auf, erhält man zusätzlich Nutzpflanzen.“

„Und was kann es Schöneres geben, als Pflanzen so anzubauen, dass auch die Natur davon profitiert?“

Mark Shepard

Bei seiner Arbeit als Ökologe und Naturschützer hatte er viel Kontakt zu Farmern. Shepard: „Landwirte bewirtschaften einen großen Teil der Landschaft. Allerdings gerät dabei nicht selten die Natur ins Hintertreffen. Mir wurde immer mehr bewusst, dass gerade in der Kombination aus Landwirtschaft und dem Schutz des natürlichen Lebensraums ein großer Mehrwert liegt. Und was kann es Schöneres geben, als Pflanzen so anzubauen, dass auch die Natur davon profitiert?“

Lebenslauf
Mark Shepard

Mark Shepard (1950) ist Autor von Restoration Agriculture, dem internationalen Bestseller über Permakultur. Er wuchs in Massachusetts an der Ostküste der Vereinigten Staaten auf. Nach seinem Ökologie- und Technikstudium beschloss er Anfang der 1990er Jahre, Forstwirtschaft mit Landwirtschaft und Viehzucht zu kombinieren. Seine New Forest Farm in Wisconsin ist mit 42 Hektar einer der größten Landwirtschaftsbetriebe der Welt, die auf den Grundprinzipien der Permakultur basieren.

So kam Shepard zur Permakultur: „Anfang der 1990er Jahre bekam ich die Chance, einen regulären Landwirtschaftsbetrieb in Wisconsin zu kaufen und ihn zu einem der größten Permakulturbetriebe der Welt umzugestalten. Als ich hier begann, war die Farm sehr eintönig: 42 Hektar Acker- und Weideflächen. Im Laufe der Jahre haben wir 250.000 Bäume gepflanzt. Sie bilden die Basis für den Nahrungswald. Unter den Bäumen und um die Bäume herum bauen wir alle anderen Pflanzen an.“

Shepard sagt, dass Bäume und Pflanzen überall wachsen. „Selbst auf Felswänden, an Straßenrändern und in Gärten und Parks. Wenn wir überall dort essbare Pflanzen anbauen würden, wo das möglich ist, könnten wir die landwirtschaftlichen Nutzflächen weltweit erheblich ausweiten.“ Auch in dichtbesiedelten Ländern könnten mehr Grünstreifen und Straßenränder genutzt werden. Shepard ist überzeugt, dass die ganze Erde unser Garten ist. „Pflanzen wachsen selbst zwischen den Gehwegplatten mitten in New York.“

„Reguläre Landwirtschaft laugt den Boden aus. Selbst der Boden eines biologisch bewirtschafteten Ackers ist nicht so vielfältig wie ein Waldboden“

Mark Shepard

Auf Permakultur umzusteigen bedeutet aber auch, seine Essgewohnheiten zu ändern. Shepard: „Ich esse mehr Nüsse, Obst und Kräuter und nahezu kein einjähriges Gemüse mehr, wie zum Beispiel Salat. Aber auch bei meiner angepassten Ernährungsweise nehme ich immer noch genug Kalorien und alle essenziellen Nährstoffe auf.“

Lebensmittel für alle

Pappeln auf Mark Shepards Farm

Die Vereinten Nationen schätzen, dass 2050 ca. 9,7 Milliarden Menschen auf der Welt leben werden:gut 2 Milliarden mehr als jetzt. Shepard: „In den letzten Jahren wurde viel über die Frage diskutiert, wie wir die wachsende Weltbevölkerung ernähren können. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit Permakultur 2050 auch diese 9,7 Milliarden Menschen ausreichend mit Nahrung versorgen können. Mehr noch: gerade mit Permakultur! Diese Form der Landwirtschaft zeigt nämlich, dass man eigentlich fast überall Nahrungsmittel anbauen kann. Das bietet auch Chancen in scheinbar unfruchtbaren Gebieten, wie zum Beispiel in Teilen Afrikas. Allerdings braucht man für Permakultur auch ausreichend Wasser. Ohne Wasser wächst nichts.“

