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neuigkeit

SEKEM und das Gold der Wüste

Wie die Initiative die Wüstenbildung in Ägypten bekämpft

Wie die Initiative die Wüstenbildung in Ägypten bekämpft

Beinahe jede Sekunde wächst die Wüste auf unserem Planeten um die Größe eines Fußballfeldes. Mehr als 250 Millionen Menschen sind weltweit von Wüstenbildung betroffen und ein Drittel der Erdoberfläche droht zu verdorren. Bodenerosion ist ein globales Problem aber in Ägypten, einem Land, das zu über 90 Prozent bereits aus Wüste besteht, von ganz besonders großer Relevanz. Die ägyptische SEKEM Initiative bekämpft Wüstenbildung und alle daraus resultierenden Probleme mit bio-dynamischer Landwirtschaft und ganzheitlichem Engagement.

Schon vor Tausenden von Jahren haben sich die Menschen rund um den Nil niedergelassen, um dessen Wasser und fruchtbaren Schlamm für die Landwirtschaft zu nutzen. Seither ist die Bevölkerung rasant gewachsen. In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Anzahl der Ägypter verdreifacht. Über 91 Millionen Menschen versuchen heute auf der begrenzten fruchtbaren Fläche entlang des Nils zu leben – noch reicht der Platz aber die Nahrungsmittel werden knapp.

Wasserarmut oder Nahrungsmittelknappheit: Fatale Folgen durch zunehmende Wüstenbildung

Ägypten muss 40 Prozent der Lebensmittel importieren. Um dem entgegenzuwirken und den Ertrag der Ernte zu steigern, werden Unmengen Pestizide und künstliche Düngungsmittel eingesetzt. Dadurch wird der wenige ertragreiche Boden verseucht, alles Lebendige wird abgetötet – das Land verwüstet stetig weiter. Eine erneute Urbarmachung wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Außerdem vergiften die Chemikalien das kostbare Grundwasser, das neben dem Nil die einzige Wasserquelle des Landes ist. Und: Ägypten lebt schon jetzt in Wasserarmut. Der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Kopf liegt bei rund 660 Kubikmetern im Jahr – der weltweite Durchschnitt bei 1.000 Kubikmetern. Eine Prognose der Vereinten Nationen besagt, dass die Verfügbarkeit von Wasser in Ägypten im Jahr 2020 auf unter 500 Kubikmeter pro Kopf fallen wird.
Das Wüstenland ist besonders stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. So ist beispielsweise der Anstieg des Meeresspiegels eine direkte Folge der globalen Erderwärmung – das Nildelta sinkt bereits jetzt 3-5 Millimeter pro Jahr. Ein Anstieg des Meeres von einem Meter würde ein Viertel des Nildeltas überfluten – mehr als zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung würden ihre Häuser verlieren.

Die Wüstenbildung beeinflusst Wirtschaft und Gesellschaft

Die ägyptische Wüste wächst und das hat fatale Folgen nicht nur für die Landwirtschaft, sondern beeinflusst als logische Konsequenz auch Wirtschaft und Gesellschaft. Was kann in Ägypten getan werden, um dem entgegenzuwirken? Und was genau macht die SEKEM Initiative, die im vergangen Jahr von den Vereinten Nationen für den nachhaltigen Einsatz zur Bekämpfung von Wüstenbildung mit dem „Land for Life Award“ ausgezeichnet wurde?

SEKEM in Ägypten

Die SEKEM-Farm ist eine Oase in der Wüste Ägyptens.

„Die ökologischen Probleme des Landes müssen im größeren Kontext gesehen werden“, sagt Helmy Abouleish, der Geschäftsführer von SEKEM. „Wir müssen die ökologischen Probleme des Landes im größeren Kontext sehen und dann mit einem ganzheitlichen Ansatz angehen“, ergänzt Abouleish. „Es reicht nicht, nur nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben. Das Bewusstsein der Menschen muss durch Bildung gefördert werden und die Wirtschaft muss langfristiger und nachhaltiger agieren.“ Abouleish hat vor fast 40 Jahren gemeinsam mit seinem Vater, SEKEM Gründer Dr. Ibrahim Abouleish, mit diesem Ansatz begonnen die SEKEM Initiative zu realisieren.

