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einblick

superwork

Sein halbes Leben 40 Stunden die Woche mit Irgendwas zu verbringen, nur um Geld zu verdienen ist für Alicia und Catharina keine Option. Für sie steht selbstbestimmtes und sinnstiftendes Arbeiten an oberster Stelle. Auf ihrem Blog superwork stellen sie Menschen vor, die sich ebenfalls für Wege abseits des “nine to five” Jobs entschieden haben. Menschen, die ihre Zeit mit Dingen verbringen wollen, die ihnen sinnvoll erscheinen. Einen Unterschied machen. Und die sie sich frei einteilen können. Was das für Freuden und Risiken mit sich bringt, mit welchen Menschen man sich umgeben sollte um seine Projekte verwirklichen zu können und was man von “superwork” lernen kann, erklären die beiden in unserem Interview.

superworker: Sophie Pester, Alicia Metz, Catharina Bruns. Foto: Matze Hielscher

superworker: Sophie Pester, Alicia Metz, Catharina Bruns. Foto: Matze Hielscher

Auf superwork stellt ihr Menschen vor, die sich für selbstbestimmtes Arbeiten entschieden haben. Was macht euch am Meisten Spaß an superwork?

Alicia: Mit Menschen zu sprechen, die ihre ganz eigenen Wege gefunden haben, ihr Leben und ihre Arbeit zu gestalten. Das ist toll und inspirierend. Es gibt so unendlich viele großartige Ideen und so unterschiedliche Herangehensweisen. In den Interviews erzählen mutige Menschen ihre Geschichte und danach hat man das Gefühl, dass alles möglich ist. Ist es ja auch. Zudem ist bei superwork das direkte Feedback ganz wunderbar. Wenn Leser uns Mails schicken und sagen, dass sie sich jetzt ermutigt fühlen, den nächsten Schritt Richtung Selbstständigkeit zu gehen, dann habe ich schon kurz Gänsehaut. Von innen und außen. Genau das wollen wir ja mit superwork erreichen: Mut machen, Vorbilder zeigen und Ängste abbauen.

Auch über die vielen Astronauten-Interviews freuen wir uns immer sehr.
Außerdem sind wir ein tolles Team, das sich perfekt ergänzt. Und wenn es mal Tage gibt, an denen ich von irgendwas genervt bin, muss ich eigentlich nur mit einer der anderen sprechen. Dann bin ich wieder motiviert und gut gelaunt. 🙂

Catharina: Es ist uns auch wichtig Vorbilder für eine neue, selbst gestaltete Arbeitswelt zu zeigen. Das inspiriert nicht nur uns selbst immer wieder, sondern hoffentlich auch viele Leute da draußen, die sich auch ein anderes Arbeitsleben wünschen. Ich persönlich habe ein ganz starkes Bedürfnis einerseits Menschen, die zeigen, dass es auch anders geht eine Plattform zu bieten und andererseits Inspiration zu liefern, für Menschen, die auf der Suche sind. Ich glaube man kann niemanden motivieren, aber man kann inspirieren. Und mit superwork kann das gelingen, weil wir mit Leuten sprechen, mit denen viele sich gut identifizieren können. Sie haben nicht einfach Glück gehabt, auch wenn sie das manchmal von sich meinen, oder sind mit besonderen Privilegien oder besseren Bedingungen gestartet – sie haben einfach angefangen, das eigenen Leben und arbeiten zu gestalten. Und immer zeigt sich: Es geht! Ich finde das unheimlich respektabel und wahnsinnig interessant.

Erzählt mal – wie beschreibt ihr euren Verwandten wie ihr Geld verdient?

Alicia: Das kommt tatsächlich immer ein bisschen darauf an, wer mir gegenübersitzt und wie viel Zeit wir haben. Wenn es schnell gehen muss, sage ich nur, dass ich freie Redakteurin bin und verschiedene Projekte betreue. Wenn aber genug Zeit und Interesse da ist, erzähle ich von all meinen Tätigkeiten und Herzensprojekten. Ich habe für mich eine Patchwork-Arbeit gebastelt. Da sind die Projekte, die ich als freie Redakteurin betreue: Die Kochmamsell und die Bienensauna. Dann natürlich superwork und ich schreibe auch literarisch. Herzscheiße ist mein literarisches Tagebuch und ich war die letzten zwei Jahre Teilnehmerin der Textwerkstatt des Schriftstellers Kurt Drawert. Im Herbst erscheint eine Anthologie aus einem Übersetzungsprojekt, an dem ich mitgewirkt habe.

