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einblick

„Clever arbeiten ist nicht gleichbedeutend mit viel arbeiten“

Wie das erfolgreiche Startup Tandemploy die Arbeitswelt von Grund auf verändert

Wie das erfolgreiche Startup Tandemploy die Arbeitswelt von Grund auf verändert

Viele Menschen träumen davon flexibler zu arbeiten und sich zum Beispiel den Job mit jemandem zu teilen. Die Realität sieht meist anders aus, die Arbeitswelt ist wenig flexibel. Die Gründerinnen von Tandemploy setzen hier an und revolutionieren den Status quo der Arbeit. Spannend!

Jana Tepe und Anna Kaiser verändern mit ihrem Startup Tandemploy die Arbeitswelt. Vor vier Jahren starteten die beiden mit einer Jobsharing-Plattform, heute ist Tandemploy viel mehr als das: Die von ihnen entwickelte Software flex:workz hilft Unternehmen dabei, die Arbeit neu zu strukturieren, indem sich die Mitarbeiter vernetzen und in neuen Arbeitsformen organisieren. Jana Tepe und Anna Kaiser haben ihr Geschäftskonto bei der Triodos Bank. Wir haben mit ihnen über Tandemploy und ihre Vision der Zukunft von Arbeit gesprochen.

Jana und Anna, Momo aus Michael Endes weltbekanntem Roman gelingt es, die grauen Herren, die Zeiträuber, zu besiegen. Ist es realistisch, dass wir künftig cleverer arbeiten und weniger Zeit für unseren Job aufwenden? Können wir den grauen Herren etwas entgegensetzen?

Jana: Ja, genau aus diesem Grund gibt es Tandemploy. Wir wollen den Menschen die Zeitsouveränität zurückgeben und sind überzeugt, dass davon alle profitieren werden – Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Momo besiegt die Zeitdiebe indem sie zuhört und schlussendlich den Mut hat, gegen die grauen Herren zu kämpfen. Genauso gehen wir auch in den Organisationen vor, mit denen wir zusammenarbeiten. Wir schaffen durch unsere Software Räume, in denen die Mitarbeiter äußern können – auf Wunsch auch anonym – was sie sich wirklich wünschen und wie sie arbeiten möchten. Dadurch kommen wir Momos Welt schon etwas näher (lacht).

Anna (links) und Jana krempeln mit Tademploy die Arbeitswelt um. Foto von: Christian Stumpp

Anna (links) und Jana krempeln mit Tademploy die Arbeitswelt um. Foto von: Christian Stumpp

Tandemploy hat als Plattform für Jobsharing begonnen und ist inzwischen viel mehr…

Anna: … Genau, die Jobsharing-Plattform, die es nach wie vor gibt, war unser Einstieg. Inzwischen liegt der Fokus auf unserer Software flex:workz zur internen Flexibilisierung von Unternehmen. Wir befassen uns jetzt mit der ganzen Organisation. Mithilfe der Software können sich Mitarbeiter einer Firma in einem geschlossenen Raum vernetzen. Sie können sich mit ihren Kollegen für flexible Arbeitszeitmodelle, für Projekte, für Mentoring-Konzepte, Jobrotation und Jobsharing zusammentun – oder einfach Wissen austauschen. Die Flexibilisierung von Organisationsstrukturen betrifft jedes Unternehmen. Wir merken, dass wir damit einen Nerv getroffen haben. Eigentlich ist jedes Unternehmen gesprächsbereit. Alle wissen, dass sie etwas tun müssen. Oft ist ihnen aber nicht, wo sie anfangen sollen.

Was sagt ihr ihnen dann?

Anna: Wir merken, dass Flexibilisierung ein Thema ist, dass sich viele gerne auf ihre Agenda schreiben. Es ist aber nichts, das von oben in der Hierarchie einfach nach unten durchgesetzt werden kann. Das passiert nicht. Deshalb wird unsere Software nicht von oben gesteuert, sondern von den Menschen in einer Organisation. Wir haben einen demokratischen Ansatz, denn die Flexibilisierung geht alle an. Deshalb müssen auch alle mitanpacken.

Viele große Unternehmen nutzen eure Software bereits und versuchen ihren Mitarbeitern flexiblere Arbeitszeiten- und formen zu ermöglichen. Wie sieht es bei euch im Unternehmen selbst aus, erprobt ihr das Arbeitsmodell der Zukunft?

Jana: Klar, das was wir nach außen predigen, wollen wir auch selbst leben! Wir sind derzeit 20 Leute, die alle in flexiblen Modellen arbeiten. Jeder, der bei uns neu anfängt, wird im Recruiting-Prozess gefragt, wie viele Stunden er idealerweise arbeiten will. Wir als Organisation schauen dann, wie die Wünsche in unser Gefüge passen. Wir können fast alles durch Jobsharing-Konstellationen oder Teamsharing auffangen, so dass am Ende jeder so viel arbeitet, wie er will. Die meisten von uns arbeiten um die 25 bis 32 Stunden. Es gibt aber auch einige die Vollzeit arbeiten, was ja in bestimmten Lebensphasen auch super sein kann. Wir verteufeln es ja nicht generell. Aber wir haben uns davon verabschiedet, die 40-Stunden-Woche als Nonplusultra anzusehen.