Shepard sagt, dass die Ernährung der Weltbevölkerung zu einem erheblichen Teil eine Frage der Verteilung ist. „Momentan produzieren wir weltweit genug Nahrungsmittel, dass alle satt werden könnten. Das Problem ist nur, dass die Produktionskapazitäten ungleich verteilt sind. In vielen Gebieten Afrikas und Asiens wird zu wenig angebaut, um die lokale Bevölkerung ernähren zu können. Dazu kommt, dass viele arme Länder in diesen Regionen nicht in der Lage sind, genug Nahrungsmittel zu importieren. Würden diese Länder in großem Maßstab auf Permakultur umsteigen, könnten sie einen großen Teil ihres Bedarfs an Nahrungsmitteln aus eigener Kraft decken.“

Inspirierende Initiativen

Shepard: „Weil sich Permakultur grundlegend von anderen Formen der Landwirtschaft unterscheidet, kostet es viel Zeit, Menschen vom Wert der Permakultur und von den Möglichkeiten zu überzeugen, die sie uns bietet.“

Die Anzahl der Projekte im Bereich der Permakultur steigt aber weltweit kontinuierlich. Auch in den Niederlanden: www.permacultuurnederland.org. Shepard: „Inspirierende Beispiele zeigen, wie es mithilfe der Landwirtschaft gelingen kann, die Fruchtbarkeit von Böden wiederherzustellen, den Klimawandel zu bekämpfen und die Ernährung der Weltbevölkerung sicherzustellen.“

Text: Tobias Reijngoud

Fotos: Michiel Wijnbergh, Eldert van Henten

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Eva Fitzek vor 2 Wochen

Vielen Dank für den Artikel. Ich habe mich sehr gefreut endlich auch mal auf deutsch etwas über Mark Shepard zu lesen. Sein Buch, das es leider bisher nur auf Englisch gibt kann ich allen, die mit der Landwirtschaft zu tun haben oder es in Zukunft wollen nur wärmstens empfehlen. Ein sehr gut fundiertes und an Marks Farm angelehntes Buch darüber, wie Permakultur in der Landwirtschaft (in temperierten Zonen wie unserer in Deutschland) realistisch umsetzbar ist. „Restoration Agriculture“ von Mark Shepard

Yasmine Haun vor 2 Wochen

Ja, sicher auch in Frankreich steigt die Umsetzung der Permakultur wie beim David & Nathalie , engagierte Eigentürmer und Biolandwirte in der Normandie : https://www.myecostay.eu/bio-unterkuenfte/bio-bauernhoefe/bretteville-sur-ay/gaestezimmer-auf-dem-permakulturhof-in-der-normandie/
Und über das Konzept der Permakultur als Infografik kann man in unserem Blog anschauen: https://www.myecostay.eu/blog/permakultur-kurz-und-buendig/ in 3 Sprache…

Antwort an Yasmine Haun
Frederik Baum vor 2 Wochen

Eigentlich ist der Post von Frau Haun vor allem Werbung für Ihre Unterkunft und der Permakultur-Beitrag bringt gegenüber dem vorigen Artikel eigentlich keine zusätzliche Neuigkeiten.
Wahrscheinlich ist es nett bei Ihnen auf dem Hof, aber hier eigentlich nicht der Platz für Werbung.
Von Marc Shepard werde ich jetzt etwas lesen, vllt. kann ich in meinem Garten etwas davon umsetzen.

Monika Bootz vor 2 Wochen

im Westen Kuba’s haben wir bei einer Rundreise ebenfalls Beispiele von Permakultur gesehen. wir erwarteten in der Sierra Maestra und im Humboldt Nationalpark einen karibischen Wald. stattdessen wurde uns gezeigt, wie vielfältig Nahrungs- und Arzneipflanzen in diesen Waldlandschaften vorkommen, kultiviert, genutzt und gezielt erforscht werden.

Antwort an Monika Bootz
Matthias Veidt vor 1 Woche

War dort kein natuerlicher Wald mehr vorhanden? Nur noch Kulturland?

Dieter Neurohr vor 1 Woche

das schätze ich auch so. es bringt aber nicht genug dividende für die agro-industrie. thats the problem!

Matthias Veidt vor 1 Woche

Sehr gutesThema, ihr Artikel ist auch informativ.
Ich hatte 1992 eine Diskussion mit einem wiss. Mitarbeiter fuer Agraroekologie an meinem Fachbereich. Der war nicht ueberzeugt von Permakultur, meinte die Methoden sind umstritten und auf Dauer ungeeignet. Egal am besten Verbessern , Weiterentwickeln. . . . ist meine Meinung dazu.