Bei uns geht es darum, auch andere in ihrer eigenen Selbstverwirklichung zu unterstützen.

Außerdem mache ich momentan noch eine Ausbildung zum Ernährungscoach, die ich im Herbst abschließe. Ich habe einfach viele Interessen und durch meine Selbstständigkeit, kann ich alle nebeneinander ausleben.

Catharina: In die “Verlegenheit” bin ich schon lange nicht mehr gekommen. Ich erkläre meine Arbeit auch ungern in den Kategorieren, die noch für die alte Arbeitswelt interessant waren. Wie viel kann man da verdienen? Wie sicher ist es? Das interessiert mich erstmal nicht. Als Unternehmerin mit besonderer Vision geht es mir erstmal um die Inhalte meiner Arbeit. Ich mache verschiedene Dinge, immer mit der Grundmotivation, mich weiter entwickeln zu können und andere dazu zu inspirieren, selbst zu gestalten. Das trifft auf all meine Unternehmen zu. Bei supercraft ganz praktisch, denn wir konzeptionieren, desginen und vertreiben DIY-Kits zum selbst fertigstellen. Aber auch bei Lemon Books, einer Design-Plattform und Manufaktur für selbst gestaltete Notizhefte. Geld ist ein notwendiges Gestaltungsmittel. Für mich ist es wichtig, das ich gestalten kann – deshalb bin ich Entrepreneurin. Bei uns geht es darum, auch andere in ihrer eigenen Selbstverwirklichung zu unterstützen. Mein Projekt “workisnotajob.” und das zugehörige Buch inspirieren eine neue Haltung zur Arbeit und beschreiben die Notwendigkeit Arbeit und Leben selbstständig zu gestalten. Ein leidenschaftliches Plädoyer für die Selbstständigkeit in jeder Hinsicht.

Wann kam bei euch das erste Mal bewusst der Gedanke auf – einfach irgendwo angestellt,
vollzeit weisungsbefugt sein – das ist nichts für mich?

Alicia: Ach, bei mir war das eigentlich schon in meinem ersten Job nach dem Studium. Aber ich dachte dann, dass es vielleicht an der Stelle liegt. Nach mehreren Versuchen, habe ich dann aber gemerkt, dass es einfach das Angestellten-Konzept ist, dass irgendwie nicht so recht zu mir passen will. Mir hat immer etwas gefehlt und ich habe mich sehr eingesperrt gefühlt. Außerdem war mir schon immer wichtig, mein Leben möglichst frei und selbstbestimmt zu leben. Ich will selbst eintscheiden, wie ich meinen Alltag gestalte – und eben mein Leben; und das fängt ja nicht erst um 17:30 Uhr an. Das ist doch meine Zeit und es ist alles, was ich habe. Deswegen gab es für mich auch nicht wirklich Alternativen zur Selbstständigkeit. Ich bin im September 2015 3 Jahre selbstständig und freue mich jeden Tag darüber.

newwork320Dazu fällt mir noch ein tolles Zitat von Götz Werner ein: “Streichen Sie die Begriffe Arbeitszeit und Freizeit aus ihrem Wortschatz, ersetzen Sie diese durch Lebenszeit und fragen Sie sich: Macht das Sinn, was ich mache?”

Catharina: Kurioserweise habe ich das nach meinem Studium eigentlich erstmal gar nicht in Frage gestellt. Ich wollte ins Ausland gehen und Karriere machen. Irgendwo etwas Spannendes mitgestalten. Aber die Erfahrung aus verschiedenen Konzernen und scheinbaren “Traumjobs” hat mir schnell ganz deutlich gezeigt, dass das alles mit Gestaltung nichts zu tun hat. Selbst die Annehmlichkeiten der Festanstelltung konnte ich nicht genießen. Geld kann für mich Inhaltslosigkeit nicht aufwiegen – sonst säße ich immernoch an meinem Schreibtisch und würde krampfhaft versuchen Arbeit und Leben sauber zu trennen. Außerdem glaube ich nicht an Sicherheit im Job, oder ehrlich gesagt, generell im Leben – sie bleibt eine Wunschvorstellung.