Kürzlich habt ihr die bayerischen Feiertage bei euch in Berlin eingeführt…

Anna: …ja, tatsächlich, die haben wir eingeführt. Ich komme aus Bayern. Zunächst hat es als kleiner Witz angefangen, doch dann haben wir Ernst gemacht. Die Bayern haben vier Feiertage mehr im Jahr als die Berliner und sind trotzdem wirtschaftlich sehr erfolgreich. Oder vielleicht gerade deswegen, aufgrund der kleinen Pausen im Alltag? (lacht)

Wie kamt ihr auf die Idee, Tandemploy zu gründen?

Jana: Die Idee für die Jobsharing-Plattform ist  in unserem vorherigen Job entstanden. Anna und ich waren Kolleginnen und haben vor viereinhalb Jahren in einer Personalberatung gearbeitet. Für einen Kunden sollte ich damals eine Führungsposition besetzen, auf die sich zwei Menschen gemeinsam beworben haben.

Was sehr selten vorkommt?

Jana: Eine Bewerbung für zwei Personen, ein Deckblatt, einen Lebenslauf – das war schon sehr ungewöhnlich. Ich wollte wissen was dahinter steckt, fand es total spannend. Ich habe daraufhin mit den beiden ein Interview geführt und war fasziniert. Für mich war das eine konkrete Lösung für ganz viele Probleme, die wir am Arbeitsmarkt haben. Sehr, sehr viele Menschen wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten und sehen aber keine Möglichkeiten, dies für sich zu realisieren. In vielen Organisationen dominiert nach wie vor die Vorstellung, dass es spannende Jobs nur in Vollzeitmodellen gibt.

Wie ging es weiter?

Anna: Jana kam aus dem Interview, ist zufällig mir als erstes begegnet und hat mir davon erzählt. Wir beide haben unabhängig voneinander angefangen zu recherchieren und haben herausgefunden, dass es Jobsharing-Modelle schon seit den 1980er Jahren in Deutschland gibt. Sie wurden nur nie wirklich umgesetzt. Zwei Tage später haben wir beide gekündigt und begonnen, die Jobsharing-Plattform aufzubauen.

Wie wurde eure Idee aufgenommen?Geschäftskonto Triodos Bank

Jana: Wir haben von Anfang an sehr viel Aufmerksamkeit dafür bekommen. Die Plattform hat sich sehr gut entwickelt. Vor allem hochqualifizierte Menschen haben sich bei uns angemeldet, die ganz explizit auf der Suche nach einer anderen Arbeitsform waren. Unser Team ist daraufhin immer weiter gewachsen. Vor gut zwei Jahren wurden große Unternehmen auf uns aufmerksam und fragten an, ob wir nicht eine interne Jobsharing-Software anbieten könnten.

So entstand flex:workz?

Anna: Ja, wir fanden die Idee toll. Die meisten Menschen arbeiten ja schon irgendwo in einem Unternehmen und wünschen sich dort etwas verändern zu können. Basierend auf der Matching-Technologie von Tandemploy haben wir unsere interne Software entwickelt. flex:workz ist inzwischen unser Hauptprodukt. Wir sehen, dass wir damit noch viel mehr in der Arbeitswelt bewirken können. Diverse flexible Arbeitsformen sind damit realisierbar oder Projektteams mit den bestqualifiziertesten Menschen für ein bestimmtes Thema finden sich darüber, um nur wenige Beispiele zu nennen. Wir sprechen damit sehr, sehr viele Unternehmen an.

Nur die großen oder auch kleinere Firmen?

Anna: Unsere Software ist auch für die kleineren Firmen interessant und kommt nach und nach auch in den Mittelstand. Die großen Unternehmen haben sich aber zuerst dafür interessiert.

Zu guter Letzt: Clever arbeiten, was heißt das für euch?

Jana: Clever arbeiten ist für mich nicht gleichbedeutend mit viel arbeiten. Bei uns im Büro hängt ein Zitat: ‚Work smarter instead of harder‘, das trifft ganz gut den Kern, wie ich finde. Wir wissen inzwischen so viel darüber, wann Menschen gut und produktiv arbeiten und wann sie glücklich sind bei der Arbeit. Leider hat das aber immer noch nicht viel mit unserer Arbeitsrealität zu tun. Wir schaffen es nur schwer, unser theoretisches Wissen über gutes Arbeiten in die Praxis zu übertragen. Deswegen wollen wir damit experimentieren und Dinge wirklich anders gestalten. Ich bin der Überzeugung – und das bestätigt sämtlich Forschung – dass Menschen nicht acht Stunden am Stück produktiv sind. Es müssen sehr viele Denkmuster überholt werden.

Interview: Michael Rebmann

Fotos: Titelbild von Tandemploy: Mai/Heygster, Porträt von Jana und Anna: Christian Stumpp

 

Die Digitalisierung beeinflusst nicht nur unser Arbeitsleben, sondern eigentlich jeden Teil der Gesellschaft. Wie revolutionär die Entwicklung ist, darüber haben wir kürzlich mit dem Autor Börries Hornemann gesprochen.

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Sammes vor 2 Wochen

Interessant wäre zB bei einer „geteilten“ Arbeitsstelle auch gewesen, wie das mit dem Arbeitsrecht vereinbar ist…