“Das ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass biologische Landwirtschaft maßgeblich zur Bekämpfung des Klimawandels beiträgt”

Helmy Abouleish

Zunächst musste Wüstenboden urbar gemacht werden. Mit biologisch-dynamischen Methoden, beispielsweise dem Einsatz von Kompost, einer bestimmten Fruchtfolge oder der Verwendung von natürlichen Präparaten zur Düngung hat SEKEM in den vergangenen Jahrzehnten über 680 Hektar ehemaliges Wüstenland kultiviert. Die Rotation von Pflanzen verhindert eine Erschöpfung der Böden, bildet stattdessen mehr organische Substanz und weist ein breites Spektrum von mikrobiologischem Leben auf. „Unsere Felder können dadurch mindestens 20 Prozent mehr Wasser speichern und binden im Durchschnitt rund drei Tonnen CO2e pro Hektar und pro Jahr. Das ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass biologische Landwirtschaft maßgeblich zur Bekämpfung des Klimawandels beiträgt“, erklärt Helmy Abouleish.

Etliche Bauern folgen dem Beispiel SEKEM

SEKEM ist der Bio-Pionier Ägyptens aber mittlerweile sind etliche Bauern dem Beispiel gefolgt. Neben hunderten von Landwirten, die in ganz Ägypten für SEKEM biologisch anbauen, haben sich auch konventionelle Betriebe die natürliche Düngung mit Kompost abgeschaut. Produziert wird das sogenannte „Gold der Wüste“ übrigens mit Hilfe von Mist, der von den SEKEM-Tieren stammt, deren Haltung für die biodynamische Landwirtschaft Pflicht ist, da nur so der natürliche Kreislauf des Ökosystems gewährleistet werden kann.

Die SEKEM Farm ist heute eine Oase in der ägyptischen Wüste, in der Bäume, Pflanzen und Blumen wachsen und Menschen leben, arbeiten und lernen. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden von verschiedenen SEKEM Firmen verarbeitet und national wie international vermarktet. Bildungseinrichtungen wie verschiedene Schulen und eine Universität sorgen dafür, dass durch eine ganzheitliche Sicht auf die Dinge Bewusstsein für all die Faktoren entsteht, die Wüstenbildung verursacht. „Wir sind davon überzeugt, dass Wüstenbildung ebenso wie etliche andere Herausforderungen vor denen Ägypten momentan steht bekämpft werden können wenn wir nachhaltig und ganzheitlich Land kultivieren, wirtschaften und das Potenzial der Menschen fördern“, sagt Helmy Abouleish.

Dass es sich dabei nicht um Wunschdenken handelt, zeigt beispielsweise die internationale Wettbewerbsfähigkeit der SEKEM Firmen oder auch eine Studie, die SEKEM kürzlich veröffentlicht hat, in der die tatsächlichen Kosten von biologischer und konventioneller Landwirtschaft verglichen werden. Das Ergebnis: Biologische Landwirtschaft ist nicht nur die beste Methode um Wüstenbildung zu bekämpfen, sondern schon heute billiger, wenn die externen Kosten berücksichtigt werden, für die nicht nur die konventionellen Unternehmen, sondern wir alle früher oder später aufkommen müssen.

Über SEKEM:
Die SEKEM Firmengruppe ist Teil der 1977 von Dr. Ibrahim Abouleish gegründeten SEKEM Initiative für nachhaltige Entwicklung und produziert, verarbeitet und vermarktet biologische und biodynamische Lebensmittel, Textilien und pflanzliche Arzneimittel in Ägypten, der arabischen Welt und auf internationalen Märkten. Sie gilt als ägyptischer „Bio-Pionier“ und wurde 2003 mit dem „Right Livelihood Award“ ausgezeichnet, auch bekannt als „Alternativer Nobelpreis“.
Mit einem Teil ihrer Gewinne finanzieren die SEKEM Firmen die Aktivitäten der SEKEM Stiftung für Entwicklung (SDF), die unter anderem Schulen und ein medizinisches Zentrum betreibt. 2012 wurde unter der Schirmherrschaft SEKEMs die Heliopolis Universität für nachhaltige Entwicklung eröffnet.

SEKEM und Triodos:
Die Triodos Bank und SEKEM sind seit 2007 Partner. Die Triodos Bank ist Teilhaber von SEKEM und investiert über Aktien in die nachhaltige Vision der SEKEM Initiative. Von dem Kapital wird der ganzheitliche Ansatz SEKEMs gefördert wie beispielsweise die Schulen, SEKEMs medizinisches Zentrum oder kulturell Aktivitäten und Fortbildungen für Mitarbeiter. Damit wird ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung Ägyptens geleistet.

Text: Christine Arlt

Fotos: SEKEM

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