Ich selbst habe während der Krise 2008/09 in Irland drei Runden von Massenentlassungen miterlebt. Ich brauche auch niemanden, der mir sagt, wann ich kommen und gehen soll, wann was zu machen ist oder wann Mittagspause – oder noch besser, wann Freizeit ist. Dieser riesige Verlust an Zeitsouveränität kommt mir ehrlich gesagt total crazy vor. Ein Wunder, dass so viele Menschen es als selbstverständlich empfinden, das jemand anderes über ihre Lebenszeit verfügt. Ich möchte das nicht. Ich bin in Freiheit besser aufgehoben – ich will Dinge tun, von denen ich überzeugt bin. Nicht etwas, nur weil es in irgendeiner standardisierten Jobbeschreibung steht und im Grunde nichts mit mir zu tun hat. Nie wieder und für kein Geld der Welt. Meine Herausforderung besteht jetzt darin, meine Unternehmen so zu bauen, dass keiner meiner Mitarbeiter solche Gefühle bekommt.

Was meint ihr treibt die Menschen aus den „klassischen“ Standard-Biografien?

Catharina: Ich kann nur für mich sprechen aber viele Menschen haben mir ihre ähnlichen Beweggründe mitgeteilt. Die gähnende Leere, die große Langeweile, das Gefühl nichts zu bewirken. Die fehlende Selbstwirksamkeit und gleichzeitig das Gefühl, sein Leben zu verpassen. Manchmal treibt auch eine Überzeugung so stark an, dass Menschen vermeintliche Sicherheit und Routine hinter sich lassen – einfach weil ihnen etwas so wichtig ist – etwa nach einem Unfall oder Verlusterfahrung, manchmal auch einfach aus großer Abenteuerlust.

Aber immer mehr Menschen, so denke ich, sehen auch einfach – es geht auch anders. Man muss nicht immer in eine existenzielle Krise gekommen sein um sein Leben zu verändern. Die heutige Zeit macht es einfacher, sich auf den eigenen Weg zu begeben, ohne dabei vollkommen exotisch zu sein. Unternehmertum und Selbstständigkeit war historisch betrachtet Normalität, abgesehen vom Adel und Klerus, Standard-Erwerbsbiografien empfinden wir doch erst als “Errungenschaft”, seidem uns das Industriezeitalter “Jobs” beschert hat. Jobs, die uns fortan alle zu Arbeitnehmern machten, deren soziale Absicherung und Arbeitstag abhängig von einem Arbeitsplatz und einem Arbeitgeber ist. Damals war das wirklich eine Errungenschaft, jetzt wird es Zeit, das Ganze für heutige Lebensentwürfe zu modernisieren.

Alicia: Ehrlich gesagt finde ich es schade, dass man von Standard-Biografien spricht. Dieses Leben ist so einzigartig und wunderbar und wir haben ja auch nur dieses eine. Warum sollte man da eine Standard-Biografie leben wollen?

Meide Verhinderer, suche Ermöglicher.

Welche Job Biografien auf superwork haben euch besonders beeindruckt und warum?

Alicia: Jede einzelne Geschichte hat mich beeindruckt. Menschen, die ihr Leben in die Hand nehmen und selbst gestalten – das ist nie uninteressant. Aber es ist schön, dass es so unterschiedliche Biografien sind. Dadurch kann jeder eine Geschichte finden, die ihn persönlich inspiriert und motiviert.

Catharina: So ist es. Interessierte Menschen tun interessante Dinge. Daher sind die schönsten Geschichten auch immer von einem ansteckenden Enthusiasmus geprägt. Ich liebe das – es ist so wichtig enthusiastisch für etwas zu sein.

Steuerberater, Versicherungsberater, Gründungsberater, Mentoren, … Mit was für Menschen sollten sich Gründungsfreudige umgeben?

Alicia: Mit Vorbildern und inspirirenden Menschen. Vor allem Anfang ist es so wichtig, Menschen um sich zu haben, die einem Mut machen. Gründungsberatungen gibt es viele, aber es fehlen oft konkrete Beispiele für einen neuen Umgang mit Arbeit. Und vor allem sollte es die schon sehr viel früher geben. In der Schule und im Studium war Selbstständigkeit nie eine Option für mich. Das lag aber vor allem daran, dass ich viel zu wenig darüber wusste.
Aus diesem Grund wollen wir auch mit superwork langfristig ein großes Netzwerk, eine Bewegung aufbauen. superwork soll eine Anlaufstelle für Menschen sein, die ihr Leben und ihre Arbeit selbst gestalten wollen. Und wir wollen ihnen einen Platz zum Austausch geben und dabei helfen, den bestmöglichen Start in die Selbstständigkeit zu finden.

Ansonsten kommt es natürlich sehr auf die Idee an. Für manche Projekte muss man sich schon wesentlich früher mit Versicherungen etc. auseinandersetzen.
In unserem superworkshop bekommt man genau dazu schon jede Menge Infos und auch viele Vorlagen und Tipps. 😉

Catharina: Es ist übrigens in jeder Lebensphase Gift, sich mit den falschen Menschen zu umgeben. Wer sein Leben verändern und seine Arbeit selbst gestalten will, sollte sich auf keinen Fall mit Menschen umgeben, die die eigene Entwicklung behindern. Leider sind das manchmal die besten Freunde, liebsten Kollegen oder sogar Eltern und Familie. Man muss es ihnen nachsehen, sie meinen es ja gut. Aber sei es durch übertriebene Vorsicht und Verunsicherung oder durch gut gemeinte Ratschläge die immer mit “Aber…” anfangen.

Es gilt: Meide Verhinderer, suche Ermöglicher. Sonst muss man doppelt stark sein. Man darf sich nicht aufhalten lassen und muss im Kern selbst wissen, was richtig für einen ist. Bei der Ausgestaltung solle man sich Hilfe holen – nicht unbedingt von jeder Beratungsstelle die es gibt – sofern sie noch an der alten Arbeitswelt kleben. Für den Schritt in die Selbstständigkeit hilft es mehr, sich mit anderen “MacherInnen” zu umgeben, als mit “BeraterInnen”, die nur theoretisch wissen wie es geht. Aber enthusiastische Leute gibt es überall. Sie sind nur meistens nicht die, denen man als erstes begegnet oder sie am Empfangsschalter sitzen.

Schafft Selbstständigkeit andere Abhängigkeiten? Wie kann man da entgegenwirken?

Catharina: Ich glaube es ist eine Illusion zu glauben, man könnte von allem vollkommen unabhängig sein – die Frage ist, warum sollte man das wollen? Selbstständigkeit bedeutet die Verantwortung für sein Leben und Arbeiten in eigene Hände zu nehmen. Man ist abhängig von der eigenen Leistungsfähigkeit, Ideenreichtum und natürlich von Kunden, die die eigene Arbeit honorieren. Aber die klassischen Abhängigkeiten, wie etwa von dem einen Arbeitsplatz, dem einen großen Auftrageber oder dem einen Bereich auf den man festgelegt wurde – die kann man als EntrepreneurIn doch sehr gut anders begegnen. Kein Job kann je so flexibel, vielseitig und ausgestaltbar sein, wie der, den man sich selbst geschaffen hat. Unabhängigkeitkeit, muss man sich gestalten.

Einzelunternehmer haben den Ruf gerne Selbstausbeutung zu betreiben. Aber Miete und Zahnersatz lassen sich schwer im Preis drücken. Braucht man ein gutes Polster oder zur Not einspringende Eltern, um beruflich frische, unbetretene Wege zu gehen?

Alicia: Das kommt ein bisschen darauf an, was man genau machen will. Natürlich spielt Geld eine andere Rolle, wenn man ein Café oder einen Laden aufmachen will. Oder wenn man erstmal in ein teures Gerät investieren muss. Als ich mich selbstständig gemacht habe, brauchte ich nicht so viel. Einen Laptop, ein bisschen Mut und erste Aufträge. Laptop und Mut hatte ich schon und die ersten Aufträge haben auch schnell geklappt.

Zudem war für mich meine Freiheit immer wichtiger als materielle Dinge. Wenn ich mich entscheiden muss, habe ich lieber weniger Geld und dafür mehr Zeit.
Aber auch für größere Ideen gibt es heute so viele Möglichkeiten: Crowdfunding, Wettbewerbe etc.

Tut mir leid, aber “Selbstausbeutung” ist für mich einer der unsinnigsten Begriffe, die im Bezug auf Arbeit verwendet werden.

Und das mit der Selbstausbeutung kann ich für mich so auch nicht bestätigen. Ich glaube nicht, dass es bei Selbstständigen mehr Selbstausbeutung gibt als in Angestelltenverhältnissen. Und selbst wenn es mal Phasen gibt, die sehr stressig sind, weiß ich ganz genau, wofür ich arbeite. Ich entscheide selbst.

Catharina: Ach. Natürlich kann Geld, das irgendwo auf der hohen Kante liegt immer hilfreich sein. Aber es ist heute keine Notwendigkeit mehr um zu starten. Das schöne am Geld ist – es lässt sich verdienen! Wer durch seine selbstständige Arbeit seine Miete nicht bezahlen kann, der muss an seinem Geschäftsmodell feilen. Das gehört auch zur Wahrheit. Es reicht eben oft nicht mehr, “nur” zu schreiben, “nur” zu designen, “nur” zu illustrieren – die Liste geht endlos weiter. Man muss sich als Entrepreneur verstehen und entsprechend handeln. Übrigens: Dieser “Ruf” der ständigen Selbstausbeutung bei gleichzeitig prekärem Lebensstandard entsteht durch die Meinung Angestellter und Gewerkschaftler, die meinen, sie könnten den selbstständigen Arbeitsentwurf mit ihrem tariflich geregelten und vollversicherten Normalarbeitsplatz vergleichen – und dieser wäre das Maß aller Dinge.

Natürlich klagen auch Selbstständige über “Selbstausbeutung” – wahrscheinlich, weil sie lieber angestellt wären. Tut mir leid, aber “Selbstausbeutung” ist für mich einer der unsinnigsten Begriffe, die im Bezug auf Arbeit verwendet werden. Wer bitteschön entscheidet denn, wann ich mich selbst “ausbeute” – wenn nicht ich selbst? Wer zur eigenen Überforderung neigt, tut das im Job genauso wie als UnternehmerIn oder Hausfrau/mann. Vielleicht verstehe ich das Konzept auch einfach nicht, weil ich mich selbst frei davon fühle – ich arbeite ja grade deswegen selbstständig, weil ich ein schönes Leben haben will! Das man damit schlecht Geld verdienen kann, ist eine Mär und wahrscheinlich deswegen so hartnäckig, weil wir besonders hierzulande überhaupt keinen Zugang zum eigenen Unternehmertum mehr haben.

In Deutschland ist man angestellt. Und fühlt sich daher auch schnell ausgebeutet oder bekommt die Selbstausbeutung attestiert. Das wir uns hierzulande so schwer vorstellen können, dass man unternehmerisch gutes Geld verdienen kann und jeder, der nicht angestellt ist, von den reichen Eltern oder dem Ehepartner quersubventioniert ist, zeigt ja, wie weit wir von einer unternehmerischen Denkweise und Gründermentalität entfernt sind. Dabei sind die Möglichkeiten unternehmerisch zu arbeiten sehr vielfältig und heutzutage für fast jeden gangbar. Man muss es allerdings wollen.

Wir müssen aufhören uns dafür zu interessieren was der Nächste so bekommt und uns stattdessen auf das konzentrieren, wer wir selbst sein wollen und was wir bewegen möchten.

Sollten wir viel offener über Geld, über Honorare und Gehälter sprechen? Oder reden wir schon zu viel drüber?

Alicia: In unseren superwork-Interviews fragen wir oft, welche Rolle Geld spielt und wie unsere Interviewpartner für sich Karriere, Erfolg und Freiheit definieren. Freiheit oder Sicherheit? Selbstverwirklichung oder Karriere?
Ich denke, dass wir darüber mehr sprechen sollten. Es ist sehr auffällig, dass bei den meisten, die mit ihrer Arbeit und ihrem Tun glücklich sind, Geld gar keine so große Rolle spielt. Die MacherInnen, die wir interviewen, gestalten ihre Arbeitswelt und ihr Leben selbst, sie definieren für sich Begriffe neu und setzen andere Prioritäten.  Wenn es um ein klassisches Angestelltenverhältnis geht, spielt Geld/Gehalt oft eine andere Rolle als in der Selbstständigkeit.

Und auch allgemein gibt es große Unterschiede im Umgang mit Geld und in Gesprächen über Geld, denke ich. Ich habe viele Freunde, für die Geld eigentlich keine große Rolle spielt, die aber das, was sie haben ganz bewusst ausgeben. Sie machen sich Gedanken darüber, was sie mit ihrem Geld unterstützen und sie wissen ganz genau, dass sie eben immer etwas beeinflussen, wenn sie Geld investieren. Ich sehe aber tatsächlich auch viele, die sich hauptsächlich über materielle Statussymbole und Geld definieren.

Aber ich finde auch Ideen wie das bedingungslose Grundeinkommen sehr spannend. Und ich denke, dass das vielen Menschen die Möglichkeit geben würde, Ideen und Projekte umzusetzen, an die sie sich vorher aus Angst nicht getraut haben.
Mit unserem superworkshop wollen wir zeigen, dass das auch jetzt schon möglich ist. Wir wollen Mut machen, sein Leben neu zu gestalten.

Catharina: Was soll das bringen? Es zeigt nur, wie sehr wir am Geld als einzig wahre Belohnung für Arbeit und Garantie für ein schönes Leben kleben. Mich interessiert es überhaupt nicht was jemand verdient. Mich interessiert einzig, was Menschen aus ihrer Zeit machen. Interessant ist doch: Man braucht weniger Geld um etwas zu bewegen, als viele glauben. Wir müssen nicht mehr über Geld, Gehälter oder Honorare sprechen – wir müssen aufhören uns dafür zu interessieren was der Nächste so bekommt und uns stattdessen auf das konzentrieren, wer wir selbst sein wollen und was wir bewegen möchten.

frei_eit320Warum sollte man einen superworkshop mitmachen?

Alicia: Unser Workshop ist für alle Menschen, die sich Gedanken über ihre tägliche Arbeit machen. Dabei ist es egal, ob man schon selbstständig ist oder es gerade plant. Egal, ob man ein Startup gründen will, Soloselbstständig ist oder sich eine Patchwork-Arbeit basteln möchte. Die Übungen im Workshop sind für jeden hilfreich, der mehr aus dem machen will, das er schon hat: Talente, Wünsche, Interessen und die Lust zu gestalten.

Catharina: Man wird mit wichtigen Fragen der Selbstständigkeit konfrontiert und kann spielerisch damit umgehen, anstatt sich schon von Beginn an viele Sorgen zu machen. Der superworkshop kann helfen den eigenen Weg zu finden und zu gehen. Es ist ein Anfang. Und den zu machen, das wollen wir unterstützen.

Eure 3 Wünsche an eine moderne Arbeitswelt?

Alicia und Catharina einigen sich auf: Do! It! Yourself!

 

Seit 2011 bloggt Julia Manzke auf Green Friday über verschiedene Facetten des nachhaltigen Großstadtlebens. Ihr Herz schlägt für Ideen, die die Welt ein bisschen besser machen. Und weil sie findet, dass Nachhaltigkeit Spaß machen muss, versieht sie ihre Geschichten gerne mal mit einem Augenzwinkern. Julia schreibt nicht nur – sie liest auch leidenschaftlich gerne Blogs und ist aktiver Teil der deutschen Nachhaltigkeits-Blogosphäre. Für die „Die Farbe des Geldes“ stellt sie daher regelmäßig ihre Lieblingsblogs vor.

Bildnachweis:
Mittleres Foto des Titelbildes: Matze Hielscher

 

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